Prozess

Zu teure Türöffnungen: Gericht verurteilt Essener

Für einfache Türöffnungen verlangte ein Essener bis zu 1000 Euro.

Für einfache Türöffnungen verlangte ein Essener bis zu 1000 Euro.

Essen  Bis zu 1000 Euro hat ein Monteur aus Essen seinen Kunden für einfache Türöffnungen berechnet. Das Amtsgericht wertete die Taten als Betrug.

Oft reichen die Beweise nicht aus, um die Wucherpreise der dubiosen Schlüsseldienste strafrechtlich zu ahnden. Doch am Montag verurteilte das Jugendschöffengericht einen 21 Jahre alten Essener aus Kray wegen 14-fachen Betruges zu einem Jahr und zehn Monaten Haft. Weil er ein Geständnis abgelegt hatte und sich vom Schlüsseldienst losgesagt haben will, bekam er Bewährung. Er muss aber Geld an seine Opfer zurückzahlen.

Auch in diesem Fall hatte die Staatsanwaltschaft zahlreiche Verfahren einstellen müssen, weil die Beweise eben nicht ausreichten. "Wir befinden uns in einer rechtlichen Grauzone", sagte Richterin Kathrin Schürmann im Urteil. Denn oft sei der Betrugsvorwurf einfach nicht zu beweisen.

Die einfache Methode verschwieg der Monteur

So blieben jetzt aber die Fälle, in denen der Angeklagte seinen Kunden meist verschwiegen hatte, dass sich eine lediglich ins Schloss gefallene Tür von einem Fachmann mit einfachen Mitteln wieder öffnen ließe.

Tatsächlich bohrte er aber Schlösser aus oder beschädigte die Türen. Dann verlangte er Geld. Mal 600 Euro, mal 1000. Er drohte ihnen auch, mit Verstärkung wiederzukommen, falls sie den Preis nicht akzeptierten. Meist hatte die Drohung Erfolg. Falls die Kunden aber die Polizei alarmierten, ging er oft mit dem Preis herunter.

Einblick ins Geschäftsgebaren

In der Verhandlung gewährte der Angeklagte über seinen Verteidiger Volker Schröder auch einen Einblick ins Geschäftsgebaren der straff organisierten schwarzen Schafe der Schlüsseldienstbranche. Denn die Monteure sind abhängig von den oft in Essen oder Mülheim ansässigen Vermittlungzentralen, die bundesweit die Telefonnummern fürs Tür öffnen oder Rohr reinigen in Notfällen geschaltet haben.

Vom späteren Rechnungsbetrag, so Anwalt Schröder, habe der Vermittler jeweils 65 Prozent kassiert, der Monteur bekomme nur 35 Prozent. Schon deshalb seien die Monteure interessiert, den Preis in die Höhe zu treiben. Sie würden auch vom Vermittler dazu gedrängt, weil dieser natürlich immer den Monteur beauftrage, der bei den Kunden den höchsten Betrag kassiere.

Das Gericht machte dem Angeklagten zur Bewährungsauflage, sich einen neuen Job zu suchen und zwei Jahre lang monatlich 150 Euro in einen Fonds einzuzahlen, aus dem nachher die Geschädigten Geld bekämen. Falls er das Geld nicht hat, muss er Sozialstunden leisten.

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