Eskalation

Angriff auf Bezirksbürgermeister: Klasmann erstattet Anzeige

So kennt man Thomas Klasmann: Er moderiert Veranstaltungen souverän, ist beim Meinungsaustausch immer dem Demokratie-Gedanken verpflichtet.

Foto: Heinrich Jung

So kennt man Thomas Klasmann: Er moderiert Veranstaltungen souverän, ist beim Meinungsaustausch immer dem Demokratie-Gedanken verpflichtet.

Gelsenkirchen-Buer.   In der Pause der Sitzung der Bezirksvertretung Nord wird Thomas Klasmann von einem Besucher aus Hassel attackiert. Die Politik ist geschockt.

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Zutiefst betroffen reagierten die Mitglieder der Bezirksvertretung Nord nach einem Angriff auf SPD-Bezirksbürgermeister Thomas Klasmann. In einer Sitzungspause habe ihm am Donnerstag gegen 18.20 Uhr ein 58-jähriger Hasseler Bürger „mit dem Ellbogen einen mitgegeben“, wie Ole Sieminski, der Vorsitzende der buerschen Werbegemeinschaft, es beobachtet hat.

Im Polizeibericht heißt es, „der Hasseler stieß dem 61-Jährigen mit dem Ellbogen in die Rippen und entfernte sich in unbekannte Richtung“. Noch am Donnerstagabend erstattete Klasmann Anzeige bei der Polizei. Diese leitete ein Strafverfahren ein.

Klasmann musste die Sitzungsleitung abgeben

Nach dem Vorfall führte Thomas Klasmann die Sitzung zunächst weiter, bat aber etwa 30 Minuten später um eine weitere Unterbrechung und besprach sich kurz mit den Fraktionschefs von CDU und SPD. „Ich war nicht mehr in der Lage, die Sitzung zu leiten“, sagte Klasmann am Freitagmorgen. Der Angriff sei für ihn völlig unerwartet gekommen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas erleben muss“, erklärte der sichtlich immer noch unter Schock stehende Vorsitzende.

Thomas Klasmann blieb bei dem Angriff zwar körperlich unverletzt, ist zunächst aber froh, im lange geplanten Urlaub eine räumliche Distanz zum Rathaus Buer und dem ihm durchaus bekannten Angreifer herstellen zu können.

Politiker fordern Hausverbot für den Angreifer

Auch in den anderen Parteien hatte man kein Verständnis für das Verhalten des Hasselers. „Ich empfinde es als unerhört“, sagt Katrin Stäritz (CDU) und fordert, genau wie Anne Schürmann (FDP), ein Hausverbot für den Angreifer. Dieser nimmt in unregelmäßigen Abständen als Gast an den Sitzungen der Bezirksvertretung Nord teil. „Man muss ja Angst haben, dass sich ein solcher Angriff wiederholt“, befürchtet Anne Schürmann.

Klar ist, der 58-Jährige war bereits im Vorfeld der Auseinandersetzung mit Klasmann aufgefallen. „Ich habe mich während der politischen Diskussion dreimal umgesehen, weil er immer dazwischen gerufen hat und die Veranstaltung gestört hat“, sagt Ole Sieminski.

" Die Regeln des Hauses scheinen ihn nicht zu interessieren“

„Der 58-Jährige dürfte aufgrund seiner wiederholten Anwesenheit in dem Gremium wissen, dass er da nicht zu quatschen hat“, sagt Andreas Est, CDU-Fraktionschef im Bezirk Nord. „Aber die Regeln des Hauses scheinen ihn nicht zu interessieren.“

„Wir können ein Hausverbot aussprechen, dennoch ist es etwas komplizierter als bei Privatpersonen“, erläutert Stadtsprecher Martin Schulmann. „Wir müssen es prüfen.“ Grundlage sei zum Beispiel, dass eine Anzeige erstattet wurde. Daran schließe sich ein Verwaltungsverfahren an. „So weit sind wir aber noch nicht“, so Schulmann.

„Eine Tätlichkeit im Rathaus verurteile ich aufs Schärfste“, erklärt Dieter Kutzbarski (CDU), stellvertretender Bezirksbürgermeister, der am Donnerstag die Sitzung für Thomas Klasmann weiterführte. „Wir üben ein Ehrenamt aus“, so Kutzbarski. „Auch wenn nicht alle Bürger in allen Punkten mit uns übereinstimmen: Wir geben unser Bestes.“ Ein solcher Angriff habe ihn, genau wie die zahlreichen Besucher an diesem Abend, sehr entsetzt.

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