Heiligabend

Wohngemeinschaft öffnet an Heiligabend weit die Türen

Ein offenes Haus pflegen die WG-Bewohner sowie ihre Assistenzkräfte, Freunde und Familien. Sie laden regelmäßig zu Veranstaltungen, von Kultur bis Public Viewing, ein. Auch Heiligabend sind Gäste im Lüttring-Haus willkommen. 

Ein offenes Haus pflegen die WG-Bewohner sowie ihre Assistenzkräfte, Freunde und Familien. Sie laden regelmäßig zu Veranstaltungen, von Kultur bis Public Viewing, ein. Auch Heiligabend sind Gäste im Lüttring-Haus willkommen. 

Foto: Socrates Tassos

Essen-Frohnhausen.  Gewöhnlich feiern Menschen Weihnachten im Familienkreis. Das Lüttring-Haus, eine Wohngemeinschaft in Frohnhausen, öffnet die Türen für jedermann.

Es ist Experiment und Einladung zugleich: Die inklusive Wohngemeinschaft im Lüttring-Haus in Frohnhausen möchte den Heiligen Abend in großer Runde feiern. Willkommen seien „alle Menschen und Kulturen, die im Sinne der Liebe und Zusammenkunft einen gemütlichen Abend in Gesellschaft suchen“, heißt es in einem Flyer, der für den offenen Weihnachtsabend wirbt.

„Damit wir besser planen können, wäre es natürlich schön, wenn sich die Leute vorher anmelden – aber es geht auch so“, sagt Maria Lüttringhaus. Man werde niemanden abweisen. Maria Lüttringhaus gehört der schöne Altbau an der Gervinusstraße 6, in dem im Mai 2018 die WG für bis zu sieben schwerst körperlich behinderte junge Leute an den Start ging.

Public Viewing im großzügigen Garten

Erste Bewohnerin war Lüttringhaus’ Tochter Emma (18), der sie ein selbstständiges Leben unter Gleichaltrigen ermöglichen wollte. Für viele junge Volljährige mit Handicap fehlt ein solches Angebot: Oft haben sie nur die Wahl, bei den Eltern zu bleiben oder in ein Seniorenheim zu ziehen. Im barrierefreien Lüttring-Haus können sie ihren Alltag mit Assistenzkräften selbst organisieren.

Und diese Betreuer haben von Anfang an mitgeholfen, auch Barrieren zur Nachbarschaft, zum Stadtteil einzureißen. So lud die WG nur wenige Wochen nach dem Einzug zum Public Viewing in den großzügigen Garten ein, veranstaltete seither regelmäßig Konzertabende. „Nun wollen wir Weihnachten so begehen, wie ich mir schon immer den Geist von Weihnachten vorgestellt habe“, sagt Ina Schürmann von Inklusio, die für die WG-Bewohner arbeitet.

Musik und Trubel statt Stiller Nacht

Am 24. Dezember ab 18 Uhr beginnt das Weihnachtsfest – mit Tannenbaum, Gesang, kleinen Gaben, aber ohne missionarischen Anspruch. Mit der christlichen Weihnachtsbotschaft habe nicht nur die türkische Mitbewohnerin wenig Berührung. „Es kommen auch mindestens zwei syrische Flüchtlinge, die bei uns ein interkulturelles Orchester gegründet haben“, erzählt Maria Lüttringhaus.

20 Gäste stehen bereits auf der Liste

Neugierig auf die deutschen Weihnachtsrituale sind auch sie, ebenso wie die Studenten aus Argentinien, die sich schon angekündigt haben. Und so stimmt womöglich an diesem Abend ein internationaler Chor in die traditionellen Weihnachtslieder ein, die die Diakonisse Schwester Brigitte mitbringen wird.


Textsicher dürften die Senioren sein, die sich ebenfalls schon angemeldet haben. Rund 20 Gäste stünden bereits auf der Liste, sagt Maria Lüttringhaus. Ein paar Ehrenamtliche kommen schon nachmittags, um im festlich geschmückten Raum das Buffet aufzubauen. Typisch Deutsch ist das: Kartoffelsalat, Würstchen, dazu Suppe und Häppchen.

Zuschuss der Bezirksvertretung

Dank eines Zuschusses der Bezirksvertretung sei die Feier für die Gäste kostenlos. Mitfeiern könne jeder, dem die Stille Nacht zu still sei oder dem zu Hause die Decke auf den Kopf falle. Auch wer nach dem Familienfest weiterfeiern möchte, kann noch kommen: Ab 21 Uhr gibt es dort internationale Live-Musik, Stockbrot und Schokobrunnen sowie Glühwein und Feuerschale zum Erwärmen.

Für andere mag das schon zu sehr nach Weihnachtsmärchen klingen, Maria Lüttringhaus kennt ein offenes Haus seit ihrer Kindheit in einem Dorf bei Augsburg. Da habe man an den Feiertagen nicht nur die ganze Nachbarschaft getroffen, da habe jahrelang auch jeweils ein amerikanischer Soldat mit ihrer Familie gefeiert: „Der hätte ja sonst einsam in der Kaserne gesessen.“

„Lüttring-Haus all inclusive“

„Lüttring-Haus all inclusive“ heißt die WG an der Gervinusstraße 6 in Frohnhausen, in der bis zu sieben junge Menschen mit Behinderung leben. Die WG ermöglicht ihnen ein selbstbestimmtes Leben und beseitigt Hürden in Haus und Umfeld. Hier hilft der Verein „Emma+wir“(Eigenständig Mobil Miteinander Aktiv) Info: www.luettringhausallinclusive.de.

>>> Offenes Weihnachstfest mit Livemusik

Das Lüttring-Haus versteht sich auch als Treffpunkt im Stadtteil, lädt zu Veranstaltungen ein. Das offene Weihnachtsfest beginnt Heiligabend um 18 Uhr, ab 21 Uhr gibt’s Live-Musik, Glühwein und Stockbrot. Die WG bittet um Anmeldung: 0178-37 40 590 oder sara.filzen-emmaundwir@mail.de. Kurzentschlossene dürfen dazustoßen.

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