Ein Denkmal für Sankt Theresia

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Mitte Juli schloss die katholische Kirche in Hassel ihre Pforten. Der Herner Künstler Dirk Schlichting hat das Gotteshaus jetzt in Stein verewigt. Konrad Herz hatte die Idee dazu

Der letzte Vorhang für St. Theresia in Hassel fiel am 17. Juni 2007: Seither wird das Gotteshaus vom Bistum Essen nur noch unter dem Stichwort "Weitere Kirchen" geführt. Das heißt im Klartext: Es gibt kein weiteres Geld für den Bau, der Ende der 50er Jahre an der Polsumer Straße errichtet wurde. Weil dieses Haus jedoch so ungewöhnlich ist, hat der Künstler Dirk Schlichting ihm ein Denkmal gesetzt. Detailgetreue Architektur, in Stein gemeißelt. Als Andenken.

Zwar darf die Kirche, die seit 1999 auf der Denkmalliste der Stadt steht, nicht abgerissen werden. Aber nun können sich eingefleischte Fans ein Abbild des Denkmals auch ins eigene Haus - oder in den Vorgarten - holen. "Der ungewöhnliche Bau gefiel mir unheimlich gut, als ich St. Theresia zum ersten Mal gesehen habe", schwärmt Dirk Schlichting, der sein Atelier in Herne hat und sich erst nach und nach mit den Wahrzeichen von Buer vertraut macht.

"Diese quadratische Form und dieses Zickzack-Muster am Dach, das hat schon was", sagt er. Die Idee dazu, St. Theresia in Stein zu meißeln, stamme allerdings nicht von ihm, sondern von Konrad Herz, in dessen Werkstatt an der Haunerfeldstraße die Skulptur auch entstanden sei, betont Schlichting. "Ich arbeite viel mit Herrn Herz zusammen und das hier ist eine Auftragsarbeit von ihm. Mir hat die Idee auf Anhieb gefallen", so der gelernte Steinmetz.

Weil er St. Theresia so gar nicht kannte, fuhr Schlichting nach Hassel und fotografierte das Gotteshaus von allen Seiten, um auch ja kein Detail zu verpassen. "Ich habe mir die Kirche im Internet auf Google-Earth sogar von oben angeschaut", sagt er lachend. Der weiche Sandstein, der in Fachkreisen Grauwacke heißt, war schnell gewählt - und Schlichting machte sich mit Knüpfel (einem rundlichen Werkzeug) und Meißel an die Arbeit. "Mir wurden dabei künstlerisch alle Freiheiten gelassen, das war klasse", erzählt er: "So konnte ich den unteren Teil des Steines unbearbeitet lassen."

Dadurch entsteht ein starker Kontrast zwischen den kantigen Konturen der Kirche und den natürlichen Rundungen des Sandsteins. "Wenn man einen solchen Naturstein bearbeitet, muss jeder Handgriff genau sitzen", erklärt Schlichting. "Wenn ich Skulpturen aus Ton mache, dann kann ich kleine Fehler ja noch nachträglich ausbessern. Wenn die Skulptur jedoch aus einem Stück entsteht wie hier, kann jeder noch so kleine Fehler bedeuten, dass man mit einem neuen Stein ganz von vorne anfangen muss."

Bei St. Theresia bewies der Steinmetz eine ruhige Hand - sie gelang ihm sofort. "Der Kirchturm hat am oben Rand noch so kleine Schießstände. Die sind jedoch so filigran, dass man das in Stein gar nicht so umsetzen kann", sagt er und zeigt auf die Turmspitze.

Etwa drei Tage lang arbeitete Schlichting an dem Kirchen-Denkmal. Die Arbeit hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er sich vorstellen könnte, bei Bedarf noch weitere buersche Kirchen in Stein zu meißeln - für die Ewigkeit. boom

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