Absage an AfD

Welterbe-Areal Zollverein bleibt auch künftig AfD-freie Zone

Hüben die einen, drüben die anderen, und dazwischen die Polizei, um Schlimmeres zu verhindern: Genau dieses Szenario – hier beim Landtagswahlkampf-Auftakt der AfD im April 2017 – will die Stiftung dem Welterbe-Standort Zollverein ersparen.

Hüben die einen, drüben die anderen, und dazwischen die Polizei, um Schlimmeres zu verhindern: Genau dieses Szenario – hier beim Landtagswahlkampf-Auftakt der AfD im April 2017 – will die Stiftung dem Welterbe-Standort Zollverein ersparen.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Aus Sorge vor Gewalt und Graffiti betont Zollverein: „Stark polarisierende Veranstaltungen“ wie die der AfD wird’s dort auch künftig nicht geben.

Nach ihrer Absage des geplanten „Tanz in den Mai“ unter blau-roter AfD-Flagge findet sich die Stiftung Zollverein plötzlich zwischen allen Stühlen wieder. Denn nicht nur die „Alternative für Deutschland“ ist genervt, weil sie sich auf dem Gelände des Weltkulturerbes nicht treffen darf. Auch das gegnerische Lager verdreht die Augen darüber, dass vermeintlich gewaltbereite Gegendemonstranten als „Ausrede“ für die Absage herhalten müssen.

Die Stiftung aber steht dazu – und macht deutlich, dass Zollverein wohl auch künftig AfD-freie Zone bleiben wird. Nicht etwa aus politischen Gründen, sondern weil man um die Unversehrtheit des Weltkulturerbes fürchtet. Die Zauberformel, die dafür gefunden wurde, lautet „stark polarisierende Veranstaltung“.

Keinerlei Stelldichein mit hohem Konflikt-Potenzial

Für solcherlei Stelldicheins mag man das Welterbe-Gelände einfach nicht hergeben: aus Sorge vor Graffiti-Schmierereien, Sachbeschädigungen oder einem „Szenario mit zahlreichen, evtl. sogar gewaltbereiten Gegendemonstranten und daraus resultierenden Polizeieinsätzen“. Das gelte prinzipiell für alle Zusammentreffen „mit derart hohem Konfliktpotenzial“, heißt es, nicht allein für die AfD, auch wenn man sich dort an vergleichbare Absagen nicht erinnern kann. Bei der Stiftung Zollverein beruft man sich auf den eigenen satzungsgemäßen Auftrag wie auch auf die Welterbekonvention, nach der man „verpflichtet (ist), jedweden Schaden von dem Denkmal Zollverein, das zum Welterbe der Menschheit gehört, fernzuhalten“.

Dass diese Sorge nicht ganz unbegründet ist, bestätigt immerhin die Polizei: „Eine Partei, die politisch so polarisiert, wie die AfD wird sicher Gegendemos mobilisieren“ schätzt Pressesprecherin Annika Koenig, und angesichts aufgeheizter Gemüter könne man Randale oder zumindest Schäden im Gelände „nicht ausschließen“.

Eingeschlagene Scheiben als mahnendes Beispiel

Bei der Stiftung Zollverein hatte man sogar ein konkretes Beispiel vor Augen – die Bilder der eingeschlagenen Autoscheiben und vollgesprühten Hauswand samt Garagentor von AfD-Frontmann Guido Reil in Karnap: „Das ist es, was wir fürchten“, erst recht, weil das weitläufige Welterbe-Gelände unübersichtlich und schwer zu sichern sei.

Dass obendrein der Zugang zur Wasserhaltung am Doppelbock rund um die Uhr gewährleistet sein muss und mögliche Demo-Absperrungen einen Benefiz-Lauf am 1. Mai auf Zollverein torpediert hätten, komme erschwerend hinzu.

Und so wird der Streit zwischen der AfD und ihren Gegnern andernorts ausgetragen: Vielleicht auf der Mai-Demo, von der IG Bau-Sekretär Peter Köster sagt, man werde „Provokationsabsichten“ der AfD und Guido Reils „nicht zulassen“. Und noch mag die Polizei nicht preisgeben, wie sie mit Drohungen wie dieser umgeht:

„Es wird Torten geben.“

>>> WOZU DAS „WELTERBE“ VERPFLICHTET

In 38 Artikel regelt das im Herbst 1972 in Paris auf einer Unesco-Generalkonferenz verabschiedete „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“ den Umgang mit Welterbe-Stätten.

Darin verpflichtet sich jeder Vertragsstaat „alle vorsätzlichen Maßnahmen zu unterlassen, die das (...) Kultur- und Naturerbe mittelbar oder unmittelbar schädigen könnten“, um so das Erbe aller Völker der Welt zu wahren.

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