Selbsthilfetag

35 Selbsthilfegruppen im Gelsenkirchener Bergmannsheil

Christa Augustin-Sayin (v.l.), Daniela Kahlfeld und Aileen-Filiz Sayin von der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Gelsenkirchen betreuen die Selbsthilfegruppen am Ort und sind erste Anlaufstelle für Betroffene. 

Christa Augustin-Sayin (v.l.), Daniela Kahlfeld und Aileen-Filiz Sayin von der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Gelsenkirchen betreuen die Selbsthilfegruppen am Ort und sind erste Anlaufstelle für Betroffene. 

Foto: Frank Oppitz

Gelsenkirchen-Buer.   Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen Rat und das Gefühl, nicht allein zu sein. Zudem informieren sie über seltene Krankheitsbilder.

Wie wichtig es ist, zur eigenen Krankheit, zum eigenen Leiden die richtige Einstellung zu haben, das zeigen gut besuchte Selbsthilfegruppen immer wieder. Denn es geht nicht nur darum, Hilfe zu erfahren von qualifizierten Ärzten oder Therapeuten, es geht auch darum, sich ein Stück weit selbst zu helfen – oder einander.

Der Betroffene muss selbst Hilfe wollen

Heute sind 35 dieser Gruppen versammelt beim Gelsenkirchener Selbsthilfetag im Bergmannsheil. Abgebildet sind viele ganz unterschiedliche Themenbereiche von körperlichen Leiden bis hin zu psychischen. Wie die Gruppe „Chaos Adé“. Hier treffen sich Menschen, die unter dem Messie-Syndrom leiden oder vielfach auch nur deren Angehörige. „Der Betroffene muss selbst Hilfe wollen“, sagt Michaela Postel. „Dafür muss der Leidensdruck groß sein und die Erkenntnis vorhanden: Ich muss etwas tun.“ Die Gründerin der noch jungen Selbsthilfegruppe rät Angehörigen dringend davon ab, aktiv zu werden, sprich, aufzuräumen. „Wer da eingreift durch Entrümpeln, greift den Betroffenen in seiner Persönlichkeit an. Das kann schlimme Folgen haben, bis hin zum Selbstmord.“

Autoimmune Hepatitis

Elisabeth Hermanski hat eine Krankheit, die so selten ist, dass die Chance, im Leben einen anderen Betroffenen zu treffen, gering ist. Die Gründung einer Selbsthilfegruppe lag da nahe. Hierbei geht es um die Autoimmune Hepatitis und die Primär Biliäre Cholangitis. „Die nächste Gruppe für autoimmune Lebererkrankungen ist in Bayern“, weiß Elisabeth Hermanski. „Mich rufen sogar Menschen an aus Polen und Holland.“ Mittlerweile ist sie selbst Expertin, ließ sich weiterbilden von der Deutschen Leberhilfe. „Aber als bei mir 1992 die Krankheit diagnostiziert wurde, da gab es ja noch nicht einmal Internet.“

Cannabis-Patientenhilfe Gelsenkirchen

Aufsehen erregt der Stand von Angelika Lingelbach. Sie rief vor kurzem die „Cannabis-Patientenhilfe Gelsenkirchen“ ins Leben. „Der Anlass war das Schicksal meiner Freundin. Wir sind beide Schmerzpatienten, haben beide seit 2013 die Genehmigung der Bundesopiumstelle, Cannabis zu konsumieren – ich habe eine Kostenübernahme von der Kasse, sie nicht. Es kann doch nicht sein, dass man erst austherapiert sein muss, bevor man Cannabis bekommt.“ Dabei zeigten Studien, dass eine rechtzeitige Einnahme sich auf Krankheitsverläufe positiv auswirken kann.

Somit ist Angelika Lingelbach nicht nur Ansprechpartnerin für Schmerzpatienten, sie ist auch leidenschaftliche Lobbyistin für ein Thema, das, trotz aller Forschungsergebnisse, polarisiert. „Das glaubt man kaum. Aber für viele ist das einfach nur ganz platt der Joint und keine Medizin.“ Konsumierende Patienten würden dadurch zum Teil stigmatisiert. Auch dagegen will sie angehen.

>> SELBSTHILFETAG EINMAL IM JAHR

In Gelsenkirchen gibt es rund 150 Selbsthilfegruppen zu den unterschiedlichsten Themenbereichen.

Sie alle sind über die Selbsthilfe-Kontaktstelle zu erreichen, die auch jährlich den Selbsthilfetag ausrichtet.

Informationen zu Gruppen gibt es unter selbsthilfe-ge.de.

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