Bildung

Was Flüchtlingen hilft, deren Abschlüsse hier nicht zählen

Mohamed Samoura (links) und Morteza Badiee Pour planen ein Studium, nachdem sie vor wenigen Jahren nach Essen gekommen sind.

Mohamed Samoura (links) und Morteza Badiee Pour planen ein Studium, nachdem sie vor wenigen Jahren nach Essen gekommen sind.

Foto: Svenja Hanusch

Essen.   Weiterbildungskollegs bilden für qualifizierte Flüchtlinge oftmals Brücken zur Hochschule – zwei aktuelle Beispiele aus Essen.

Qualifiziert, motiviert, und doch die falschen Papiere im Gepäck: Während alle Welt einen Fachkräftemangel beklagt, arbeiten Essener Weiterbildungskollegs seit Jahren still und jenseits allen Rummels daran, dass begabten Flüchtlingen der Weg zur Uni geebnet wird.

So sind am Huttroper Ruhr-Kolleg, einem städtischen Weiterbildungskolleg, derzeit mehr als 100 Geflüchtete im Unterricht. Ihr Ziel: Fach-Abi oder Abitur – und dann, nicht selten, das Studium.

Mohamed kam mit Uni-Zertifikat

Mohamed Samoura (28) kam vor drei Jahren aus Guinea und wurde in der damaligen Flüchtlings-Unterkunft an der Tiegelstraße (Nordviertel) untergebracht. Den Bachelor-Abschluss im Fach Mathe hatte er schon in seiner Heimat absolviert – doch der wurde hier nicht anerkannt. Ebenso wenig sein Schulabschluss. „Mein Betreuer riet mir, zum Ruhr Kolleg zu gehen“, erzählt er. Dort fing er mit Deutschkursen an, absolvierte jetzt den Realschul-Abschluss – und kann im Herbst das Studium der Mathematik an der hiesigen Uni aufnehmen. „Er braucht kein Abitur, weil die Uni immer noch eine Sonderklausel hat aus Zeiten, in denen sie eine Gesamthochschule war“, berichtet Lehrerin Silke Kreft. Nur eine entsprechende Prüfung musste sein – und die bestand Samoura. Sein Ziel: „Ich will Mathe-Lehrer werden.“ So will er sich langfristig in Deutschland etablieren.

Das Abi aus dem Iran galt hier nichts

Auch Morteza Badiee Pour (30), aus dem Iran stammend, will künftig eine Hochschule besuchen: Sein Abi wurde in Deutschland nicht anerkannt, also machte er sich hier auf den Weg und besuchte zunächst Deutsch-Kurse, unter anderem in der Volkshochschule, um schließlich am Ruhr-Kolleg in Richtung Abi zu gehen. In zwei Jahren soll es so weit sein, „dann möchte ich etwas Technisches studieren, Elektrotechnik oder Maschinenbau.“

Die Unterschiede in den Bildungssystemen seien massiv, berichten die beiden Männer: „In unserem Heimatländern werden Schüler im Unterricht noch auf die Hand geschlagen, wenn sie etwas nicht wissen“, sagen sie. Der Ton sei streng, fast kasernenartig, hier gebe es viel mehr Freiheit und Liberalität. „Wir wurden hier sehr freundlich aufgenommen und sind dafür sehr dankbar.“

>> INFOS

Das Ruhr-Kolleg bietet Deutschkurse und erste Einheiten in Fächern wie Mathe oder Englisch. Regulär kann in sechs Semestern das Abi erworben werden. Ende August/Anfang September starten neue Kurse. Info unter 263640.

Mittlere Abschlüsse vermittelt die Abendrealschule Eiberg, Telefon: 88470000.

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