Sozialer Dienst

Wie armen Familien per Handy-App jetzt rasch geholfen wird

Stellen die neue App „Handshake“ vor:  Werner Meys (l.) und Dieter Greese (2.vr.) von der Anneliese-Brost-Stiftung, Ludger Dohm (2.v.l.), Präsident des Rotary Clubs Essen-Süd, und Jugendamtsleiter Ulrich Engelen

Foto: Christof Köpsel

Stellen die neue App „Handshake“ vor: Werner Meys (l.) und Dieter Greese (2.vr.) von der Anneliese-Brost-Stiftung, Ludger Dohm (2.v.l.), Präsident des Rotary Clubs Essen-Süd, und Jugendamtsleiter Ulrich Engelen Foto: Christof Köpsel

Essen.   Der Club Rotary Süd und die Anneliese-Brost-Stiftung unterstützen den Sozialen Dienst mit Geld und einer neuen App – ganz unbürokratisch.

Die Mitarbeiter des Sozialen Dienstes beim Jugendamt erleben bei ihren Besuchen Tag für Tag Notsituationen und versuchen, betroffenen Familien zu helfen. „Doch manchmal kommen wir dabei an Grenzen“, sagt Jugendamtsleiter Ulrich Engelen. Vor allem immer dann, wenn es darum geht, schnell mit einer – wenn meist auch kleinen Geldsumme – zu unterstützen. Sei es, weil sich eine Familie die Winterjacke für ihr Kind nicht leisten kann oder das Geld für eine wichtige Busfahrt fehlt. „Wir reden über Probleme, die sich nicht auf ein Gesetzbuch zuschreiben lassen“, sagt Ulrich Engelen.

Für genau solche Fälle erhält der Soziale Dienst jetzt Unterstützung vom Rotary-Club Essen-Süd und der Anneliese-Brost-Stiftung. Sie haben den Mitarbeitern eine eigens entwickelte Handy-App namens „Handshake“ (deutsch: Händeschütteln) zur Verfügung gestellt, mit der das Amt Familien in Notfällen rasch Hilfe anbieten kann.

Die „Handshake“-App ist einfach zu bedienen

Die App funktioniert einfach: Der Sozialarbeiter schildert dort in kurzen Worten, warum eine Familie in eine Zwangslage geraten ist und wie viel Geld für eine Hilfe notwendig wäre. Sieben Rotarier und Stiftungsmitglieder stimmen anschließend darüber ab, ob Geld fließt. Die einfache Mehrheit zählt.

Wenn der Daumen nach oben zeigt, dann kann der Soziale Dienst mit einer EC-Karte die Summe vom Spendenkonto abheben. „Es geht um einen schnellen und unbürokratischen Weg. Jeder Euro soll ankommen“, betont Rotary-Präsident Ludger Dohm.

Ein Jahr lang lief bereits ein Test in einigen Stadtteilen. Nun wird die App im gesamten Stadtgebiet zum Einsatz kommen. Im Testjahr gab es über 40 Anfragen. „In den allermeisten Fällen haben wir zugestimmt“, sagt Dohm (siehe Infokasten unten). Meist handelte es sich um recht kleine Beträge zwischen 100 und 200 Euro. Für bedürftige Familien können das aber bedeutende Summen sein.

100 000 Euro Spenden für fünf Jahre

10 000 Euro geben die 83 Mitglieder des Rotary Clubs Süd pro Jahr in den Spendentopf. Die Anneliese-Brost-Stiftung legt auf jeden Euro noch einen drauf. So sollen in den kommenden fünf Jahren insgesamt 100 000 Euro zur Verfügung stehen. Stiftungsvorstand Dieter Greese wünscht sich indes, dass sich noch mehr Unterstützer in das Projekt einbringen. „Wir schieben diese Idee jedenfalls gerne mit an.“ Die Rotarier indes werben dafür, dass Clubs in anderen Städten die Idee aufgreifen. „Wir würden die App anderen kostenfrei zur Verfügung stellen“, sagt Kay Mühlenbruch, der die App entwickelt hat. „Dieses Beispiel sollte in ganz Deutschland Schule machen.“

Ulrich Engelen erlebt indes, dass die Hilfe-App seine 150 Mitarbeiter im Sozialen Dienst in ihrer Arbeit motiviert. Denn seit es die Hartz-IV-Gesetze gibt, seien ihre Entscheidungsspielräume „gleich Null“. Das Geld der Rotarier und der Anneliese-Brost-Stiftung hingegen öffnet Türen, die für die Betroffenen bislang verschlossen waren.

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