Nachzug von Flüchtlingen

Zahl der Familiennachzüge steigt an – Wohnungen werden knapp

Immer mehr Flüchtlinge holen nun auch ihre Familien nach. Auf dem Essener Wohnungsmarkt macht sich das bereits bemerkbar: Großzügige und gleichzeitig günstige Wohnungen werden knapp.

Foto: Maja Hitij

Immer mehr Flüchtlinge holen nun auch ihre Familien nach. Auf dem Essener Wohnungsmarkt macht sich das bereits bemerkbar: Großzügige und gleichzeitig günstige Wohnungen werden knapp. Foto: Maja Hitij

Essen.   Viele Flüchtlinge, die sich in Essen eingelebt haben, holen nun ihre Familien nach. Doch großzügige und dabei günstige Wohnungen sind knapp.

Die Stadt Essen muss sich auf eine stetig wachsende Zahl von Familiennachzügen bei asylberechtigten Zuwanderern und Flüchtlingen mit Essener Wohnsitz einstellen. Das geht aus Zahlen hervor, die die Stadt jetzt auf Anfrage bekanntgab. Demnach haben im Jahr 2016 genau 1741 Menschen, davon 540 Syrer, als Familienangehörige von bereits hier lebenden Flüchtlingen das Aufenthaltsrecht erhalten. Im Jahr 2015 waren es 1698, im Jahr 2014 – also vor der Flüchtlingswelle – erst 1094. Für das laufende Jahr rechnet die Stadt mit weiterhin hohen, eventuell auch steigenden Zahlen.

Dies führt nicht nur zu wachsenden städtischen Sozialkosten, der Zuzug bereitet auch Schwierigkeiten bei der Wohnungsvermittlung. Freie Wohnungen, die zu Hartz IV-Bedingungen vermietbar sind, werden generell langsam knapp in Essen. „Und das gilt noch mehr für große Wohnungen“, sagt Samuel Serifi, Prokurist beim städtischen Allbau. Flüchtlinge leben oft zunächst in kleinen Wohnungen mit zweieinhalb Zimmern. „Bei den Nachzügen kommen aber in der Regel drei bis vier Personen dazu“, weiß Serifi. Ergebnis: „Plötzlich leben da sechs Personen auf engem Raum, darunter oft relativ viele Kinder.“ Das dürfe aber nicht sein, schon weil eine solche Überbelegung zu Unbehagen in der Nachbarschaft führe. „Die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten werden dann weit stärker als Problem empfunden“, weiß Serifi aus Erfahrung. Daneben gehe es auch um Themen wie Lärm oder Nebenkosten.

Günstige Wohnungen ab vier Zimmer sind Mangelware

Doch was tun? Denn gerade große Wohnungen ab vier Zimmern sind in Essen bei den Wohnungsgesellschaften traditionell rar und begehrt. „Es wird eng“, warnt Serifi. Dies gelte mittlerweile aber auch schon für kleinere Wohnungen. Insgesamt verfüge der Allbau über vielleicht noch 100 Objekte, die man Einwanderern anbieten könne. Zwar gebe es eine gewisse Fluktuation im Bestand, aber unterm Strich wachse der Druck auf den Wohnungsmarkt.

Im Grundsatz macht der Allbau nach eigenen Angaben keine schlechten Erfahrungen mit Flüchtlingen. „In den letzten drei Jahren haben wir 2000 untergebracht, es gab keine zehn Fälle, die uns wirklich Probleme gemacht haben“, sagt Serifi. Allerdings achtet der Allbau auch strikt darauf, dass die „Mischung“ stimmt und nicht etwa in ganzen Häusern oder gar Häuserblocks nur noch Einwanderer leben. Zustände wie in den so genannten Schrottimmobilien will das Unternehmen auf gar keinen Fall haben, weil dies die angestammten Mieter vertreiben würde. Das sei schädlich, auch für die Integrationsbemühungen.

Allbau achtet auf die „Mischung“ der Bewohner

Belastend wird sich der Nachzug von Familienangehörigen in jedem Fall auch für die Sozialausgaben auswirken. Ende 2016 zählte die Stadt über 4500 Bedarfsgemeinschaften von Flüchtlingen, mehr als doppelt so viele wie etwa noch 2014. Für 2017 wagt Sozialdezernent Peter Renzel noch keine Prognose: „Im Moment ist das eine nicht abwägbare Größe.“ Mit einer weiteren Erhöhung des migrationsbedingten Hartz-IV-Bezugs ist aber so gut wie sicher zu rechnen.

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