Kampf gegen Keime

Antibiotika-Pass (nicht nur) für Patienten der Kinderklinik

Nicht jeder fieberhafter Infekt ist ein Fall für ein Antibiotikum. Sicherheit schafft letztlich ein Bakterien-Schnelltest.

Foto: Lukas Schulze

Nicht jeder fieberhafter Infekt ist ein Fall für ein Antibiotikum. Sicherheit schafft letztlich ein Bakterien-Schnelltest. Foto: Lukas Schulze

Gelsenkirchen-Buer.   Die Kinder- und Jugendklinik geht neue Wege, um die Einnahme von Antibiotika transparenter zu machen: Sie händigt Pässe dafür aus.

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Das Kind fiebert, liegt mit hochroten Wangen da wie hingespuckt, isst nicht, trinkt kaum: eine Ausnahmesituation für Eltern, die sie so schnell wie möglich beenden möchten. Trotzdem: Antibiotika sollten nur in ausgewählten Fällen eingesetzt werden, mahnt Dr. Gerrit Lautner als Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendklinik – und setzt auf einen Antibiotika-Pass, den Mitarbeiterin Anett Stiskal entwickelt hat. Er soll helfen, die Medikamenten-Einnahme zu dokumentieren und für das Thema multiresistente Erreger zu sensibilisieren.

Die handliche Klappkarte aus stabilem Papier wird seit rund zwei Monaten am Entlasstag den Eltern stationärer Patienten ausgehändigt, kann aber auch über die Homepage der Kinderklinik heruntergeladen werden (s. Box). Sie bietet Platz für Eintragungen zum Namen des Medikaments, zum Zeitraum, in dem es eingenommen wurde, zur Erkrankung und zu unerwünschten Nebenwirkungen.

Eltern sollen Pass bei anderen Ärzten vorlegen

„Ziel ist es, dass die Erziehungsberechtigten den Pass bei allen Arztbesuchen vorlegen, damit auch die niedergelassenen Mediziner die Aufzeichnungen fortführen. So erhalten Familien und Ärzte im Idealfall eine lückenlose Übersicht“, erläutert Anett Stiskal, Fachgesundheits- und Kinderkrankenpflegerin für Krankenhaushygiene.

Ob Mandel-Entzündung, fiebrige Erkältung oder Bronchitis: „Viele Eltern glauben, dass ein Antibiotikum ihrem Kind hilft, wieder gesund zu werden. Aber bei Virus-Infektionen zeigt es keine Wirkung. Im Gegenteil: Nebenwirkungen wie Hautausschläge, ein wunder Po und Durchfall belasten noch zusätzlich“, stellt Oberarzt Dr. Thomas Wollbrink klar. Würden Antibiotika zu häufig und unnötig eingenommen, könnten Resistenzen entstehen. „Wir müssen dann auf Reserve-Antibiotika ausweichen, die eigentlich schweren Fällen vorbehalten sein sollten. Aber auch gegen diese Medikamente gibt es bereits Resistenzen“, warnt er.

Mehr Fallzahlen multiresistenter Keime in Kinderklinik

In der Kinder- und Jugendklinik etwa hätten die Fallzahlen multiresistenter Erreger zugenommen. „Früher waren sie bei uns kein Thema. Mittlerweile stellen wir im Monat bei ein bis zwei Kindern solche Keime fest“, so Anett Stiskal. Standardmäßig untersucht werden alle Operationspatienten und Frühchen, vermehrt auch Mädchen und Jungen aus südeuropäischen und arabischen Ländern. „Dort sind Antibiotika frei verkäuflich. Sie werden als ,Allerweltsmedikament’ konsumiert. Deshalb ist die Nachfrage von Eltern aus diesen Regionen oft sehr groß“, berichtet Lautner.

Ob ein Antibiotikum in Frage kommt, können Ärzte durch ein Punktesystem bei der Diagnose feststellen, das etwa Alter und Symptome berücksichtigt. Sicherheit gibt ein Bakterien-Schnelltest, der niedergelassenen ebenso wie Klinik-Ärzten zur Verfügung steht. „In allen anderen Fällen helfen kindgerechte Schmerzmittel und bewährte Hausmittel, Ruhe und Zuwendung. Dann müssen Kind und Eltern die Erkrankung einfach aushalten“, so Anett Stiskal.

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