Dauerbaustelle

Die Baustelle Horster Straße nervt Anwohner und Kaufleute

Die Baustelle Horster Straße am Dienstag. Bis zum kommenden Montag bleibt die Straße vollgesperrt.

Die Baustelle Horster Straße am Dienstag. Bis zum kommenden Montag bleibt die Straße vollgesperrt.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Buer.  Dauerbaustelle in Gelsenkirchen-Buer verärgert Betroffene. Geschäftsleute kämpfen mit Einbußen, Anwohner können ihre Wohnungen kaum verlassen.

Das tiefe, monotone Motorendröhnen der Baustellenfahrzeuge übertönt am Dienstagmorgen alle anderen Geräusche. Der beißende Geruch von heißem Asphalt liegt in der Luft. Zäher, weißer Rauch steigt schwerfällig von der Fahrbahndecke der Horster Straße auf. Acht Arbeiter verteilen mit Schubkarren und Schaufeln die klebrige schwarze Mischung zwischen den Straßenbahnschienen kurz vor dem Rewe-Markt: Die knapp 500 Meter lange Strecke zwischen dem Supermarkt und der Hugostraße ist fest in der Hand der Straßenbauer.

„Eine unmögliche Situation für die Anwohner“, schimpft Lucie Hensel. Die 71-Jährige schiebt ihr Fahrrad vom gesperrten Rewe-Parkplatz aus in Richtung der Siedlung Am Schüngelberg. Fahren ist nicht möglich. Immer wieder endet der abgesperrte Fußweg abrupt, müssen lose geschotterte Stellen passiert und steile Bordsteinkanten überwunden werden. „Wer schlecht zu Fuß ist, muss die ganze Woche zuhause bleiben“, sagt Hensel. So wie ihre Eltern, für die sie gerade die Einkäufe erledigt hat.

Schnell das Nötigste einkaufen will auch Ralf Köhler. Er wohnt am anderen Ende der gesperrten Strecke. Mit dem Auto müsste er den kilometerlangen Umweg über Vinckestraße, Kurt-Schumacher-Straße und Emil-Zimmermann-Allee nehmen. „Für den Wocheneinkauf fahre ich dann lieber woanders hin“, sagt er. Denn auch die Parkplatzsituation vor dem Markt ist angespannt.

Kunden trauen sich nicht zum Getränkemarkt

Ralf Köhler ist nicht der einzige Kunde, den der Supermarkt in diesen Tagen verliert. Kaum jemand schiebt seinen Einkaufswagen am Dienstag durch die Regalreihen, an der einzigen offenen Kasse legt lange niemand seine Einkäufe aufs Band. „Wir haben wieder harte Einbußen“, sagt die stellvertretende Marktleiterin, Sandra Sjekloca verbittert. Dabei hatte das Inhaber-Paar Schüler erst im vergangenen Jahr über eine Anzeige in der WAZ auf die schwierige wirtschaftliche Lage in Folge der Dauerbaustelle vor der Ladentür aufmerksam gemacht.

Noch härter trifft die Straßensperrung den Getränkemarkt Hoffmann. Die Zufahrt zum gesperrten Parkplatz ist komplett aufgerissen, ein Bagger schaufelt gemächlich Schotter in die Kluft zwischen Straße und Einfahrt. „So traut sich niemand zu uns“, resigniert Martina Reinermann. In der verkürzten Öffnungszeit von 10 bis 16 Uhr kamen laut der stellvertretenden Marktleiterin am Montag noch nicht einmal eine Handvoll Kunden. „Immerhin brauchen wir so keine neue Ware“, sagt sie sarkastisch. Die könnte nämlich ohnehin nicht angeliefert werden.

Reduzierte Warenanlieferungen

Darüber kann Meryem Kocakavok nicht klagen. Sie ist die Tochter der Betreiber des türkischen Supermarkts und lobt die Zusammenarbeit mit den Bauarbeitern: „Wenn wir Ware bekommen, sind sie sehr hilfsbereit.“ Weil kein Lkw vor dem Geschäft halten kann, müssen die Kartons nämlich quer durch die Baustelle transportiert werden. Das funktioniert jedoch nur, weil auch bei Tepe weniger gekauft wird als üblich.

Die Parksituation auf den Nebenstraßen ist angespannt

Doch nicht nur die ansässigen Geschäftsleute leiden unter der Situation. „Seit ich hier lebe, ist die Straße eine Baustelle“, sagt Hildegard Nau genervt. Sie wohnt in der Mitte des gesperrten Abschnitts, neben der Hauszufahrt verbreitet ein Dixiklo unangenehme Gerüche. Die Seniorin stört auch der Lärm und dass sie alleine kaum das Haus verlassen kann, weil vor der Tür so viele Stolperfallen warten. Und bis zum Auto von Schwiegersohn Ahmet Tuncer ist der Weg weit. Da alle Hauseinfahrten während der Arbeiten gesperrt sind, müssen Anwohner in Nebenstraßen parken. Einen Parkplatz zu finden, so Tuncer, sei dort aber kaum möglich. „Die Stadt hätte so lange die Parkverbote aufheben müssen“, fordert er.

Geduld und Laufbereitschaft ist gefragt

Und auch wer auf Bus und Bahn angewiesen ist, muss in diesen Tagen Geduld mitbringen – und Laufbereitschaft: Zwischen den Haltestellen Emil-Zimmermann-Allee und Vinckestraße verkehren keine Fahrzeuge, Anwohner müssen also lange Fußwege in Kauf nehmen. Vor Ort führt das zu Verwirrung: Ein Arbeiter spricht zwei Frauen an, die an der Haltestelle Hugostraße warten: „Die Bahn fährt hier nicht.“ „Aber sollten nicht stattdessen Busse fahren?“ Ja, aber auch erst von der rund einen Kilometer entfernten Haltestelle.

„Eine Zumutung“, findet Lucie Hensel. Und spricht für alle von der Baustelle Betroffenen: „Das muss gemacht werden, klar. Aber es endet ja nie. Das ist wie der Berliner Flughafen.“ Ärger, den inzwischen die Arbeiter zu spüren bekommen, wie sie berichten: „Der Ton ist rau.“

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