Asylverfahren

Abschiebung trifft Familie in aller Frühe

Abgelehnte Asylbewerber treten ihre Rückreise in ihr Heimatland an.

Foto: Patrick Seeger

Abgelehnte Asylbewerber treten ihre Rückreise in ihr Heimatland an. Foto: Patrick Seeger

Gelsenkirchen-Scholven.   Familie aus Scholven muss mit drei Kindern zurück in den Kosovo. Stadt: Behinderung der beiden Söhne ist kein ausreichender Asylgrund

In Gelsenkirchen leben zur Zeit 1300 Erwachsene, Jugendliche und Kinder, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, aber keine Anerkennung als Asylsuchende besitzen. Wie Familie S. aus dem Kosovo, die vor zwei Jahren für ihre Tochter und die beiden Zwillingssöhne in Scholven eine neue Heimat gefunden hatte. Am Dienstagmorgen wurden die Eltern in aller Frühe aufgefordert, das Land zusammen mit ihren Kindern zu verlassen.

„Die Familie wurde gegen 4.30 Uhr aus ihrer Wohnung an der Feldhauser Straße gezerrt“, berichtet Xaver Asdulli, der die Familie als ehrenamtlicher Dolmetscher betreute und bei Behördengängen begleitete. Was ihn besonders empört: Die Abschiebung betrifft auch die beiden 17 Jahre alten Zwillingsbrüder Agenor und Atrit, die in Beckhausen die Albert-Schweitzer-Schule, eine städtische Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, besuchen, sich erfolgreich einer Sprachtherapie unterzogen und trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen die deutsche Sprache erlernt haben.

Traumatische Erlebnisse

Die Verzögerung in ihrer geistigen Entwicklung sei auch der Grund gewesen, warum sich die Familie im Jahr 2015 entschieden habe, den Kosovo zu verlassen. Asdulli: „Die Kinder wurden dort gehänselt, gemobbt und geschlagen.“ Durch diese traumatischen Erlebnisse hätten die Brüder sich so sehr zurückgezogen, dass sie am Ende die albanische Sprache verlernten.

Zudem zeigt sich Xaver Asdulli verärgert darüber, dass erst in diesen Tagen die Gültigkeit der Schwerbehindertenausweise der beiden Brüder verlängert und nur kurz danach das Abschiebeverfahren in Gang gesetzt worden sei.

Gericht lehnt Eilantrag ab

Martin Schulmann, Sprecher der Stadtverwaltung, bestätigt die Abschiebung: „Die Familie hat kein Bleiberecht.“ Der Kosovo sei ein gesichertes Herkunftsland. Dort gebe es zwar „schwierige Lebensverhältnisse, es herrscht aber kein Bürgerkrieg“, so Schulmann. Familie S. habe nach ihrer Ankunft in Deutschland einen Antrag auf Asyl gestellt, dieser sei aber als unbegründet abgelehnt worden. Daraufhin habe die Familie Klage erhoben. Das Gericht habe aber bestätigt, so Schulmann, dass in diesem Fall kein ausreichender Asylgrund vorliege. „Eine Schwerbehinderung ist kein ausreichender Grund, um eine Abschiebung abzuwenden. Im Herkunftsland besteht für die Familie keine Gefahr für Leib und Leben“, erläutert der Stadtsprecher weiter.

Die Auffassung der städtischen Ausländerbehörde sei am Dienstag noch durch eine Eilentscheidung des Verwaltungsgerichtes bestätigt worden. Dort hatte der Anwalt der Familie einen Eilantrag auf Anerkennung eines Abschiebungshemmnisses gestellt. Dieser Antrag sei aber abgelehnt worden. Martin Schulmann: „Die Familie hat alle juristischen Chancen genutzt. Aber jetzt mussten wir handeln.“

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