Verkehr

Zahl der Rad-Unfälle in Essen um über ein Drittel gestiegen

Wenn nur eine Delle im Vorderrad die Folge ist, ist das noch harmlos: Als neue Problem-Zielgruppe gelten für die Polizei Menschen mittleren Alters.

Foto: Kerstin Kokoska

Wenn nur eine Delle im Vorderrad die Folge ist, ist das noch harmlos: Als neue Problem-Zielgruppe gelten für die Polizei Menschen mittleren Alters. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Im ersten Halbjahr 2017 verunglückten 297 Radfahrer in Essen. Im Vorjahres-Zeitraum waren es noch 221. Polizei macht neue Risiko-Gruppe aus.

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297 Bürger sind im ersten Halbjahr des Jahres auf Fahrrädern verunglückt. Das ist über ein Drittel mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Jahres 2016. Damals wurden der Polizei 221 Rad-Unfälle gemeldet. Diese Zahlen gehen aus aktuellen, internen Statistiken der Polizei hervor.

Überraschend ist ein besonderer Wert: Die Zahlen der so genannten „Alleinunfälle“ – also Unfälle von Radfahrern ohne Beteiligung Dritter –, die Männer und Frauen mittleren Alters bauen, ist besonders stark gestiegen. „Die Werte gehen derzeit durch die Decke“, erklärte Polizeipräsident Frank Richter in dieser Woche bei einer Veranstaltung der Verkehrswacht. Tatsächlich hat sich die Summe annähernd verdoppelt.

Über die Ursachen kann die Polizei nur spekulieren

Bürger, die zwischen 30 und 64 Jahre alt sind, bauten in diesem Jahr bereits 39 solcher „Allein-Unfälle“ – im ersten Halbjahr des Vorjahres waren es 21. Gering ist dagegen die Zahl der gemeldeten „Allein-Unfälle“ bei den Senioren – gerade mal fünf – „Allein-Unfälle“ von Kindern wurden gar nicht gemeldet.

Über die Ursachen wird im Polizeipräsidium derzeit viel spekuliert: Alkohol ist ein Grund, aber nicht der maßgebliche – von den 39 Fällen war bei sieben ein erhöhter Promillewert im Spiel. „Wir gehen derzeit eher davon aus“, sagt Martin Waltering, Leiter der Verkehrsunfallprävention, „dass viele Männer und Frauen wegen des allgemeinen Fahrrad-Booms nach 20 oder 30 Jahren mal wieder aufs Rad steigen und dabei nicht berücksichtigen, wie ungeübt sie sind.“

Fahrtrainings gibt es nur für Kinder und Senioren

Tatsächlich gibt es keinerlei Fahrtrainings für die Zielgruppe der mittelalten Menschen – anders als für Kinder oder für Senioren ab 65 Jahren. Besonders Kurse im Fahren von Elektro-Rädern stehen bekanntlich hoch im Kurs. „Das Schwierige ist, dass wir derzeit nicht wissen“, räumt Waltering ein, „wie wir an diese Menschen herankommen sollen.“ Weitere mögliche Ursachen für die gestiegene Zahl der „Allein-Unfälle“: „Flüchtlinge scheiden aus“, gibt Waltering zu bedenken, „ein Grund könnten aber Handys sein.“ Wobei dabei nicht die unerlaubte Nutzung eines Mobiltelefons auf dem Rad gemeint ist, sondern: „Möglicherweise bekommen wir einfach mehr Unfälle gemeldet, weil heute jeder ein Handy dabeihat und nach einem Unfall die Polizei anruft.“ Weitere Erklärungs-Ansätze gibt es derzeit im Präsidium nicht.

Erstaunlich ist übrigens auch, dass Senioren – trotz des anhaltenden Elektro-Rad-Booms – relativ selten zu den aktiven Beteiligten von Fahrrad-Unfällen zählen. Im Jahr 2015 wurden der Polizei in Essen 191 verunglückte Senioren gemeldet, die 65 Jahre und älter sind. Davon waren gerade mal 35 mit dem Rad unterwegs. Viel öfter sind Senioren als Fußgänger (73 Fälle) oder Autofahrer (69) an Unfällen beteiligt. Fest steht aber auch, dass bei den allgemeinen Fahrrad-Unfällen, in denen Radler mit Autos oder Fußgängern zusammenstoßen, die Fahrradfahrer regelmäßig zu den Verursachern zählen – von den 297 Rad-Unfällen im ersten Halbjahr 2017 war 130 Mal der Radfahrer schuld.

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