Essener Stadtteile (22)

Werden ist geprägt von Altstadt, Ruhr und viel Verkehr

Das Panorama Werdens mit der Gustav-Heinemann-Brücke, die über die Ruhr führt, und der Basilika St. Ludgerus, unverkennbar in der Bildmitte.

Das Panorama Werdens mit der Gustav-Heinemann-Brücke, die über die Ruhr führt, und der Basilika St. Ludgerus, unverkennbar in der Bildmitte.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.  Essen-Werden hat seine Chance begriffen und nutzt mehr und mehr die Lage am Fluss. Folge 22 unserer Stadtteil-Serie „60 Minuten in...“.

Vor dem Eiscafè Dolce Vita an der Grafenstraße sitzt der Mann mit dem schwarzen Hund. Die beiden sind Stammgäste, bieten ein gewohntes Bild. So wie vieles in Werden (zur Bildergalerie) eine gemütliche Beständigkeit hat. Schüler des Werdener Gymnasiums haben eine Freistunde. In Grüppchen gehen sie durch die Altstadt. Kakao oder Kaffee, ein belegtes Brötchen.

Auf dem Platz vor dem Werdener Rathaus sind wir mit Hanslothar Kranz verabredet. Für ihn ist das Schaulaufen. Der 80-jährige CDU-Politiker ist der heimliche Bürgermeister des Stadtteils. Seit ewigen Zeiten Vorsitzender des Ortsverbandes, war er Bezirksvorsteher, Bezirksbürgermeister, Ratsherr. Und ist immer noch Mitglied der Bezirksvertretung. Mit äußerst eigener Meinung und einer unverbrüchlichen Liebe zu Werden. Ob wir denn wüssten, dass Werden 50 Jahre älter ist als Essen?

„Hier gibt es noch einen großen Zusammenhalt“

1944 kam er mit seinen Eltern in den Stadtteil. Aus Holsterhausen. „Der Krieg hatte uns alles genommen. Wir haben in der Straße Im Hesgarten gewohnt. Werden war damals wunderschön. Ist es auch heute noch. Nur anders. Hier wurde viel gebaut, und ich habe alle relevanten Grundsteine gelegt“.

Er grüßt, bleibt stehen, schüttelt Hände, erkundigt sich. „Hier gibt es noch einen großen Zusammenhalt. Man kümmert sich umeinander. Nicht mehr so wie früher“. Und da ist es wieder. Nur anders.

Verkehrskonzept liegt auf dem Tisch

„Damals wurden drei Stadtteile grundlegend saniert. Borbeck, Steele und Werden. In Borbeck und Steele war es eine reine Flächensanierung. Da sind ganze Straßenzüge abgerissen worden. Wir hatten Glück.“ In Werden setzte man auf Einzelsanierung, und so sind besonders in Brück- und Heckstraße historische Gebäude erhalten geblieben. Auch in der Wigstraße hat sich im Straßenprofil nichts geändert.

Verändert hat sich das Verkehrsaufkommen. Wie überall. Werden sucht nach Lösungen. Erhöhte Feinstaubbelastung in der Brückstraße, die viel befahrene L 224 zerschneidet den Ortskern. Ein Verkehrskonzept liegt auf dem Tisch. Doch daran scheiden sich die Geister. Hanslothar Kranz ist dagegen. „Der Norden des Stadtteils wird profitieren, der Süden leiden.“

Kirchen prägen Panorama und Leben

Der Norden – das sind primär die Grafen- und Brückstraße und die Hufergasse. Werdens Einkaufszentrum mit feinem Altstadtflair. Viele kleine Fachgeschäfte, beim kleinsten Sonnenstrahl belebt durch die Menschen, die vor den Restaurants und Cafés sitzen. Hanslothar Kranz muss weiter Hände schütteln. Wir ziehen uns in eines der Cafés zurück. Eine waddische Appeltat gefällig? Lieben Dank, aber für ein Frühstück dann doch zu üppig.

Was mag er an Werden? Die Kirchen, die das Panorama prägen. St. Ludgerus, die Evangelische Kirche, die Luciuskirche. Die Gemeinden sind in Werden omnipräsent. Und „die Ökumene hat hier einen hohen Stellenwert“. Tradition ist gut und wichtig, aber sie kommt nicht verstaubt daher, sondern liebenswert. Abends gibt es Live-Musik in Kneipen. Auch nicht mehr so viele wie früher, aber immerhin.

Schönes Werdener Ruhrufer

Und was mag er noch? „Dass wir so einen wunderschönen neuen Sportplatz haben.“ Dafür hat er sich eingesetzt und für die Bebauung der Grünen Harfe. „Was bin ich dafür beschimpft worden. Aber so ist Politik eben“.