Gewalt

Wie ein 17-jähriger Essener vor einem Club verprügelt wurde

Ein Symbolbild zu dem brutalen Übergriff, der sich wohl so in etwa abspielte: Der junge Bredeneyer lag am Boden und wurde weiter traktiert.

Foto: Gerd Wallhorn

Ein Symbolbild zu dem brutalen Übergriff, der sich wohl so in etwa abspielte: Der junge Bredeneyer lag am Boden und wurde weiter traktiert. Foto: Gerd Wallhorn

Essen/Bochum.   Ein Essener feiert mit Freunden in einer Disco. Vor dem Club gibt es Streit mit drei Männern. Die stoßen den 17-Jährigen zu Boden und treten ihn.

Die letzte schriftliche Abi-Prüfung war geschafft, ein Geburtstag stand zudem an. Zwei gute Gründe also, um zu feiern. Was am Samstag als ausgelassene Party geplant war, endete für einen 17-Jährigen Bredeneyer fast in einer Katastrophe. Er wurde vor einer Bochumer Disco zusammenschlagen und am Boden liegend weiter traktiert. Blutergüsse und Prellungen an Kopf und Armen, dazu mehrere Wunden und ein gerötetes Auge erinnern ihn an das verhängnisvolle Zusammentreffen mit drei bislang unbekannten Männern. Die Wunden heilen. Die Gedanken an diesen brutalen Übergriff, von denen es laut Polizei immer mehr gibt, bleiben.

Wie die Situation eskalierte

Wir treffen den jungen Mann, der aus Angst vor Repressalien anonym bleiben, auf der Terrasse seiner Eltern. Er ist 1,94 Meter groß und durchtrainiert – ein Typ, mit dem man sich nicht anlegen will. Er wirkt ruhig, aufgeräumt. „Ich kann mich im Moment nicht an alles erinnern“, sagt er und weiß, dass das vielleicht auch besser ist.

Mit zwei Kumpels, seiner Freundin und einer weiteren Freundin war er Samstag Gast in der Bochumer Szene-Disco Apartment 45. In den Morgenstunden verließ die Gruppe den Club. Drei Männer, Mitte 20, gingen zeitgleich. Das Trio belästigte wenige Meter vom Eingang entfernt eine der Frauen, zog sie an der Schulter. „Ich habe die Hand weggeschoben und gesagt „Lass das“, erinnert sich der 18-jährige Freund des 17-Jährigen. Die Situation eskalierte. Die Männer schubsten und traten den 18-Jährigen. Der 17-Jährige wollte dazwischengehen. Und wurde vom Schlichter zum Opfer. „Ich wurde geschubst, stolperte, fiel zu Boden“, erinnert er sich. Dann setzt das Gedächtnis aus. Sein Freund sah, was passierte. „Einer der drei hat sich auf ihn gesetzt und ins Gesicht geschlagen.“ Tritte gegen den am Boden Liegenden gab es auch. Momente später flüchtete das gewalttätige Trio in die Dunkelheit.

Heftig blutende Nase

Ein Notarzt übernahm die Erst-Versorgung, die Nase des 17-Jährigen blutete heftig. Der kam in eine Augenklinik, wo das lädierte Auge behandelt wurde. „Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt der Abiturient. „Du hast unglaubliches Glück gehabt“, findet seine Mutter. „Was mit dem Auge hätte passieren können. Oder am Kopf. Und wenn einer noch ein Messer gehabt hätte.“ Sie schüttelt besorgt den Kopf.

Strafantrag ist gestellt. Die Polizei sucht die Täter. Laut Zeugenbericht sind die „25 bis 30 Jahre alt, schwarzhaarig, südländischer Typ. Einer trug einen Anzug, einer ein rotes Hemd.“ Der Disco-Besitzer will mit Videoaufnahmen helfen.

Hohe Aufklärungsquote bei Körperverletzung

Hoffnung macht, dass die Aufklärungsquote der Polizei Bochum bei Körperverletzungen bei über 85 Prozent liegt. In Essen liegt der Wert ähnlich hoch und es gibt im Schnitt zehn Körperverletzungen pro Tag. Zuletzt ist die Zahl wieder gestiegen. Dabei ist nicht nur ein subjektives Empfinden vorhanden, dass die Brutalität zugenommen hat. „Es gibt mehr gefährliche Körperverletzungen“, bestätigt Polizeisprecher Christoph Wickhorst. Sein Bochumer Kollege Marco Bischoff ergänzt: „Die Hemmungen sind weniger geworden. Die Intensität der Übergriffe hat zugenommen. An die Folgen denkt da oft niemand. Es ist traurig, dass Fälle wie dieser immer häufiger vorkommen“, sagt der Oberkommissar mit Blick auf den jungen Bredeneyer.

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