Klima

Wetterfrösche schauen auf eine Messstation in Essen

„Essen für das Ruhrgebiet“, das war schon das Motto für die Kulturhauptstadt 2010. Bei der Wetterforschung wird das wahrscheinlich bald wieder aufleben.

Foto: Ulrich von Born

„Essen für das Ruhrgebiet“, das war schon das Motto für die Kulturhauptstadt 2010. Bei der Wetterforschung wird das wahrscheinlich bald wieder aufleben. Foto: Ulrich von Born

Essen-Südviertel.  Eine Wetterstation in Essen könnte bald Referenzwerte für das gesamte Ruhrgebiet liefern. Deutscher Wetterdienst testete Standort ein Jahr lang.

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An manchen Tagen liegen knapp zehn Grad zwischen den Temperaturen in Stadtzentren und denen im Umland. Zehn Grad Celsius. „Ob das jetzt dramatisch ist, ist eine Frage der Auslegung“, sagt Guido Halbig. Er leitet die Essener Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Bewertung der Hitzeentwicklung überlässt er anderen. Und damit die Wissenschaftler arbeiten können, schauen sie eben nach Essen: An der Freiheit liefert seit einem Jahr eine provisorische Wetterstation Messwerte. Der Standort im Südviertel könnte bald die gesamte Region repräsentieren.

„Uns geht es darum zu zeigen, wie groß der Wärmeinseleffekt in Städten ist. Also die maximale Temperaturdifferenz zwischen Innenstadt und Umland“, erklärt Halbig. Rund 20 Stationen wurden deshalb testweise in mehreren Städten aufgebaut. Der Ausleseprozess des DWD dauerte fast ein Jahr. „Wir haben die Stationen verglichen, und es gab immer ganz viele Argumente gegen die Standorte“, sagt Halbig. In Köln beispielsweise wollte man in der Nähe des Doms messen, „da ist aber eine Wiesenfläche mit Jahrmarkt“, das hätte die Werte verfälschen können.

Endgültige Station soll noch mehr Daten liefern

Hinterm Essener Hauptbahnhof gibt es keinen Jahrmarkt, und auch sonst spricht offenbar wenig gegen den Standort. Dabei hatte man an dieser Stelle sogar Schäden durch Vandalismus befürchtet. „In Stuttgart wurde uns eine Station niedergemacht, aber hier hatten wir Glück.“ Halbig ist zuversichtlich, dass die provisorische Messstelle auf der Verkehrsinsel ihren festen Platz finden wird. „Es gibt die Tendenz, dass wir den Standort gerne hätten. Jetzt müssen wir noch mal eine endgültige fachliche Entscheidung treffen“, und damit an die Stadt herantreten, die schließlich auch noch zustimmen muss. „Wenn das alles gut läuft, würden wir im DWD die Planung anstoßen – das kostet ja auch Geld.“

Noch in diesem Jahr möchten sich die Wetterexperten festlegen. Wenn ein Vertrag mit der Verwaltung geschlossen wird, wird ein ordentliches Fundament gegossen und darauf noch mehr Messtechnik installiert: „Im Moment messen wir nur Temperatur, Feuchte und Wind“, sagt Halbig. Das Messen der Sonnenstrahlung und des Niederschlags würden die Station komplett machen. Die Daten können in ein Hitzewarnsystem fließen, Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt und öffentlich im Internet bereitgestellt werden. „Alle zehn Minuten ein Messwert. Wer sich auskennt, kann es statistisch auswerten.“

Ihren wahren Nutzen spielt die Station im Südviertel aber erst aus, wenn ihre Werte mit denen eines repräsentativen Standorts im Umland verglichen werden. Wo diese Anlage stehen wird, kann der Essener DWD-Leiter noch nicht sagen. An der noch andauernden Kirmessaison liegt das aber nicht.

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