Videokunst

Das Gelsenkirchener „Gästezimmer“ zeigt ein Busvideo

Die Kölner Künstlerin Lyoudmila Milanova vor ihrer Videoarbeit „Busfahrtsimulator“ im Gästezimmer des Kunstmuseums Gelsenkirchen.

Die Kölner Künstlerin Lyoudmila Milanova vor ihrer Videoarbeit „Busfahrtsimulator“ im Gästezimmer des Kunstmuseums Gelsenkirchen.

Foto: Anne Bolsmann / WAZ

Gelsenkirchen-Buer.  Für die Kölner Medienkünstlerin Lyoudmila Milanova ist Bus fahren wie Ballett. Das zeigt sie uns im Gästezimmer des Kunstmuseums Gelsenkirchen.

Ins Gästezimmer des Kunstmuseums Gelsenkirchen ist eine neue Künstlerin mit ihrem Werk eingezogen: Lyoudmila Milanova zeigt hier seit wenigen Tagen ihre Videoarbeit „Busfahrtsimulator“ – und findet, dass Bus fahren aussehen kann wie Ballett.

Die Darsteller stehen auf Wackelbrettern

Der Titel des Videos ist hier Programm: Fünf Menschen stehen auf wackelnden Holzbrettern, die den flachen Sprungbrettern aus dem Turnunterricht nachempfunden sind. Milanova hat diese allerdings selber konstruiert: „Ursprünglich war ich auf der Suche nach einer neuen Choreographie“, sagt die Medienkünstlerin, die auch als Tänzerin und Choreographin tätig ist.

„Ich wollte dem Phänomen nachspüren, dass man sich auch fortbewegen kann, obwohl man steht. So bin ich auf das Thema Busfahrt gekommen, der Alltag hat mich einfach inspiriert“, erklärt die 40-Jährige lachend, die ihre Videodarsteller auf den beweglichen Brettern nachstellen lässt, wie sich ein Körper während einer Busfahrt bewegt – auch, wenn man sich an den Schlaufen festhält.

Befehle aus dem Off

Die Befehle dazu kommen aus dem Off: „Gewichtsverlagerung nach rechts, Oberkörper nach hinten und sofort ruckartig nach vorn!“, befielt da die unsichtbare Sprecherin Anna Bromley den Darstellern Güllüsah Güzel, Elke Kania, André Sauer sowie Julia und Christian Stefanovici.

Und diese bewegen sich entsprechend, manchmal langsam, oft ruckartig – wie im echten Leben halt. Ihrem Gesichtsausdruck ist die Verwunderung anzusehen: „Sie waren anfangs echt irritiert – weil die Bewegungen oft so ruckartig sind, und man auf den Brettern nur schwer das Gleichgewicht halten kann“, hat die Videokünstlerin beim Dreh beobachtet. Nach und nach werden die Bewegungen lockerer, beschwingter.

Das Video als Gesellschaftsstudie

„Das Video ist auch eine Gesellschaftsstudie“, erklärt Lyoudmila Milanova: „In Bulgarien, wo ich geboren wurde, ist Bus fahren nur etwas für die Ärmsten der Armen. In Deutschland und in vielen Glitzermetropolen wie New York oder London hingegen sind die Fahrgäste deutlich gemischter und inzwischen kommt ja auch ein ökologischer Aspekt hinzu: Menschen fahren Bus, um die Umwelt zu schützen“, sagt die Wahl-Kölnerin, die selber trotzdem ungern mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt. Dafür beobachtet sie andere Leute gerne dabei. Und führt dem

Betrachter nun mit ihrem „Busfahrtsimulator“ den Spiegel vor Augen. Vor dem Gästezimmer, das in einem rund um die Uhr einsehbaren verglasten Mini-Raum links am Vorplatz des Kunstmuseums zu finden ist, rauschen derweil Autos, Busse und Straßenbahnen vorbei. Rund 4:13 min dreht sich das Video, dann beginnt es erneut in Endlos-Schleife. „Wir möchten in diesem Bereich in Kürze auch eine Sitzmöglichkeit einrichten, damit die Besucher ein bisschen verweilen können“, sagt Christiane Wanken, die stellvertretende Leiterin des Gelsenkirchener Kunstmuseums. Wer mag, kann aber auch einfach mit dem Bus vorbei fahren und aus dem Fenster schauen. . .

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