Kommentar

Wie das Stadtwerke-Maskottchen der AfD zum Opfer fiel

Frank Stenglein über die Maskottchen-Affäre der Essener Stadtwerke.

Frank Stenglein über die Maskottchen-Affäre der Essener Stadtwerke.

Essen.   Zuspitzung im Essener Maskottchen-Skandal: Die Stadtwerke wollen Werbefigur „Karlo“ entlassen. Die politische Belastung ist nicht mehr zu heilen.

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Zehn Tage noch bis zur Bundestagswahl – das erklärt so manche Aufgeregtheit, bei der häufig Skandalträchtiges über die AfD im Mittelpunkt steht. Dass sogar das ausnehmend harmlose Maskottchen der Essener Stadtwerke der unheimlichen Macht dieser Partei zum Opfer fallen würde, hatte aber wohl bis jetzt keiner auf der Rechnung.

Man muss den Hergang der ganzen Geschichte noch mal erzählen: Essens AfD-Chef Stefan Keuter machte sich einen Spaß daraus, das Werbe-Maskottchen der Stadtwerke für seine Zwecke einzuspannen, als er „Karlo“ zufällig auf dem Heisinger Wottelfest sah. Der arme Mensch im Innern des Maskottchens, der den AfD-Bundestagskandidaten vermutlich gar nicht kannte, hob routinemäßig für Keuter den Daumen – da machte es auch schon „Klick“, und Karlo hatte ein Problem.

Die Stadtwerke setzten Anwälte in Marsch, um ihre Werbefigur von der fotografischen AfD-Nähe zu befreien, was schon mal reichlich übertrieben war, weil ohne diesen Akt wahrscheinlich kaum jemand den Fall jemals zur Kenntnis genommen hätte. Und selbst wenn: was soll’s? Karlo kann nichts dafür, AfD-Sympathien ist er unverdächtig. Die Stadtwerke übrigens auch.

Die renommierte, bestimmt auch nicht billige Kanzlei erkämpfte dem Unternehmen mittlerweile einen ersten juristischen Erfolg, wobei die Hauptverhandlung noch abzuwarten bleibt. Aber ach, die politische Kontaminierung ist nun schon zu groß. Karlo darf nicht mehr für die Stadtwerke werben. Karlo muss sterben.

Man kann sich lebhaft vorstellen, wie AfD-Keuter zurzeit das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht kriegt. Und der Stadtwerke-Vorstand merkt anscheinend immer noch nicht, wie er sich gnadenlos der Lächerlichkeit preisgibt. Man fragt sich manchmal, was eigentlich los ist in diesem Land. Freiheit für Karlo!

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