Sternsinger

Warum Sternsinger mancherorts nur auf Bestellung kommen

Jahr für Jahr rund um den Dreikönigstag am 6. Januar sind die Sternsinger wieder unterwegs.

Jahr für Jahr rund um den Dreikönigstag am 6. Januar sind die Sternsinger wieder unterwegs.

Foto: M. Kleinrensing

Essen.   In einigen Gemeinden haben die Sternsinger Adressenlisten und klingen bei allen Katholiken. Andernorts kommen die kleinen Könige auf Bestellung.

Sie sind als die Heiligen Drei Könige unterwegs und sammeln Geld für den guten Zweck: So einfach ist die Grundidee der Sternsinger-Aktion, bei der Jahr für Jahr Tausende Kinder an fremden Haustüren klingen. Doch ganz so fremd sind die Hausherren den kleinen Spendensammlern nicht immer: Manche von ihnen sind mit Adressen-Listen unterwegs und klingeln nur bei katholischen Haushalten. Weil der Umgang mit solchen Daten hochsensibel ist, fürchten erste Gemeinden „Probleme mit der neuen Datenschutzgrundverordnung“.

Die sensiblen Daten wurden im Tresor aufbewahrt

So steht es etwa in einer Mitteilung von St. Elisabeth in Frohnhausen, wo die Sternsinger im Januar nur noch auf ausdrückliche Bestellung kommen werden. Den Bestellzettel, auf dem die Gemeindemitglieder ihren Wunschtermin ankreuzen, können sie in der Sakristei oder im Gemeindebüro abgeben. Der Vorteil der Methode: „Sie geben uns ihre Adresse freiwillig“.

Susanne Hölper-Dittmann, die bei St. Elisabeth die Sternsinger betreut, betont, dass sie die Adressen schon immer nach allen Regeln des Datenschutzes behandelt habe. „Ich habe die Listen im Tresor aufbewahrt und später schreddern lassen.“ Die Ärztin brachte die Listen dafür zur Firma Harmuth, zu der sie auch alte Patientenakten gibt: Die Aktenvernichtung gehorche dort strikten Sicherheitsstandards und sei entsprechend zertifiziert.

Die Kirche muss die Adressenlisten verschlüsseln

Wieso die Gemeinde die Meldedaten überhaupt erhalte, kann der Sprecher des Ruhrbistums, Ulrich Lota, erklären. Es gebe zwischen den Kirchen und dem Staat Regelungen über die Abgabe der Daten: „Wir sollten ja wissen, wo Katholiken leben, um zum Beispiel Pfarrbriefe oder unser Magazin Bene an die richtigen Adressen zu senden.“

Allein auf Treu und Glauben liefert der Staat die Anschriften nicht: Es gebe eigens einen Datenschutzvertrag, betont Lota. So müssen die Adressen-Listen für den Bene-Versand verschlüsselt verschickt und anschließend vernichtet werden. Gleiches gelte für die Gemeinden, die vom Bistum Listen – etwa für die Sternsinger-Aktion – erhalten.

Manche Sternsinger klingeln aufs Geratewohl

Es komme vor, dass jemand anrufe, sich über die Bene-Zusendung ärgere und frage, wie das Bistum an seine Daten komme, „andere bestreiten sogar, katholisch zu sein“, so Lota. Von datenschutzrechtlichen Bedenken gegenüber der Sternsinger-Aktion habe er noch nie gehört. Allerdings arbeite jede Gemeinde unterschiedlich: Einige ziehen durch die Straßen und klingeln aufs Geratewohl „bei Katholiken, Protestanten, Muslimen, Buddhisten...“ Einige vertrauen längst auf das Bestellsystem.

Gegeben hat es das Bestellverfahren auch in St. Elisabeth schon früher. Und dass man nun ganz darauf setzt, habe nicht allein mit dem Datenschutz zu tun, sagt Susanne Hölper-Dittmann. Es gebe auch nicht mehr so viele Kinder, die an der Sternsinger-Aktion teilnehmen: „Wir schaffen es nicht, alle Katholiken zu besuchen.“ Aber in Zukunft alle, die sich das wünschen und den Bestellzettel ausfüllen – egal welche Konfession sie haben.

>>> HILFSAKTION VON KINDERN FÜR KINDER

Die Aktion Dreikönigs-Singen ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit. Seit Beginn im Jahr 1959 haben die Sternsinger insgesamt eine Milliarde Euro gesammelt.

Meist organisieren katholische Gemeinden das Sternsingen. Es findet aber heute auch mit evangelischen Kindern statt, zudem wächst die Zahl muslimischer und nicht-religiöser Jugendlicher

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