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Was Opel-Fans in Essen zum Verkauf der Marke an PSA sagen

Michael Podday vom Vorstand des Vereins „Opel MSC Essen“ lehnt an einem der Vorzeige-Autos des Clubs: Ein Opel Ascona A von 1971. Es gehört dem Vereinsgründer Volker Diedrichs. Der fuhr damit früher Rennen.

Michael Podday vom Vorstand des Vereins „Opel MSC Essen“ lehnt an einem der Vorzeige-Autos des Clubs: Ein Opel Ascona A von 1971. Es gehört dem Vereinsgründer Volker Diedrichs. Der fuhr damit früher Rennen.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Besuch beim Verein „Opel MSC Essen“: 50 Fans pflegen den Opel-Kult. „Für uns bleibt Opel eine deutsche Marke.“ Aber es gibt Grund zur Sorge.

Nein, im Clubheim des Vereins „Opel MSC Essen“ wird es demnächst keinen Rotwein und Baguette geben, sondern weiter Stauder-Bier und Radler. „Für uns ist und bleibt Opel eine deutsche Marke“, sagt Michael Podday (47) vom Vorstand des Clubs, den es seit 1983 gibt. „MSC“ steht für „Motorsportclub“, und Podday räumt ein: „Das mit dem Motorsport stimmt heute nicht mehr so ganz, das kann sich kaum noch einer leisten.“

Der Verein fing in einer Frillendorfer Garage an und sitzt seit 17 Jahren in einer geräumigen Werkhalle an der Eleonorastraße in Bergerhausen. 50 Mitglieder gibt es derzeit, jeden ersten Samstag ist Club-Treff ab mittags, „dann kann man hier schrauben und klönen, so wie man Lust hat.“ Einige Club-Mitglieder haben ihre Fahrzeuge hier abgestellt – teilweise dienen sie nur noch als Ersatzteillager, andere sind herausgeputzte Schönheiten im Dornröschenschlaf, werden regelmäßig für Fahrten ans Tageslicht geholt. Zum Beispiel dann, wenn Opeltreffen in der Region besucht werden.

Relikte der Rennfahrzeit stehen in voller Blüte

Eins der schönsten Fahrzeuge des Clubs ist sicher ein Ascona A, Baujahr 1971, violettmetallic, und die Motorhaube ist mit dunkler Carbon-Folie verziert. Der Wagen gehört dem Club-Gründer Volker Diedrichs, er wird hier nur „Vollar“ genannt. „Der Innenraum ist auslackiert und mit Überrollbügel versehen, das Fahrzeug ist viele Rennen gefahren“, sagt Podday. Ein historischer Schriftzug klebt auf der Heckscheibe: „Opel – der Zuverlässige.“ In der Werkshalle gibt es außerdem noch einen blutroten Manta und auf einer Werksbühne steht ein anderer Ascona aus Mitte der 70er, schneeweißer Lack und bunte Rallyestreifen.

Die Liebe zu Opel erwachte spät

Der Wagen wurde komplett entkernt und wird jetzt neu aufgebaut, „das ist genau das Modell, mit dem Walter Röhrl früher seine Rennen gefahren hat“, schwärmt Podday. „Von dem wurden gerade mal 400 Stück gebaut.“ Wenn es dem Verein heute nicht mehr so sehr um Rennsport geht – worum dann? „Um die Liebe zur Marke und den Erhalt der alten Fahrzeuge.“

Podday entdeckte seine Leidenschaft für Opel relativ spät. „Eigentlich bin ich Mitsubishi.“ Der gelernte Kfz-Mechaniker arbeitete Jahrzehnte in einer Vertragswerkstatt des japanischen Herstellers, „sowas prägt.“

„Opel steht für zuverlässige Technik.“

Doch Opel, sagt Podday, „steht für einfache und zuverlässige Technik.“ Er selbst fährt derzeit einen Astra F Cabrio, Baujahr ‘96, fuhr früher einen einfachen Corsa, „sehr leicht und wendig, der machte mir großen Spaß.“ Sein Traum? „Ein Admiral oder Diplomat zum gemütlichen Herumfahren. Man wird ja älter.“

Als Opel-Fan hat man mit den Jahren eine gewisse Leidensfähigkeit entwickelt – vor knapp zehn Jahren die Finanzkrise, die den Mutterkonzern GM voll erwischte und somit auch Opel. Die schlechten Verkaufszahlen. Unattraktive Modelle, das ruinierte Image. „Das ist aber alles sehr viel besser geworden in den letzten Jahren“, sagt Podday. Bis 2014 die Werkschließung in Bochum kam. „Das tat weh.“

Sorge um die Technik: Franzosen bauen anders

Und jetzt, wo Opel französisch wird? Wir haben die Sorge, dass die Technik nicht mehr so bleibt, wie sie ist.“ Podday sieht das ganz nüchtern, mit dem Blick des Profis: „Ich hab’ als Kfz-Mechaniker meine Erfahrung mit Franzosen gemacht.“ Die Motoren seien zwar zuverlässig, doch „sie sind oft nicht werkstattfreundlich.“ Heißt: Schrauben liegen schlecht zugänglich, und oft sind die Dinge umständlich zusammengebaut, dass für den Wechsel eines einzelnen Teils eine große Operation notwendig werde. „Die Konstruktionen sind oft nicht gut durchdacht.“

Andererseits verweist Podday auf längst bestehende Kooperationen: „Der Opel-Transporter Movano – baugleich mit Modellen von Renault und Citroën, nur jeweils mit anderen Scheinwerfern.“ Außerdem habe Opel schon lange Diesel-Motoren von PSA bei seinen Modellen eingesetzt, „denn das konnten die selber noch nie so gut.“ So gesehen: „Es hätte schlechter kommen können. Zum Beispiel mit Fiat.“

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