Kirche

Wie eine Kirchengemeinde ohne Pfarrer funktionieren kann

Die Größe der Pfarrei St. Antonius, zu der auch die Gemeinde Zur Heiligen Familie auf der Margarethenhöhe gehört, zeigt Pfarrer Ludger Blasius.

Foto: STEFAN AREND

Die Größe der Pfarrei St. Antonius, zu der auch die Gemeinde Zur Heiligen Familie auf der Margarethenhöhe gehört, zeigt Pfarrer Ludger Blasius. Foto: STEFAN AREND

Essen-Margarethenhöhe.   „Zur Heiligen Familie“ auf der Margarethenhöhe muss ohne Pastor und Referentin auskommen. Damit nimmt sie Modellfunktion im Ruhrbistum ein.

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Die katholische Gemeinde Zur Heiligen Familie auf der Margarethenhöhe soll neben Gemeinden in Duisburg-Hamborn und Oberhausen Modellprojekt für das Bistum Essen werden.

Die Mitglieder sollen zeigen, wie Gemeindearbeit ohne hauptamtliche Kräfte funktionieren kann. Das erklärt Pfarrer Ludger Blasius (60), zu dessen Pfarrei St. Antonius die Gemeinde auf der Margarethenhöhe seit der Neustrukturierung 2008 gehört.

Die Gemeinde Zur Heiligen Familie mit rund 2400 Mitgliedern ist in einer besonderen Situation. Nach der Versetzung von Pastor Rainer Streich im Oktober 2009 übernahm Gemeindereferentin Andrea Hurlebusch dort als Hauptamtliche die Koordination des Gemeindelebens, arbeitete im Büro und traf Absprachen mit den Gruppen. Ende 2016 verstarb Andrea Hurlebusch. „Da klar war, dass dort niemand mehr als Hauptamtlicher hinkommt, musste man sich Gedanken über die Zukunft machen“, sagt Pfarrer Blasius.

Fünf Priester und zwei Referenten für 28 000 Gläubige

In Sachen Seelsorge sind fünf Priester in der Pfarrei tätig. Dazu kommen zwei Gemeindereferentinnen, die anderthalb Stellen ausfüllen. Pfarrer Blasius ist für alle amtlichen Dinge zuständig, die die größte der zehn Essener Pfarreien mit rund 28 000 Mitgliedern betreffen.

Zu seinem Einzugsgebiet gehören St. Mariä Himmelfahrt in Altendorf mit der Filialkirche St. Clemens Maria Hofbauer, wo auch die polnischsprachige Gemeinde ansässig ist, die Frohnhauser Gemeinden St. Antonius und St. Elisabeth, die Holsterhauser Gemeinde St. Mariä Empfängnis und Zur Heiligen Familie auf der Margarethenhöhe.

„Die neue Situation erfordert natürlich ein Umdenken. Ich bin aber überzeugt, dass Gemeindeleben weiter existieren wird und nicht am Priester hängt. So gibt es gerade auf der Margarethenhöhe viele Aktivitäten, die Ehrenamtliche auch bisher schon in Absprache mit dem Gemeinderat organisiert haben“, sagt der Pfarrer. Jeder, der getauft und gefirmt sei und dem Glaube und Gemeindeleben etwas bedeuteten, könne sich mit seinem Talent als mündiger Christ einbringen.

„Wir müssen die Aufgaben auf viele Schultern verteilen“

Dass auf alle Beteiligten eine Herausforderung zukommen wird, davon ist auch Britta Pöllen, Gemeinderatsvorsitzende der Heiligen Familie überzeugt. „Wir müssen die Aufgaben auf viele Schultern verteilen“, sagt sie.

Aufgaben wie Seniorenbesuche und Bücherei-Führerschein seien nach dem Tod der Gemeindereferentin schon von Ehrenamtlichen übernommen worden. Die Neuorganisation werde in enger Absprache mit der Pfarrei und dem Bistum laufen, das den Prozess mit einer Art Trainer begleiten werde.

Vom Gemeindeleiter zum geistlichen Impulsgeber

Laut Pfarrer Blasius führt der Mangel an Priestern und Gemeindereferentinnen dazu, dass auch die Rolle des Pfarrers neu definiert werden müsse. „Der Priester wird vom Leiter der Gemeinde, der auch für organisatorische Aufgaben zuständig ist, zum geistlichen Impulsgeber“, erklärt er. Auf der Margarethenhöhe werde es vorerst weiter eine Sonntagsmesse und eine Messe in der Woche geben.

Bei einigen Gläubigen setze das Gefühl, für das Gemeindeleben mitverantwortlich zu sein, möglicherweise sogar neue Kraft und Motivation frei, hofft Blasius. Welche Veränderungen am Ende des Pfarrentwicklungsprozesses noch zu bewältigen seien, ist noch unklar. Die Pfarreien seien jedenfalls aufgefordert, bis Ende 2017 vorzuschlagen, wie man 30 Prozent des Haushalts einsparen könne.

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