„AfreeGems“

Wie ein Rüttenscheider Afrika-Shop auf Erfolgskurs geht

| Lesedauer: 4 Minuten
Stefan Reiß und seine Frau Andrea Bolz haben das Essener Start-up „AfreeGems“ gegründet. Sie verkaufen Produkte direkt aus Afrika.

Stefan Reiß und seine Frau Andrea Bolz haben das Essener Start-up „AfreeGems“ gegründet. Sie verkaufen Produkte direkt aus Afrika.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  Der Rüttenscheider Online-Shop „AfreeGems“ gehört zu den Corona-Gewinnern: 80 Prozent Umsatzwachstum im Jahr 2021. Nun werden Investoren gesucht.

Ihren Online-Handel starteten Stefan Reiß und Andrea Bolz 2018 in den Räumlichkeiten einer lokalen Bäckerei. Dort füllten sie Erdnüsse aus dem Senegal ab, um sie dann später in ihrer Privatwohnung versandfertig zu verpacken. Seitdem hat sich einiges getan. Mit einem Umsatzwachstum von 80 Prozent im vergangenen Jahr gehören die Gründer von „AfreeGems“ zu den Gewinnern der Corona-Pandemie – und möchten in Zukunft kräftig expandieren.

Im Online-Shop von AfreeGems findet man eine Auswahl von Produkten, die alle eins gemeinsam haben: Sie stammen aus Afrika. So gibt es zum Beispiel Macadamia-Nüsse aus Kenia, Safran aus Marokko oder Espresso aus Tansania. Kaufen kann man die Artikel zum Beispiel auch in Weltläden oder nach Vorbestellung direkt vor Ort im Werksverkauf in Rüttenscheid (Garagenhof Ursulastraße 17). Einen großen Teil ihres Umsatzes verdienen Reiß und Bolz aber mittlerweile im Internet.

Essener Start-up macht die Hälfte des Umsatzes mit Online-Handel

Nahmen sie 2019 noch lediglich zwei Prozent mit ihrem Online-Geschäft ein, wuchs der Anteil 2020 auf zwölf Prozent und machte 2021 einen Sprung auf 50 Prozent. „In der Corona-Zeit sind viele Menschen nicht mehr in Geschäfte gegangen, sondern haben online eingekauft“, erklärt Reiß. Dabei helfe auch, dass es im gleichen Segment kaum andere Anbieter gebe: „Oft kommen nur die Rohstoffe aus Afrika und werden dann hierzulande oder in asiatischen Niedriglohnproduktionsländern weiterverarbeitet.“

Das Konzept scheint aufzugehen: Abgesehen vom stark gestiegenen Umsatz wurde „AfreeGems“ jüngst von der „Zeit“ und dem Statistik-Onlineportal Statista unter die Top 22 der Premium-Online-Shops im Bereich Feinkost, Gourmet und Lebensmittel gewählt. Mittlerweile arbeiten die Gründer mit elf Partnerbetrieben aus sechs afrikanischen Ländern zusammen. Über 1000 afrikanische Familien profitieren nach ihren Angaben von der Plattform.

Essener wollen bald noch mehr Artikel ins Produktportfolio aufnehmen

Mit ihren Produkten wollen Reiß und Bolz zeigen, wie groß und besonders die kulinarische Bandbreite Afrikas ist. Daher auch der Name „AfreeGems:. „Gem“ ist das englische Wort für „Juwel“. Reiß hat vor seiner Selbstständigkeit jahrelang als Pilot für die UNO in Afrika gearbeitet und eine lange, tiefe Bindung zu dem Kontinent entwickelt. Während er längere Zeit im Senegal tätig war, verliebten sich seine Frau und er in die Erdnüsse, die dort traditionell im Salzbad zubereitet, geröstet und zum Knabbern in jedem Restaurant serviert werden.

Diese Nüsse waren das erste Produkt, dass die beiden in ihrem neuen Online-Shop verkauften. Mittlerweile sind viele Artikel dazugekommen – und weitere sollen folgen. So ist zum Beispiel geplant, Pfeffer, Tee, Trockenfrüchte, Macadamia-Mus und Mandeln ins Sortiment aufzunehmen. Damit das Geschäft weiter wachsen kann, suchen die beiden Start-up-Gründer nach möglichen Investoren. Erste Interessenten sind bereits auf ihren Online-Shop aufmerksam geworden, aktuell laufen Gespräche.

Essener Start-up möchte das Sortiment auf reine Bio-Produkte umstellen

Mit zusätzlichem Kapital würden Reiß und Bolz gern neue größere Projekte umsetzen. Dazu gehört zum Beispiel die Erweiterung der Produktion in Kenia, wo ihre Partner Bio-Macadamia-Nüsse in einem Ofen rösten. Außerdem würden sie gern Bio-Erdnüsse aus dem Senegal anbieten. „Die Erdnuss ist Deutschlands am meisten verzehrte Nuss, trotzdem gibt es nur ein kleines Bio-Angebot“, betont Bolz. Langfristig will das Paar das gesamte Sortiment auf Bio umstellen.

Schon jetzt achten die beiden sehr auf faire Produktion. Dafür haben sie Partner vor Ort, die die Bedingungen unter die Lupe nehmen. Oder sie sprechen selbst per Videotelefonie mit den Produzenten. Die Artikel sind dementsprechend auch teurer als im Supermarkt. 500 Gramm geröstete und gesalzene Erdnüsse gibt es beispielsweise für 11,59 Euro, ein halbes Kilo Arabica-Kaffee aus Tansania für 15,99 Euro. Reiß geht allerdings davon aus, dass bei einer Expansion Potenzial für deutlich günstigere Preise da wäre.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Essen

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben