Stadtgeschichte

Weltkriegs-Bunker auf Krupp-Areal in Essen wird Denkmal

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Der ehemalige Krupp-Bunker am Donnerstag, 04. November 2021 an der Frohnhauser Str. in Essen. Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Der ehemalige Krupp-Bunker am Donnerstag, 04. November 2021 an der Frohnhauser Str. in Essen. Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Der Bunker zählt zu den wenigen gut erhaltenen Schutzanlagen auf dem Krupp-Areal in Essen. So sieht es in dem Bunker aus.

Die Beschuss-Spuren sind heute noch zu sehen. Der meterdicke Beton hielt stand. Aber was mögen diejenigen empfunden haben, die hier vor den Luftangriffen Schutz suchten, in dem Moment als Bomben den Bunker trafen? Vermutlich fürchten sie um ihr Leben. Noch 70 Jahre danach wirkt die Szenerie gespenstisch.

Der grope Bunker im Krupp-Gürtel unweit des Berthold-Beitz-Boulevards ist eine der wenigen erhaltenen Schutzanlagen auf dem riesigen Gelände der ehemaligen Krupp-Fabriken, die spätestens ab 1943 immer wieder Ziel von Luftangriffen waren. Andere Anlagen, die von der Stadtarchäologie in den vergangenen Jahrzehnten wiederentdeckt wurden, waren in einem schlechteren Zustand. Sie sind dokumentiert, aber im Zuge der anhaltenden Bauarbeiten auf dem Areal inzwischen oft verschwunden.

Dieser Bunker aber soll der Nachwelt erhalten bleiben. Als „ein Zeitdokument für die Erfordernisse menschlichen Überlebens in Zeiten eines umfassenden Krieges“ wird das Objekt unter Denkmalschutz gestellt, wie es in der dazugehörigen Akte heißt.

„Schutzraum nur mit Genehmigung des Ordners verlassen“

Der zugemauerte Bunkereingang ist aufgebrochen, hinab in die dunklen Schutzräume geht es über Schutt und Steine. Im Schein der Taschenlampen wird die Vergangenheit lebendig. Massive Stahltüren mit der Aufschrift „Fried. Krupp“ stehen weit offen, als sei gerade jemand hindurchgegangen. An den Wänden stehen Verhaltensregeln in schwarzer Druckschrift: „Alle Anweisungen des Ordners schnell und genau befolgen“, heißt es da. „Schutzraum nur mit Genehmigung des Ordners verlassen.“ Und: „Kein lautes Rufen.“ Mahnt ahnt, unter welch panischer Angst die Menschen gelitten haben müssen, die sich hierhin flüchten konnten.

Der 26 mal 11 Meter große Bunker wurde wahrscheinlich in den frühen 1940er Jahren gebaut. Die Industrieproduktion wurde in dieser Zeit mehr und mehr auf Rüstungsgüter umgestellt, auch in den kruppschen Fabriken. Zum Schutz der Betriebsangehörigen entstand nach und nach ein dichtes Netz an Luftschutzeinrichtungen, über das laut Denkmalpflege nur wenig bekannt ist.

Der Bunker gehört laut Denkmalakte zu den seltenen, bekannten und noch erhaltenen Belegen des Werkschutzes der Firma Krupp. Errichtet wurde der massive Klotz unmittelbar neben einem Eisenbahntunnel. Die Gleise verbanden einst das nördliche Krupp-Areal mit dem südlich der Schederhofstraße gelegenen Werksgelände. Im Norden standen die Lokomotiven- und Waggonbaufabrik mit den Maschinenbauhallen M1, M2 und M3 und die werkseigene Eisenbahn. Im Süden war die Betriebsfeuerwehr untergebracht, dort befanden sich außerdem Werkstätten und eine Gießerei. Der Eisenbahntunnel wurde laut Denkmalbehörde vermutlich in den 1920er Jahren gebaut und bis 1945 genutzt.

Laut Denkmalbehörde ist es wahrscheinlich, dass neben dem Werkspersonal auch Lokführer in dem Bunker Schutz fanden. Ihren Zug konnten sie in dem Tunnel abstellen, über einen gesonderten Eingang gelangten sie in die unteren Schutzräume. Der Zugang dorthin ist heute verschlossen und nicht zugänglich. Auf Aufnahmen, die Hobbyfotografen vor einigen geschossen haben, sind auch sie zu sehen. Ja, obwohl wenig über den Bunker bekannt ist, lockte er schon in der Vergangenheit Neugierige an. Auch wenn das Betreten verboten ist.

Auch nach Ende des Krieges wurde der Bunker noch genutzt, zuletzt als Lagerraum. Endgültig verschlossen wurden die Schutzräume vermutlich in den 1970er Jahren. Zurück blieb die Innenausstattung, darunter Not-Toiletten, Elektroleitungen, Belüftungssysteme und die bis heute weitgehend erhaltenen Sitzbänke, auf denen die Schutzsuchenden während der Bombardierungen ausharrten.

Der Nachwelt soll der Bunker als Bodendenkmal erhalten bleiben. Wie es heißt, wird der Eingang wieder verschlossen. Seinen einstigen Zweck hat das Bauwerk erfüllt. Da der Bunker noch erhalten ist, könne davon ausgegangen werden, dass „die hier einsitzenden Menschen überlebt haben“, heißt es in der Denkmalakte. Vielen anderen, die es in den nächsten Bunker nicht rechtzeitig schafften, oder die sich in Keller ihrer Wohnhäuser flüchteten, war dieses Glück nicht vergönnt.

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