Kirchenabrisspläne

Zahlreiche Gemeindemitglieder sind zutiefst erschüttert

Ein Auslaufmodell? Geht es nach den Plänen der Contilia Gruppe, wird die Pfarrkirche St. Johann Baptist in Altenessen in den kommenden Jahren abgerissen und macht Platz für einen Krankenhaus-Neubau. Foto:André Hi

Ein Auslaufmodell? Geht es nach den Plänen der Contilia Gruppe, wird die Pfarrkirche St. Johann Baptist in Altenessen in den kommenden Jahren abgerissen und macht Platz für einen Krankenhaus-Neubau. Foto:André Hi

Foto: rtz

Essen-Altenessen.   St. Johann Baptist: Der Ernst der Lage ist allen anzusehen, aufgegeben aber haben die „Johanner“ ihre Kirche trotz der Abrisspläne noch nicht.

Fackeln und Lichterketten vor St. Johann Baptist? Und das ausgerechnet am Buß- und Bettag? Diesem Feiertag der Evangelischen Kirche, der allein noch in Sachsen offiziell ist. Oder ging’s vielleicht doch eher um einen verspäteten Martinsumzug? Wer am Mittwochabend im Zentrum von Altenessen von nichts wusste, der konnte kurz ins Grübeln geraten, schnell jedoch wurde klar: Der Grund für Mahnwache und Menschenkette, für eine Stimmung zwischen großer Wut und großer Hoffnung, war die drohende Schließung der Pfarrkirche, die vielen Menschen wichtig und alles andere als egal ist. Und so kamen bestimmt 700, um ein Zeichen zu setzen. Es wurde ein Ausrufezeichen.

Unterschriftenlisten

Schon aus der Entfernung sind die Trillerpfeifen zu hören. Zu einem Mahnkreuz ausgelegte Teelichter und Grableuchten, Kerzen und ein loderndes Feuer im Fass. Fackeln im Sturm, sozusagen. Die Unterschriftenlisten gegen die Abrisspläne der Contilia Gruppe füllen sich schnell, viele Kinder vor allem, die Plakate und Bettbezüge bemalt und beschriftet haben. Kinder wie Theresa und Hannah, wie Anton und Emilia. „Jugend braucht St. Johann“, „Geld regiert die Welt – danke, Bistum“ oder „Hier beten Kinder und Eltern und Enkel“. Vor allem den Erwachsenen aber ist der Ernst der Lage selbst im Dunkeln deutlich anzusehen. Die Enttäuschung, aber auch die Angst, dass irgendwann in einigen Jahren nichts mehr sein wird, wie es ist.

„Ich bin hier getauft worden, warum finden die denn keinen anderen Standort?“, schüttelt Michael Gerdiken nur den Kopf. Und Ursula Peters, eine alte Dame, die schon ewig und drei Tage in genau diese Kirche geht: „Sie ist nicht auf Sand gebaut, hat ein festes Fundement.“

Für viele ist die Gemeinde ein zweites Zuhause

Knappen oder Ehrengarde, KfD oder der Gospelchor. Viele sind gekommen von den „Johannern“, wie sie sich selbst nennen, die in der Gemeinde fast ein zweites Zuhause haben. „Uns geht’s ja nicht allein um die Ziegelsteine, uns geht’s vielmehr um die Gemeinschaft hier. Nach einem Abriss wäre das nicht mehr dasselbe.“ Sätze wie diese hört man öfter, und in der Kirche selbst wird es dann noch deutlicher, vor allem aber noch viel lauter. Ohrenbetäubende Trillerpfeifen und Schimpftiraden, die mit „verdammt“ anfangen oder „Schlag in die Fresse“ aufhören, hat man im Gotteshaus sicherlich noch nicht so oft gehört. Aber sie verdeutlichen, was die Menschen umtreibt. Während Tobias Urban Cotilia vorwirft, dem Kirchenvorstand die Pistole auf die Brust gesetzt zu haben, weshalb er auch aus dem Gremium zurücktrat, ringt die stellvertretende KV-Vorsitzende Anja Dommershausen um Verständnis fürs Dilemma. Vergeblich.

Übrigens: Protestanten feierten den Buß- und Bettag einst angesichts von Notständen und Gefahren, seinerzeit wurde die gesamte Bevölkerung zu Umkehr und Gebet aufgerufen. Wie passend.

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