Bildungsarbeit

Wie die Corona-Zeit die Arbeit im Essener Kulturtreff ändert

Josephine Bialas leitet das Bildungs- und Kulturzentrum Storp 9 im Essener Südostviertel seit fünf Jahren.

Josephine Bialas leitet das Bildungs- und Kulturzentrum Storp 9 im Essener Südostviertel seit fünf Jahren.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Südostviertel.  Das Bildungszentrum Storp 9 im Südostviertel bietet wieder Sprechstunden, Gruppen und Einzelförderung an. Offene Jugendarbeit gibt es noch nicht.

Die Mitarbeiter des Storp 9, Bildungs- und Kulturzentrum im Essener Südostviertel, müssen in Corona-Zeiten neue Aufgaben meistern. Die offene Jugendarbeit ruht, aber viele soziale Aufgaben in dem Stadtteil mit hohem Migrantenanteil erfüllt das Team weiterhin. Gerade in Krisenzeiten sei das wichtig, erklärt Josephine Bialas, Leiterin des Storp 9.

Tatsächlich habe nach dem Lockdown im März eine besonders aktive und intensive Zeit für das Team begonnen. „Viele Menschen waren verunsichert, hatten Angst, kamen mit der häuslichen Situation nicht klar“, hat Josephine Bialas beobachtet. Dem habe man mit besonderen Angeboten Rechnung getragen. Trotz der anfänglichen Schließung für die Öffentlichkeit sei die Arbeit im Storp 9 weitergegangen.

Das Team muss sich neuen Herausforderungen stellen

„Das sind neue Herausforderungen, denen man sich stellen muss. Es macht aber auch Spaß, neue Wege zu finden“, sagt die Leiterin. Die Sozialpädagogin, die aus Polen stammt und seit über 30 Jahren in Deutschland lebt, hatte die Leitung des Zentrums vor fünf Jahren übernommen.

Das Südostviertel ist vom Zusammenleben von Menschen aus vielen unterschiedlichen Nationen geprägt. Danach richten sich auch die Angebote im Storp 9. „Als im Frühjahr die Schulen geschlossen und die Kinder auf einmal zu Hause waren, haben wir nicht nur mit Bastelanleitungen für Beschäftigung gesorgt. Viele Eltern waren mit den Aufgaben, die die Schulkinder zu Hause erledigen sollten, überfordert, auch weil sie sie aufgrund schlechter Sprachkenntnisse oft nicht verstanden haben“, sagt Josephine Bialas.

Anrufe bei den Familien gehörten zur Kontaktpflege

Die Bastelanleitungen habe man in Umschläge verpackt und einmal in der Woche verteilt, zweimal in der Woche habe man die Familien angerufen, um den Kontakt zu halten und die Menschen in der schwierigen Phase zu beruhigen. Teils hätten die Mitarbeiter über Skype mit den Familien kommuniziert. „Viele haben sich anfangs ja gar nicht aus dem Haus getraut“, so Josephine Bialas.

Um einen Großteil der Honorarkräfte, die angesichts des stark einschränkten Angebots erst einmal keine Aufgabe mehr hatten, halten zu können, habe man im Frühjahr Masken genäht und verschenkt. Nach den Lockerungen sei wieder mehr möglich im Storp 9. „Wir haben ein Hygiene-Konzept vorgelegt, nach dem wir derzeit arbeiten. Offene Kinder- und Jugendarbeit geht aber nach wie vor nicht, weil dann junge Besucher aus verschiedenen Schulen zusammenkommen und die Auswirkungen einer möglichen Corona-Infektion womöglich weite Kreise ziehen würden.“

Für die Allbau-Sprechstunde ist eine Terminabsprache erforderlich

Wieder aufgenommen worden sei dagegen die Hartz-IV-Beratung, zu der keine Anmeldung erforderlich sei, aber in einer möglichen Warteschlange die Corona-Abstände eingehalten werden müssten. Für die Allbau-Sprechstunde müsse man sich allerdings vorher einen Termin geben lassen. Obwohl vieles im eingeschränkten Rahmen wieder funktioniere, sei es nicht dasselbe wie vorher, zumal im gesamten Gebäude Masken getragen werden müssten. „Letzte Woche waren an einem Tag mal 40 Leute da, aber früher haben manchmal 100 Besucher pro Tag unsere Angebote genutzt“, sagt Josephine Bialas.

Wieder angeboten würden auch die internationale und die arabische Frauengruppe, der Nähkurs für Frauen und Kinder, der Montagstreff und Sprachkurse, allerdings ohne Kinderbetreuung. „Der Seniorenclub 60 plus ist derzeit auf zwei Leute geschrumpft und sucht dringend neue Mitglieder“, so die Leiterin. Auf jeden Fall laufe die Einzelförderung mit Hausaufgabenhilfe, Spiel- und Bastelmöglichkeiten weiter, bei der sich eine Honorarkraft um ein Kind beziehungsweise höchstens zwei Kinder kümmere, die dann aber von derselben Schule kommen müssten.

Die Angebote in den Herbstferien fallen aus

Die sonst so beliebten Angebote in den Herbstferien würden in diesem Jahr ausfallen. Das Allbau-Repair-Café finde wieder statt, aber ohne Publikum. Die defekten Dinge, vom Toaster bis zum Mixer, müssten im Vorfeld abgegeben werden, die Besitzer würden dann telefonisch über den Stand der Reparatur informiert. Josephine Bialas: „Man merkt schon, dass viele das Repair-Café eigentlich zur Kontaktpflege und Unterhaltung genutzt haben und nicht nur das defekte Gerät reparieren lassen wollten. Die Gespräche vor Ort fallen ja aktuell leider weg.“

Für den Advent plane man eine Aktion unter dem Motto „Storp unterwegs“. Einmal in der Woche sollen dann Aktionen, zum Beispiel mit Musik oder einer Lichtershow, stattfinden, die die Menschen im Südostviertel an den Fenstern oder auf den Balkonen verfolgen könnten.

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