Innenstadt

Bueraner kämpfen für ihre Innenstadt

Stellten das Projekt „#Buer466“ vor:  Alfred Weber, Franz Przechowski und Dirk Niewöhner (v.l.)

Foto: Olaf Ziegler

Stellten das Projekt „#Buer466“ vor: Alfred Weber, Franz Przechowski und Dirk Niewöhner (v.l.) Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen-Buer.   Neue Initiative will den Einzelhandelsstandort mit kreativen Ideen beleben und sagt Amazon & Co den Kampf an. Weitere Mitstreiter sind willkommen

Die gute alte 466 wollen sie wiederbeleben. Doch wer jetzt meint, da sind ein paar ewig Gestrige unterwegs, der irrt. „Wir wollen nicht separieren, wir müssen orchestrieren“, sagt Alfred Weber. Weber ist Gründungsmitglied der Gruppe „#Buer466“, deren weitere Unterstützer sich zum Ziel gesetzt haben, den rasanten Kaufkraft- und Frequenzverlust am Standort Buer aufzuhalten, ja umzukehren, die Innenstadt mit neuen, kreativen Ideen neu zu beleben.

Zum Gründer-Zirkel gehören Dirk Niewöhner (Buchhandlung Kottmann), Thomas Bernau (Eigentümer der Markthalle), Matthias und Christine Beckmann (Beckmann & Grösser) sowie Franz Przechowski (Unternehmer).

Buer als Marke wahrnehmen

Buer soll in Zukunft wieder, wie einst die Postleitzahl 466, als Marke wahrgenommen werden. Als authentischer Ort, der emotionalisiert, der Heimat bedeutet, Geborgenheit ausstrahlt und seinen Besucher mit einer neuen Art von Service begegnet.

Damit reagiert die Gruppe auf das veränderte Kaufverhalten. „Sie wünschen stationär den gleichen Komfort wie beim Online-Shopping, aber auch ein Kauferlebnis mit Eventcharakter“, erläutert Franz Przechowski. Diese Bedürfnisse würden in kommunalen Einzelhandelszentren heute oft nicht erfüllt, weil die Angebotsvielfalt, urbanes Flair und Kundenorientierung fehlen.

Kinder-Hort nach Ikea-Muster

Dabei sind die Leidtragenden nicht nur die Einzelhändler in Hoch-, Blindestraße oder Rottmannsiepe. „Immobilienbesitzer sind von der abwandernden Kaufkraft ebenfalls bedroht“, sagt Przechowski. Renditen sinken, das Mietniveau ist nicht länger zu halten, Immobilien – und auch Wohnimmobilien – erleiden einen Wertverlust. „Durch Vermietungen an Billigläden, Nagelstudios oder Handyläden wird die Attraktivität weiter deutlich gemindert“, ist Przechowski überzeugt. „Etwas zu tun kostet Geld. Nichts zu tun kostet noch mehr Geld“, ist der Inhaber von Unicblue überzeugt.

Von daher will der Kreis auch investieren. In eine Online-Plattform, die den stationären Handel mit dem Online-Handel verzahnt.Die Plattform mit dem Namen „#Buer466“ soll mit emotionalen und funktionalen Eigenschaften eine hohe Reichweite und Sichtbarkeit schaffen. Den Bueranern versprechen Geschäftsleute ein hohes Informationsangebot, das über das bequeme Shoppen weit hinausreicht.

Konkurrenz für Amazon & Co

Vorstellbar ist – vielleicht sogar ein CO2-neutraler – Liefer- und Abholservice, Pop-Up-Angebote, ein Kinder-Hort nach Ikea-Muster, ein Newsletter mit aktuellen Events, mit den Must-do und den Must-have-Angeboten. „Wir werden Amazon & Co mit den eigenen Waffen schlagen“, verspricht Alfred Weber. „Die Plattform“, sagt Buchhändler Dirk Niewöhner, „gibt Bürgern die Möglichkeit, ihren Einzelhandel vor Ort aktiv zu unterstützen und ihre Waren lokal zu beziehen“. Dies sei ein wichtiger Schritt zum Erhalt der Lebensqualität in Buer.

Neben dem Verkaufen steht natürlich auch das gemeinsame Erleben im Mittelpunkt. Das Erfolgsmodell Feierabendmarkt zeige, wie hoch die Nachfrage nach guten Events ist. Die Gruppe nimmt sich vor, zum Beispiel einen neuen Weihnachtsmarkt zu konzipieren, „der über Buer hinaus die Kinderaugen zum Leuchten bringt“, so Matthias Beckmann.

Bis dahin möchte man die Gruppe gerne erweitern: Weitere Geschäftsleute sind willkommen, aber auch Immobilienbesitzer und die Sparkassen. „Die Abwärtsspirale trifft alle“, sagt Przechowski. Die können wir nur gemeinsam und mit guten Ideen bekämpfen."

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