Kundenrechte

Warum sich eine Essener Kundin gegen Taschenkontrollen wehrt

In einem Supermarkt wurde Rita W.* aufgefordert, ihre Tasche zu öffnen.

Foto: dpa (Symbolbild)

In einem Supermarkt wurde Rita W.* aufgefordert, ihre Tasche zu öffnen. Foto: dpa (Symbolbild)

Essen.   Seit eine Kundin an der Supermarktkasse aufgefordert wurde, ihren Rucksack zu öffnen, beschäftigen sie Taschenkontrollen und Kundenrechte.

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Nur kurz ein paar Einkäufe wollte Rita W.* Ende September im Real-Markt am Porscheplatz erledigen. Doch spätestens an der Kasse war ihre Stimmung getrübt. Denn nachdem sie ihre Waren ordnungsgemäß auf das Kassenband gelegt hatte, forderte die Kassiererin sie auf, ihren Rucksack zu öffnen. „Sie wollte pro forma in meinen Rucksack gucken, das sei Anweisung von oben“, sagt Rita W.

Doch sie verweigerte den Blick in die Tasche und fühlte sich grundlos verdächtigt. „Wie kommt man sich denn da vor, wenn zig Leute um einen herum stehen und denken, dass man da wohl gerade eine Ladendiebin erwischt habe? Dabei hat man gar nichts gemacht.“

Kundin informiert sich über ihre Rechte

An der Kasse selbst ist die Situation mit der Weigerung schnell vorbei, die Kassiererin gibt sich mit der Antwort der Kundin zufrieden und scannt die Artikel. Doch das schlechte Gefühl bei Rita W. bleibt, für sie ist die Sache längst nicht erledigt. Sie informiert sich im Internet zur Gesetzeslage und Gerichtsurteilen und wendet sich damit an diese Redaktion. Ihre Hoffnung: „Vielleicht finden sich andere Kunden, die ähnlich behandelt wurden.“

Mitarbeiter dürfen nicht durchsuchen

In der Real-Pressestelle gibt man sich zu dem Fall sachlich. „Grundsätzlich“, so Pressesprecherin Alja-Claire Dufhues, sei es „unseren Kassiererinnen erlaubt, bei einem begründeten Verdacht Taschenkontrollen durchzuführen.“

Doch diese Erlaubnis ist lediglich eine interne Regelung der Warenhauskette. Denn kein Kunde ist verpflichtet, seine Tasche für einen Mitarbeiter eines Supermarkts zu öffnen, ganz gleich ob Kassenpersonal oder Ladendetektiv.

Einzelhändler setzen auf Kooperationsbereitschaft

Weil die Einzelhändler selbst keinen Anspruch auf ein Öffnen der Tasche haben, setzt man oftmals auf die Freiwilligkeit der Kunden. Dazu Dufhues: „Die meisten Kunden haben für diese Maßnahme Verständnis und lassen sich freiwillig in die Tasche oder den Rucksack schauen.“

Weigert sich ein Kunde allerdings, seine Tasche zu öffnen und besteht darüber hinaus ein dringender Diebstahlverdacht, haben die Mitarbeiter des Markts das Recht, den Kunden bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Erst die Polizei hat die Erlaubnis Taschenkontrollen bei Kunden zu erzwingen. Eine Weigerung allein, wie im Fall von Rita W., reicht dabei aber nicht für einen konkreten Verdacht.

Taschen im Auto lassen oder abgeben

Um solche Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden, hat Dufhues einen Tipp. Kunden sollten „grundsätzlich große Taschen oder Rucksäcke im Auto lassen oder am Service-Center abgeben.“ Für Rita W. in einer Hinsicht nur ein schwacher Trost: Sie hat gar kein Auto.

*Name geändert, der Redaktion bekannt.

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