Betäubungsmittel

Wenn K.-o.-Tropfen das jähe Ende einer schönen Fete bedeuten

Über die Gefahren durch K.-o-Tropfen sprach Melanie Kessenich von der Frauenberatungsstelle „Frauen helfen Frauen“ vor Frauen der SPD in Frohnhausen.

Über die Gefahren durch K.-o-Tropfen sprach Melanie Kessenich von der Frauenberatungsstelle „Frauen helfen Frauen“ vor Frauen der SPD in Frohnhausen.

Foto: Stefan Arend

Melanie Kessenich von der Frauenberatungsstelle „Frauen helfen Frauen“ berichtet über die Gefahren durch K.-o.-Tropfen bei ausgelassenen Feiern.

Melanie Kessenich von der Frauenberatungsstelle „Frauen helfen Frauen" in Rüttenscheid hält zwei bunte Postkarten in die Höhe. So poppig die Karten, so ernst ist das Thema, über das sie auf Einladung der SPD-Frauen in Frohnhausen spricht: K.-o.-Tropfen.

„Wenn ich heute Abend von Tätern spreche, spreche ich von Männern, wenn ich von Opfern spreche, sprechen ich von Frauen", sagt Melanie Kessenich einleitend. Das sei ihr Beratungsalltag. Es bedeute aber nicht, dass Männer nicht Opfer sein können, zumal es nicht immer um sexuelle Straftaten, sondern zum Beispiel auch um Raub gehen könne.

Alkohol verstärkt die Wirkung der Tropfen

Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) und Gamma-Butyro-Lacton (GBL) seien die bekanntesten Mittel – geschmacklos und farblos. Bei geringer Dosis wirken sie stimulierend, teils sogar aphrodisierend. Ein gewisser Kontrollverlust ist aber auch hier schon zu verzeichnen. Alkohol verstärkt die Wirkung. Je größer die Dosis der K.-o.-Tropfen, desto größer der Kontrollverlust. Viele Opfer können sich nachher nicht mehr an das Geschehen erinnern.

Beispiele aus der Praxis unterstreichen den Vortrag

Melanie Kessenich ist keine Party-Gegnerin. Sie redet dem aufmerksamen Feiern das Wort. Was Unachtsamkeit und Leichtsinn für Folgen haben können, macht sie an drei Beispielen aus der Praxis deutlich. Da ist die 45-Jährige, die gern tanzen geht. Unter der Wirkung von K-.o.-Tropfen wird sie auf dem Gang zur Toilette angerempelt und vermisst später ihr teures Handy. Oder die 16-jährige Volleyballerin, die ausgelassen auf der Vereinsfahrt feiert und nicht weiß, wie es dazu kam, dass sie ohne Jeans am frühen Morgen am Lagerfeuer aufwacht. Und dann ist da noch die 28-Jährige, die gern tanzt und flirtet. Sie lässt einen Typen abblitzen. Der betäubt sie mit K.-o.-Tropfen und vergewaltigt sie.

Melanie Kessenich arbeitet seit drei Jahren hauptberuflich für die Frauenberatung. Zu Anfang sei die bekannt gewordene Zahl von K.-o.-Opfern in Essen im Jahr einstellig gewesen. Zuletzt dann zweistellig, wenn auch im unteren Bereich.

Opfer gehen aus Scham nicht zur Polizei

„Die Opfer gehen oft aus Scham nicht zur Polizei", erzählt Melanie Kessenich. Dabei sei eine schnelle Meldung wichtig, um K.-o.-Tropfen nachweisen zu können. Sechs bis acht Stunden lässt sich der Stoff im Blut nachweisen, 12 bis 14 im Urin. Länger ist er noch in Haaren zu finden. Doch diese Methode sei aufwändig und teuer.

Einen hundertprozentigen Schutz gebe es nicht, sagt Kessenich. Es gibt aber technische Mittel, die zum Beispiel das Abfüllen der Tropfen in Flaschen erschwert. „Ebenso wichtig ist aber, dass Freundinnen auf Feiern aufeinander acht geben und bei Auffälligkeiten sofort reagieren", sagt Melanie Kessenich.

Karneval sollen Feiernde besonders aufmerksam sein

Karneval ist eine Zeit, in der K.-o.-Tropfen natürlich ein Thema seien, hält Melanie Kessenich fest. Aber nicht nur auf großen Partys sollte man achtsam sein, denn auch beim Feiern im privaten Umfeld gebe es Opfer von K.-o.-Tropfen.

Kontakt: Frauenberatungsstelle: Tel.: 78 65 68. Internet: frauenberatung-essen.de

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