Wirtschafts-Porträts

Wie sich zwei Essener beruflich selbstständig machten

Ralf Schoppe vor seinem Büro: einem  alten Stellwerkgebäude auf dem Gelände des früheren Zollverein-Schachts 4/5/11 in Katernberg.

Ralf Schoppe vor seinem Büro: einem alten Stellwerkgebäude auf dem Gelände des früheren Zollverein-Schachts 4/5/11 in Katernberg.

Foto: Foto: Kade

Essen.  Die Gründung einer eigenen Firma ist keine Kleinigkeit und braucht gute Vorbereitung. Bernd Burchardt und Ralf Schoppe wagten es - mit Erfolg.

Wer selbstständig arbeiten will, braucht Mut, Ausdauer, kaufmännisches Geschick und oft auch eine Vision. Bernd Burchhardt und Ralf Schoppe sind zwei, die all das mitbringen. Der gebürtige Essener Burchhardt besitzt mittlerweile zwei Bio-Fleischereien in der Stadt. Schoppe hat noch während seines Gesundheitsökonomiestudiums in Essen sein erstes Unternehmen gegründet, das medizinische Fortbildungen anbietet. Sein frisch gegründetes Start-up „Movido“ soll nun ebenfalls hier Fuß fassen.

Als die Supermärkte die Oberhand gewannen, begann der Überlebenskampf der Fleischereien. Bernd Burchhardt wollte das Fachgeschäft seines Vaters neu ausrichten, um sich „von den anderen abzuheben“. Die Idee, auf artgerechte Tierhaltung zu setzen, stieß zunächst nicht auf große Begeisterung. Zu seiner Freude stellte er zwar fest, „das schmeckt wie früher“, doch das Investitionsrisiko war erheblich. Als Burchhardt das Geschäft an der Rellinghauser Straße 1998 übernahm, setzte er seine Pläne in die Tat um – auch wenn seine Verwandten sagten: „Mach das nicht, Bernd!“

Büro in einem alten Stellwerk von Zeche Zollverein

Ralf Schoppe ist mit seinem Unternehmen in ein Stellwerk auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage Zollverein 4/5/11 in Katernberg gezogen, das Teil des Gründerzentrums „Triple Z“ ist. Wo früher die Weichen für die Kohlenzüge gestellt wurden, möchte Schoppe nun Körperspenden akquirieren und der medizinischen Fortbildung zur Verfügung stellen.

Was sich skurril anhören mag, ist legal und dringend nötig. Die wenigen, die ihren Körper nach ihrem Ableben der Wissenschaft spenden, dienen meist der Lehre an den Unis. Studierende lernen an toten Körpern, damit sie später an lebendigen Kranken möglichst wenig Fehler machen. Für fertige Ärzte gibt es jedoch nicht genügend Möglichkeiten derartiger Weiterbildung.

Die Neuausrichtung, beziehungsweise die Neugründung haben beiden Unternehmern viel Planung abverlangt. Vorgegangen sind sie vollkommen unterschiedlich. Auf einem handgeschriebenen DIN-A4-Zettel hat Bernd Burchhardt seine gesamte Kalkulation verfasst. Angefangen von dem angenommenen Kundenverlust bis hin zu der Preissteigerung von etwa 60 Prozent, um die Kosten decken zu können. Die kaufmännischen Kenntnisse hat er sich selbst angeeignet. Vorgelegt hat der Fleischer seine Pläne niemand.

Kaufmännisches Wissen hat Ralf Schoppe schon durch sein Studium erworben, dann mit Hilfe von Steuer- und Unternehmensberatern einen Businessplan angefertigt. Vor allem die ethischen Aspekte sollten berücksichtig werden, da es sich bei dem Umgang mit Körperspenden immer noch um ein Tabu-Thema handelt und es für Angehörige „oftmals ein Problem darstellt“.

IHK: Viele Gründer durchdenken ihre Finanzierung nicht konsequent genug

Beide Unternehmer haben auf ganz unterschiedlichen Wegen ihr Ziel erreicht. Doch so gut funktioniert es selten. Eugenia Dottai, Leiterin des Startercenters in der IHK zu Essen, stellt vor allem fest, dass es am Kaufmännischen nicht hapert: „Die Finanzierung ist oftmals nicht gründlich durchdacht.“ Zudem werde der Umsatz zu hoch eingeschätzt und die Dauer der Anlaufphase zu Beginn der Unternehmensgründung unterschätzt. Viel Geld wird da meist nicht verdient.

Was macht die Selbstständigkeit so erstrebenswert? Dass man allein für alles verantwortlich ist, sagt Bernd Burchhardt . „Man merkt sofort, ob man etwas richtig oder falsch gemacht hat.“

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