Weihnachtsmarkt

Weihnachtsmarkt Essen: Lieber Betonsperren als Zupollern

Wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Kult-Spielzeug werden die Betonsperren auf dem Essener Weihnachtsmarkt auch „Legosteine“ genannt. Letztes Jahr kostete ihr Einsatz die Stadt 150.000 Euro.

Wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Kult-Spielzeug werden die Betonsperren auf dem Essener Weihnachtsmarkt auch „Legosteine“ genannt. Letztes Jahr kostete ihr Einsatz die Stadt 150.000 Euro.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Ordnungsdezernent setzt zur Terrorabwehr auf dem Weihnachtsmarkt vorerst auf Betonsperren. Private Sicherheitsdienste könnten Polizei entlasten.

Sie sind kostspielig, unansehnlich und trotzdem vorläufig unverzichtbar bei Massen-Veranstaltungen wie dem 46. Internationalen Weihnachtsmarkt. Um die Besucher des Budenzaubers vor Lkw-Anschlägen zu schützen, werden vom 16. November bis 23. Dezember erneut mehrere Dutzend Terrorsperren aufgestellt: Bis zu 2,5 Tonnen schwere Klötze, die wegen ihrer markanten Form „Legosteine“ genannt werden.

„Wir arbeiten an einer dynamischen und nachhaltigen Sicherheitsstrategie, können aber dieses Jahr noch nicht auf die Betonquader verzichten“, sagt Ordnungsdezernent Christian Kromberg. Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr kamen beim Weihnachtsmarkt 72 dieser „Legosteine“ zum Einsatz.

Andere Städte – wie etwa Duisburg – setzen auf hydraulische versenkbare Poller. Eine Investition, die die Nachbarstadt mehr als vier Millionen Euro kostet – und in Essen eindeutig verworfen wird. „Präventionsmaßnahmen gegen terroristische Aktivitäten zum Schutz des öffentlichen Raumes dürfen sich nicht im ‘Zupollern’ unserer Städte erschöpfen“, zitiert Kromberg das Thesenpapier des Gesprächskreises Innere Sicherheit NRW, das Innenminister Herbert Reul auf der 1. Essener Sicherheitskonferenz im Juni übergeben wurde. Poller, heißt es darin, machten deine Stadt nicht schöner.

Zufahrtschutz ist auch durch Bänke, Haltestellen und Fahrradständen möglich

Bedenken gegen Betonsperren werden genährt durch verschiedene Versuche. Im Falle eines Anschlags könnten diese Sperren „die Opferzahlen sogar zusätzlich noch erhöhen“.

Anstelle der teuren und Personal aufwändigen „Legosteine“ bzw. Poller regt Essen an, „nachhaltige städtebauliche, landschaftsarchitektonische sowie digitale, smarte Lösungen in Modellversuchen“ zu entwickeln. Haltestellen, Bänke, Fahrradständer und Litfaßsäulen – lauter Elemente der so genannten Stadtmöblierung – sollten im Bereich des Zufahrtschutzes für Plätze und belebte Straßen den einfachen Sperren vorgezogen werden.

Die Innenstadt einer Großstadt wie Essen sicher zu machen, ist für den Ordnungsdezernenten nach den Anschlägen von Nizza, Berlin und Barcelona eine komplexe Herausforderung. Kromberg verspricht sich vom Einsatz „optisch-elektronischer Sicherheitstechnologie“ eine neue und vorbeugende Form der Terrorabwehr. Spezielle Videokameras könnten potenzielle Terroristen beider Erkundung von Anschlagsorten im Vorfeld oder unmittelbar vor der Tat erkennen und an der Ausführung hindern.

Dieter Groppe, Geschäftsführer des Weihnachtsmarkt-Veranstalters Essen Marketing (EMG), begrüßt den Einsatz patrouillierender Polizisten auf dem Weihnachtsmarkt. „Das gibt ein Gefühl der Sicherheit.“ Die Kehrseite der Medaille: Noch mehr Aufgaben für die Polizei führen zu noch mehr Überstunden. Deshalb regt der Arbeitskreis Sicherheit an, die Polizei durch den Einsatz „qualifizierte private Sicherheitsdienste wirkungsvoll zu entlasten.

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