Artenvielfalt

Wie Essener Friedhöfe Raum für Naturschutz bieten sollen

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Essens Friedhöfe sollen artenreicher werden: Das bekräftigen Martin Kaiser vom BUND (links) und Martin Buchacker (Leiter Abteilung Planen und Bauen, Grün und Gruga) auf dem Terrassenfriedhof in Essen-Schönebeck.

Essens Friedhöfe sollen artenreicher werden: Das bekräftigen Martin Kaiser vom BUND (links) und Martin Buchacker (Leiter Abteilung Planen und Bauen, Grün und Gruga) auf dem Terrassenfriedhof in Essen-Schönebeck.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Schönebeck.  Auf den Essener Friedhöfen sollen insektenfreundliche Wiesen mit Wildblumen entstehen. Projekte in Schönebeck und Freisenbruch zeigen Erfolg.

Naturschutz auf dem Friedhof: Wie das möglich ist, zeigen Engagierte auf dem Terrassenfriedhof. Vor rund einem Jahr haben sie auf einer freien Fläche auf dem großen Gelände eine Wildblumenwiese angelegt. In diesem Sommer nun summt und brummt es auf der Wiese zum ersten Mal.

Auf dem Friedhof sollen in den kommenden Jahren nicht mehr nur Begonien und Co. blühen, sondern auch insektenfreundliche Pflanzen wie Schmuckkörbchen, Mohn, Sonnenblumen, Kornblumen und viele andere Arten. Ein großes Insektenhotel bietet Hummeln, Bienen, Wespen, Fliegen und anderen Insekten Unterschlupf, außerdem gibt es ein Sandbeet für Wildbienen. Für die Mitglieder des Essener Kreisgruppe des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) ein Grund zum Feiern – der erste Schritt zu mehr Artenvielfalt auf dem Terrassenfriedhof ist getan.

Essener Friedhöfe sollen zur Artenvielfalt in der Stadt beitragen

Noch mehr freuen sich die Naturschützer darüber, dass das Projekt zum Vorbild für viele weitere werden könnte. Denn es gibt nach diesem ersten Versuchsprojekt nun eine Kooperationsvereinbarung zwischen BUND und Grün und Gruga. Das Ziel sind weitere Blühflächen auf Essener Friedhöfen, um für biologische Vielfalt und den Erhalt bereits gefährdeter Arten zu sorgen. „Wild ist das neue Schön“ lautet das Motto.

Grün und Gruga hatte auch auf dem Hellwegfriedhof in Freisenbruch auf 5000 Quadratmetern Blühflächen angelegt. „Auf dem Hellwegfriedhof hat sich bereits eine artenreiche heimische Glatthaferwiesengesellschaft entwickelt, die einen Lebensraum für zahlreiche Vögel, Insekten, Spinnen und Kleinsäugerarten bietet“, heißt es von Grün und Gruga. Wie sich diese Blühfläche weiter entwickelt, untersucht das Team der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet.

Aus den Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sollen weitere 15.000 Quadratmeter Wildwiesen auf verschiedenen Essener Friedhöfen finanziert werden. „Friedhöfe sind mehr als Orte der Trauer, nämlich auch parkähnliche Anlagen, in denen Menschen Erholung und Ruhe und Tiere und Pflanzen einen wertvollen Lebens- und Rückzugsraum finden – diese erfahren durch die Blühflächen nun eine weitere Aufwertung“, so Melanie Ihlenfeld, Leiterin von Grün und Gruga.

Blühflächen werden auch mit der Sense gepflegt

Durch die Zunahme von Urnenbestattungen wird heute weniger Platz auf den Friedhöfen benötigt als noch vor einigen Jahrzehnten eingeplant wurde, als Erdbestattungen die Regel waren. Martin Kaiser, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Artenschutz im BUND, setzt darauf, dass aus den ersten beiden Beispielen nun weitere Projekte auf Essener Stadtgebiet entstehen. Das Team wird bei der Auswahl geeigneter Flächen beraten und auch bei der anschließenden Pflege.

Auf dem Terrassenfriedhof arbeiten die Naturschützer vor allem mit der Sense, um die Wildblumenwiese möglichst umweltverträglich zu pflegen. Ralf Benner bietet auch interessierten Privatleuten über den BUND Sensenkurse an. Die Termine werden auf der Seite der BUND-Kreisgruppe Essen bekanntgegeben.

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