ZOB-Umbau

Das Blau des neuen Kundencenters irritiert viele Bueraner

Seinen Spitznamen hat er bereits: der neue „Schuhkarton“ am neuen ZOB. Doch viele Bürger irritiert die Farbe Blau, die ansonsten im Stadtbild in der Nachbarschaft nicht mehr auftaucht.

Seinen Spitznamen hat er bereits: der neue „Schuhkarton“ am neuen ZOB. Doch viele Bürger irritiert die Farbe Blau, die ansonsten im Stadtbild in der Nachbarschaft nicht mehr auftaucht.

Foto: Heinrich Jung

Buer.   Einige Politiker sind verwundert über die Farbgebung des neuen Kundencenters am ZOB. Unternehmensfarbe hat den Ausschlag gegeben.

Der „Schuhkarton“ ist gelandet. An der Goldbergstraße, am neuen ZOB. Im Dreieck zwischen dem im wilhelminischen Stil erbauten cremefarbenen Rathaus, den ehrwürdigen grauweißen Villen, der backsteinfarbigen Markthalle und dem in weiß gehaltenen Hotel Monopol erstrahlt es nun in Blau.

Allerdings nicht im Königsblau des FC Schalke 04 oder im berühmten Yves-Klein-Blau aus dem Musiktheater, nein in einem neuen „freundlicheren“ Blau, wie es der Prokurist der GGW (Gelsenkirchener gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft), Joachim Bracke, erläutert. Ein neuer Farbton in der Blau liebenden Stadt Gelsenkirchen.

Städtebaulich gewagt, könnte man meinen, denn dieses Blau taucht sonst nirgendwo auf. Wer hat diese Farbgebung beschlossen?, fragten einige Leser immer wieder.

Bezirksvertretung wurde nicht gefragt

Die Mitglieder der für den Stadtnorden zuständigen Bezirksvertretung jedenfalls nicht. „Wir waren zwar in die Planungsphase involviert, aber nicht bei der Farbgebung“, sagt Bezirksbürgermeister Thomas Klasmann (SPD). Die Farbe sei auffällig, ob gut oder schlecht, darüber habe er noch kein Urteil gefällt. „Auf jeden Fall ist sie gewöhnungsbedürftig“, so Klasmann.

„Wir haben im Verkehrsausschuss Architekturzeichnungen gesehen“, erzählt der Vorsitzende Wolfgang Heinberg (CDU). „Für mich ist dieser Anstrich gewöhnungsbedürftig, ich weiß nicht, wer ihn veranlasst hat.“

Die Entscheidung habe die GGW als Bauherr in Absprache mit den beiden Verkehrsunternehmen Vestische und Bogestra getroffen, erklärt Stadtsprecher Martin Schulmann. Doch bei der Vestischen weiß man von solchen Absprachen nichts. „Wir hatten keinen Einfluss auf die Farbgestaltung“, sagt Norbert Konegen, Unternehmenssprecher der Vestische. Schließlich sei man nur Mieter im Kundencenter.

Kreativer Stadtgestalter gefordert

Bei der GGW hingegen versteht Joachim Bracke die Irritationen nicht. „Blau ist die Unternehmensfarbe der GGW, sie hat eine hohe Akzeptanz in Gelsenkirchen.“ Man habe als Bauherr für den ZOB ein etwas „helleres, freundlicheres Blau gewählt als es die GGW normalerweise benutzt“.

„Was hat das Logo der GGW mit diesem Standort zu tun?“, fragt Kai Kühmichel, bueraner Architekt und Stadtplaner sowie langjähriger Dozent an den Universitäten Dortmund und Bochum. „Wie macht eine Stadt Stadtplanung?“, fragt er und fordert einen kreativen Stadtgestalter. „Hier wurde eine Chance vertan, ein Zeichen zu setzen, was Aufmerksamkeit hätte erzeugen können für den neuen ZOB“, ist Kühmichel überzeugt.

Im Volksmund klingt das Ganze dann einfach so: „Das Blau finde ich bescheuert“, schimpft Hans-Jürgen Schmidt und macht auf ein weiteres Ärgernis der Bueraner aufmerksam: „Das ist ein Zweckgebäude, bei dem in keiner Weise an den Bürger gedacht wurde. Denn es gibt keine öffentlichen Toiletten.“

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