Kunsttherapie

Wie eine Essener Kunsttherapeutin den Patienten hilft

Kunsttherapeutin Iris Hohmann arbeitet in einer eigenen Praxis und auf einer onkologischen Station im Krankenhaus.

Foto: Kelp

Kunsttherapeutin Iris Hohmann arbeitet in einer eigenen Praxis und auf einer onkologischen Station im Krankenhaus. Foto: Kelp

Essen.   Mit dem Malbrett ans Krankenbett: Die Essener Kunsttherapeutin Iris Hohmann hilft Patienten, ihre Ängste und Belastungen in Bildern auszudrücken.

Krankheit und Kreativität sind für Iris Hohmann kein Widerspruch. Die Kunsttherapeutin arbeitet in der eigener Praxis in Essen-Horst und auf einer onkologischen Station im Krankenhaus. Im Klinikalltag gehört die Arbeit der Therapeutin zum Angebot der ergänzenden und unterstützenden Therapien. Je nach Gesundheitszustand findet das Malbrett dann auch mal Anwendung im Bett.

„Dabei liegt der Fokus keinesfalls auf dem künstlerischen Ergebnis“, erklärt Iris Hohmann. „Vielmehr steht der Patient mit seiner neuen Situation im Mittelpunkt. Er soll Kraft schöpfen und Entlastung erfahren.“

Kunsttherapie sei eine wichtige Ergänzung zur klinischen Versorgung

Oberärztin Sabine Felber von der Integrativen Onkologie der Kliniken-Essen-Mitte kennt die Erfolge: „Über die Kunsttherapie kommen die Patienten in Kontakt mit ihrem Unterbewussten, ihren inneren Bildern. Gerade in der Onkologie spielen Ängste eine große Rolle. Daher ist die Kunsttherapie eine wichtige Ergänzung in der klinischen Versorgung krebskranker Menschen.“

Gleichwohl greift nicht jeder Patient gleich begeistert zu Pinsel und Farbpalette. „Ich bin nicht kreativ und kann schon gar nicht malen“, hört Iris Hohmann oft.

Aber bei einer Kunsttherapie geht es vor allem darum, Empfindungen auszudrücken. Und dazu braucht es keine Picasso-Qualitäten. Überhaupt steht hier nicht nur das Malen im Vordergrund; auch Visualisierungen, Körperübungen oder Musikeinheiten gehören dazu.

Der Patient entscheidet, welche Bereiche bearbeitet werden

Dass die Kunsttherapie richtungsweisende Veränderungen herbeiführen kann, weiß auch Ulrich Deuse, Facharzt für Innere Medizin und hausärztliche Versorgung in Kettwig. Er empfiehlt die Therapie besonders Patienten mit seelischen Belastungen wie Ängsten, Depressionen und psychosomatischen Krankheitsbildern wie Burn-Out oder Bluthochdruck.

„Häufig wird eine echte Auseinandersetzung mit seelischen Themen dadurch vermieden, dass man viel darüber redet, ohne sich wirklich für die eigene innere Wahrheit zu öffnen“, erläutert der Mediziner. „Die Kunsttherapie ermöglicht, sich über Bilder unbewussten Inhalten anzunähern, die angstbesetzt und schmerzvoll sind.“

Dabei geschieht in der Kunsttherapie nichts, was der Klient nicht will, stellt Iris Hohmann klar, die auch Menschen aus Heilberufen zu ihren Klienten zählt. „In einer seriösen Therapie entscheidet immer der Patient, welche Bereiche bearbeitet werden sollen und welche nicht.“

Kunsttherapeutin hat selbst Umbrüche erfahren

Ihre Arbeit sei auch darum so zielführend, weil sie selbst Umbrüche erfahren habe. Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte hat Iris Hohmann unter anderem als Personalreferentin und in der Medizinwirtschaft gearbeitet. Weiterbildungen zum Coach und im Bereich der Mind-Body-Medizin markierten den ersten Schritt in Richtung Heilberuf.

Heute versteht sie den Umgang mit Pinsel und Farben vor allem als Möglichkeit, Probleme zu markieren, die im Rahmen einer herkömmlichen Behandlung oft verborgen bleiben. „Und ich möchte Menschen Raum geben“, fasst sie zusammen. „Weil jeder Mensch so gesehen werden will, wie er ist.“

Weitere Informationen unter www.kunsttherapie-hohmann.de

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