ÖPNV

Wie die Essener Verkehrs-AG Lehrlinge gewinnt

Evag-Straßenbahndepot mit Straßenbahnen und Linienbussen. Auch hier kommt

Evag-Straßenbahndepot mit Straßenbahnen und Linienbussen. Auch hier kommt

Foto: Hans Blossey

ESsen.   Auch die Evag leidet an Bewerber-Mangel. Viele junge Leute studieren lieber. Warum sich Azubi Tom Höppelshäuser doch für die Evag entschied.

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Wie attraktiv ist eine Ausbildung in einem Unternehmen, wenn der Trend zum Studium bei Abiturienten in der Stadt ungebrochen ist? Auch die Essener Verkehrs-AG (Evag) hat, wie viele Unternehmen, mit rückläufigen Bewerberzahlen zu kämpfen. Und mit einer – so sagt es die Evag – „verzerrten Wahrnehmung“ ihrer Ausbildung in der Öffentlichkeit zu kämpfen.

„Die verbreitete Annahme ist, dass es bei der Evag nur Ausbildungen zum Bus- und Bahnfahrer oder zum Kontrolleur gibt“, erklärt Evag-Sprecherin Sylvia Neumann. Das sei aber falsch. Wie ein Blick in den Berufsalltag von Tom Höppelshäuser zeigt.

„Bei uns wird jeder Azubi für sechs Monate übernommen“

Der 20-Jährige hat sich bewusst für eine kaufmännische Ausbildung bei der städtischen Verkehrstochter entschieden. „Ich bin Essener, fahre täglich mit der Bahn und wollte etwas Sicheres nach dem Abitur machen.“

Liegt es da nahe, eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Evag zu machen? Reizen einen da nicht Dax-Konzerne der Energie-Branche, die es ja auch in Essen vielfach gibt?

Tom Höppelshäuser antwortet eindeutig. „Nein, ich fühle mich sehr wohl bei der Evag. Denn hier kann ich schnell Verantwortung übernehmen und mich in Projekten verwirklichen. Außerdem ist die Evag wie kaum ein anderes Unternehmen mit meiner Stadt verbunden“, sagt der Holsterhausener, der während seiner Ausbildung, die er voraussichtlich im März 2018 beenden wird, in jede Abteilung des Verkehrsunternehmens hineinschnuppern darf und soll.

Außerdem gebe es eine Art Übernahmegarantie, die andere Unternehmen so nicht anbieten, sagt seine Ausbildungsleiterin, Alexandra Schlossmann. „Bei uns wird jeder Azubi für sechs Monate nach der Ausbildung übernommen. Wer sich bewährt, kann einen unbefristeten Vertrag bekommen. Das ist Teil unserer Betriebsvereinbarung.“

Die Evag weiß: Der Nahverkehr ist nicht sexy

Auch Sylvia Neumann weiß sehr wohl, dass viele andere Bewerber auf die großen Konzerne in der Stadt und in der Region schauen. „Der Nahverkehr ist nicht sexy.“ Dieses Image möchte die Evag ablegen – so schnell wie möglich, hört man von Alexandra Schlossmann und Sylvia Neumann.

Darum investiert die Evag in PR-Kampagnen. Dazu zählt auch ein Internet-Blog, den Tom Höppelshäuser als einziger Azubi wöchentlich im Auftrag der Evag schreibt. Dort schreibt er aus seiner Perspektive über die Ausbildung, über Probleme, über seinen ersten Arbeitstag und über Aktuelles aus dem Unternehmen. „Ich mag es zu schreiben und mit dem Blog möchte ich zeigen, dass die Evag etwas zu bieten hat.“

1800 Mitarbeiter, 60 Azubis

Die Evag beschäftigt mehr als 1800 Mitarbeiter – in ganz unterschiedlichen Bereichen. Darunter sind 60 Azubis, die meistens im gewerblich-technischen Bereich beschäftigt sind. Bemerkenswert ist aber auch, dass sich immer öfter Studienabbrecher oder Studenten mit Abschluss für eine Ausbildung bei der Evag bewerben

„Rund ein Drittel der Bewerbungen für eine kaufmännische Ausbildung kommen von Psychologen, Ingenieuren oder Lehramtsstudenten, die ihr Studium oftmals nicht beendeten“, sagt Ausbilderin Alexandra Schlossmann im Hinblick auf das veränderte Bewerberprofil in dem Essener Unternehmen.

Eigentlich wollte Tom Höppelshäuser Rockstar werden, aber jetzt ist der Hobby-Gitarrist, der eine eigene Band und einen Youtube-Channel hat, nicht böse, dass es nicht so ganz mit der Musikerkarriere geklappt hat. „Die Musik ist mein Hobby. Und so soll es dann auch bleiben.“

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