Chöre im Norden

Ein evangelischer Bläserchor mit Tradition

Chorleiter Alexander Ribbat (l.) dirigiert

Foto: Michael Korte

Chorleiter Alexander Ribbat (l.) dirigiert Foto: Michael Korte

Resse.   Der „Posaunenchor Resse“ wurde bereits 1906 gegründet. Heute kommen viele der Musiker aus der Region und nicht mehr aus dem Stadtteil.

Der „Posaunenchor Resse“ sitzt im Kreis, bereit zur Probe. Noch bevor der erste Ton gespielt wird, fällt Erstaunliches auf: Im Reigen befindet sich gar keine Posaune. Vertreten sind Trompeten, Hörner, Tuben. Aber eben keine der namensgebenden Posaunen. Kein Problem, meint Chorleiter Alexander Ribbat. „Von der Tonlagen her entsprechen die Tenorhörner den Posaunen.“

Die „Sonata Es Dur“ von Vivaldi erklingt. Ein klassisches Stück, weich, warm, emotional mit festlichem Charakter. Der Klang ist voll, auch wenn heute nur sieben Bläser vereint sind. Fünfzehn könnten es sein, wenn alle da sind. Das sei aber selten der Fall, verraten die Musiker. Seit einigen Jahren proben sie im „Exil“. Zugehörig sind sie zur Pauluskirche in Resse. „Das Gemeindehaus gibt es ja nicht mehr. Seitdem proben wir hier im Gemeindehaus von St. Ida“, sagt Ribbat und schließt an, bald müsse man sich wieder einen neuen Probenraum suchen. Im September werde auch dieses Haus geschlossen.

Am Anfang ein Kreis von Autodidakten

Der Posaunenchor vereint Bläser aus der ganzen Region. Nur noch drei kommen überhaupt aus Resse. Einer von ihnen ist Günter Gorray. Im Juli 1957 kam er zum Bläserchor. „Ich war zwölf, 13 Jahre alt, als ich angefangen habe.“ Da war der Chor gerade wieder zu neuer Stärke gelangt. Ursprünglich war er 1906 gegründet worden. Im Krieg aber wurde nicht gespielt. 1950 ging es wieder los. „Da haben sich Leute zusammengefunden, die aus Zufall auf dem Dachboden der Kirche Instrumente gefunden hatten. Die haben sich das Spielen selbst beigebracht.“

Im Wesentlichen spielte man das Choralbuch rauf und runter. „Es gab ja keine Literatur.“ Die bekam man bald von anderen Chören. Dennoch standen nur sakrale Werke auf dem Probenplan. „Wir waren gar nicht in der Lage, anderes zu spielen“, sagt Gorray, der selbst erst Trompete spielte, aber 1962 zu „seinem“ Instrument fand, der Tuba. Mit ihr geht er seither durchs Leben. „Das ist mein Instrument.“ Mit dem spielen er und seine Mitmusiker seit 2000 auch Modernes. Da übernahm Alexander Ribbat den Posaunenchor. „Der konnte uns viel beibringen. Das Niveau ist seither gestiegen. Wo wir uns früher nicht ran getraut haben, ist heute für uns Standard.“

Nachwuchs gibt es kaum

Das Kleinkonzert geht weiter mit „Air“ von Telemann. Ein sehr schöner, konzentrierter Vortrag ist das. Die Stücke sind gut gewählt, klingen voll und gut. „Die Literatur für Posaunenchöre ist in den letzten Jahrzehnten sehr gut geworden“, sagt Ribbat. Der sorgt sich zuweilen um den musikalischen Nachwuchs. Davon gebe es wenig. „Die Bereitschaft, regelmäßig zu proben und Auftritte zu spielen, ist nicht mehr so groß.“

Die Schwierigkeit ist natürlich, dass Interessenten Vorkenntnisse mitbringen müssen und ein Instrument. „Einigermaßen sollten die Leute spielen können“, sagt der Chorleiter, der auch unterrichtet. Dann relativiert er das noch ein bisschen. „Das Schöne am Posaunenchor ist, dass er alle auffängt.“ Soll heißen, es gibt schwierige Stimmen zu spielen und einfachere.

Mal klassisch, mal Swing

Jetzt wollen die Bläser beweisen, dass sie auch moderneres Liedgut beherrschen. Ein Arrangement von Richard Roblee. Der sei in der Szene sehr bekannt für seine leichten Stücke, die dennoch beherrschbar sind. „Komm, sag es allen weiter“, ist der Titel. Die deutsche Version von „Go Tell It on the Mountain“. Auf einen klassischen Beginn folgt ein leichtes Stück, irgendwo zwischen Swing und Dixieland. Gen Ende legt Alexander Ribbat mit einem Trompetensolo noch eins drauf – ein mitreißender Sound.

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