Krankenhaus-Zukunft

Bürger in Horst fordern neuen Träger für St. Josef

Eine Frau der unmissverständlichen Worte: KKEL-Geschäftsführerin Ines Manegold. Bezirksbürgermeister Joachim Gill (Mitte) hatte sie zusammen mit Luidger Wolterhoff zur Diskussion über die Zukunft des St. Josef-Hospitals eingeladen.

Eine Frau der unmissverständlichen Worte: KKEL-Geschäftsführerin Ines Manegold. Bezirksbürgermeister Joachim Gill (Mitte) hatte sie zusammen mit Luidger Wolterhoff zur Diskussion über die Zukunft des St. Josef-Hospitals eingeladen.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen-Horst.  Diese Forderung wurde während der Diskussion am Donnerstagabend um die Zukunft des Horster Krankenhauses laut, das Ende 2018 geschlossen werden soll.

„Was soll ich Ihnen an neuen Fakten sagen?“ Schon mit ihrem ersten Satz gab die mit der Abwicklung des St. Josef-Hospitals beauftragte KKEL-Geschäftsführerin Ines Manegold am Donnerstagabend in der bis auf den letzten Platz besetzen Glashalle von Schloss Horst die Richtung vor für die Diskussionsveranstaltung, zu der Bezirksbürgermeister Joachim Gill auch den Gesundheitsdezernent der Stadt Luidger Wolterhoff eingeladen hatte. Ihre rein betriebswirtschaftliche Sicht auf das mit dem Stadtteil stark verankerte Krankenhaus konnten die Horster nicht nachvollziehen.

Sie wollen vielmehr den Krankenhausträger KKEL in die Pflicht nehmen, die jetzt gewonnene Zeit bis zur beabsichtigten Schließung des Hospitals Ende 2018 zu nutzen, um Möglichkeiten für einen Weiterbetrieb auszuloten. In Verantwortung sehen sie auch die katholische Kirchengemeinde St. Hippolytus als Grund- und Gebäudeeigentümerin, die als einzige KKEL-Gesellschafterin gegen die Schließung votiert hatte.

Auf keinen Fall in privater Trägerschaft

Es müsse auch die Suche nach einem neuen, nach Möglichkeit kirchlichen, städtischen oder öffentlichen, auf keinen Fall aber privaten Träger in Betracht gezogen werden. Damit folgten sie der Linie, die Wolterhoff skizziert hatte. Zu der gehört auch die Option, dass der Fortbestand des Hauses durch eine gesundheitswirtschaftliche Nutzung abgesichert werden könne, als Medizinzentrum zum Beispiel.

Fast drei Stunden lang musste sich in erster Linie Ines Manegold den Fragen und Vorwürfen des Publikums stellen. Frei von emotionalen Bindungen an das Haus stellte die Krankenhaus-Saniererin in professioneller Distanziertheit fest: „Krankenhäuser, die heute klein sind, sind morgen nicht mehr am Markt.“ Dem Einwand von Gill, „mit dem Tod unseres Krankenhauses finanzieren wir die Expansion des St. Barbara-Hospitals in Gladbeck“, widersprach Manegold nicht. Im Gegenteil: Um das Unternehmen retten zu können, sei es notwendig, sich von einem Krankenhaus zu trennen. Dass es nicht das Barbara-Hospital getroffen habe, liege auf der Hand: „In Gladbeck sind wir Marktführer“, so Manegold.

„Wo sind die KKEL-Gesellschafter?“

Schon bald wurde in der Diskussion deutlich, dass Manegold nicht die richtige Adressatin für den Horster Protest war. „Wo sind hier die KKEL-Gesellschafter und Aufsichtsräte?“, lautete eine Frage aus dem Publikum. Werner Meyer, ehemaliger Vorsitzender des Fördervereins Schloß Horst, war es, der den Horstern Mut machte.

Um das Krankenhaus zu retten, wie damals das Schloss, müsse man Kontakt zu den Verantwortlichen suchen, immer wieder Briefe schreiben, Gespräche führen. Er warf den katholischen Gemeinden als Gesellschafter von Krankenhaus-Trägergesellschaften „kircheninternen Kannibalismus“ vor und spielte damit auf den Wechsel der renommierten Onkologie-Abteilung zum Gelsenkirchener Marienhospital in der Trägerschaft der katholischen St. Augustinus GmbH an.

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