Schwerbehinderte

Wie Menschen mit Behinderung eine Job-Chance bekommen

Manuel Biedermann (rechts) hat einen Arbeitsvertrag bei Malermeister Sven Thom (links) unterschrieben.

Manuel Biedermann (rechts) hat einen Arbeitsvertrag bei Malermeister Sven Thom (links) unterschrieben.

Foto: Ulrich von Born

essen.   Das Essener Franz Sales Haus und das JobCenter kooperieren, um mehr Bürger mit Beeinträchtigung zu einer echten Arbeit zu verhelfen.

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Manuel Biedermann strahlt übers ganze Gesicht. Der 23-Jährige hat Grund zur Freude: Gerade hat er einen Arbeitsvertrag bei Malermeister Sven Thom unterschrieben. Ab dem 1. Dezember verdient der junge Mann, der seine Ausbildung im Jugenddorf Zehnthof gemacht hat, als Hilfsmaler sein eigenes Geld. Das Besondere daran: Manuel Biedermann ist zu 50 Prozent schwerbehindert.

„Sollte eigentlich Normalfall werden“

„Das Besondere soll eigentlich der Normalfall werden“, sagt Bodo Kalverum und erklärt damit gleichzeitig seine Aufgabe: Der Leiter vom Job Service begleitet gemeinsam mit dem Franz Sales Haus Essen ein Projekt, das schwerbehinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt integrieren will. „Essen.Inklusive.Arbeit“ besteht seit einem Jahr, wird vom Bund gefördert und hat bislang 30 Arbeitnehmer mit unterschiedlichen Behinderungsgraden in einen sozialversicherungspflichtigen Job vermittelt.

Dabei muss das kleine Projektteam vor allen Dingen eines tun: Aufklären, um Ressentiments beiseite zu räumen. „Viele verbinden mit dem Begriff Behinderung Menschen im Rollstuhl, die nicht leistungsfähig, ständig krank und schlecht kündbar sind“, sagt Martin Schnell, der als Integrationscoach im Franz Sales Haus tätig ist. Im Projekt gehe es eben nicht um Menschen, die als Schwerstbehinderte in Werkstätten arbeiten, sondern um Arbeitnehmer, die durch Unfall oder eine Erkrankung teilweise behindert sind. „Diese Klientel erleben wir immer wieder als hoch motiviert und durchaus sehr leistungsfähig und -orientiert.“ Um die Vorurteile auszuräumen, nutzen die Verantwortlichen jede Möglichkeit, um mit Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen und knüpfen eifrig Netzwerke.

Schwerbehinderung nach Krebs

Bei Malermeister Sven Thom sind sie offene Türen eingerannt. Neben Manuel Biedermann hat der 38-Jährige zwei weitere Menschen mit Behinderung eingestellt: einen Maler-Azubi und die Bürokraft Cornelia Winkler. Seit Oktober arbeitet die 57-Jährige in Teilzeit und „bringt meine Buchführung endlich auf Vordermann“, lobt der Unternehmer. Cornelia Winkler hat nach einer Krebserkrankung eine 50-prozentige Schwerbehinderung, „dazu kommt noch mein Alter“, sagt sie. Beides hat sie bei der Suche nach einer neuen Stelle als Hemmnis empfunden. Bis sie sich, unterstützt durch das Projekt, bei Sven Thom vorstellte. Und die Stelle bekam. „Das ist für mich ein großes Glück.“ Denn weder ihr Alter noch ihre Behinderung sind für ihren neuen Chef ein Thema: „Mir ist eigentlich nur wichtig, dass meine Mitarbeiter engagiert, zuverlässig und gründlich sind.“

Finanzielle Förderung interessant

Der Malermeister, der sich erst vor zweieinhalb Jahren in Rellinghausen selbstständig gemacht hat, macht allerdings auch keinen Hehl daraus, dass die finanzielle Förderung für ihn als Jungunternehmer interessant sei. Maximal die Hälfte der Lohnkosten übernimmt das Jobcenter für eine begrenzte Zeit. Das soll natürlich als Anreiz für Firmen dienen, sich für das Programm zu interessieren. Für Sven Thom zählten zumindest bei der Einstellung von Manuel Biedermann noch andere Gründe: „Den Manuel kenne ich schon länger und weiß, dass er eine eher schwere Lebensgeschichte hatte. Aber ich sehe auch sein Potenzial.“ Deswegen will er ihm genug Zeit geben, sich zu entwickeln. „Manuel braucht noch einen Schubs, um selbstständiger zu werden. Den kriegt er hier.“

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