Ausbildung

Warum junge Menschen Kfz-Mechatroniker werden

Mara Berndt, Andreas Fuchs und Haumand Said sind kürzlich als erfolgreiche Absolventen von der Kfz-Innung verabschiedet worden.

Mara Berndt, Andreas Fuchs und Haumand Said sind kürzlich als erfolgreiche Absolventen von der Kfz-Innung verabschiedet worden.

Foto: FUNKE Foto Services

Essen.   Drei Porträts: Mara spielte als Kind lieber mit Autos als mit Puppen, Andreas ist ein Tüftler, und Haumand kam ohne ein Wort Deutsch aus dem Irak.

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Das Berufskolleg Mitte, das Essens künftige Kfz-Mechatroniker ausbildet, hat neulich 74 Absolventen verabschiedet, davon waren genau vier Frauen. Eine ist Mara Berndt, 22 Jahre alt, sie sagt: „Ich war immer schon Papa-Kind und hab’ als Kinder lieber mit Matchbox-Autos gespielt als mit Puppen.“ Ihr Vater ist gelernter Kfz-Mechaniker, da war es für Mara Berndt irgendwie klar, in der elften Klasse ein Betriebspraktikum in der Autobranche zu machen – sie ging zur Dekra, „das gefiel mir eigentlich ganz gut.“

Ihr Traumjob heute: Prüf-Ingenieurin, das heißt, sie möchte gern mal die Tüv-Untersuchungen an Autos machen, „das ist ein sicherheitsrelevantes Thema, das liegt mir am Herzen.“ Außerdem kann sie sich nicht vorstellen, ein Leben lang als Mechanikerin an Autos herumzuschrauben: „Bei manchen Sachen fehlt einem als Frau einfach die Kraft, das fängt schon beim Reifenwechsel an einem Transporter-Fahrzeug an.“ Sie ist überzeugt: In der Kfz-Branche, einer klassischen Männer-Domäne, überlebt man als Frau nur, „wenn man absolut fachkompetent ist. Sonst wird man nicht ernst genommen.“ Nach ihrer erfolgreichen Ausbildung inklusive Zusatzqualifikation „Betriebsassistent im Handwerk“ geht Mara jetzt an die Fachhochschule: Sie studiert jetzt Maschinenbau.

Im Praktikum guten Eindruck hinterlassen

Eine erfolgreiche Bildungskarriere legt auch gerade Haumand Said (24) hin, der im April 2008 aus dem Irak kam, ohne ein Wort Deutsch, Eltern und Geschwister waren in der Heimat geblieben, doch er wollte weg vom Kriegsgeschehen, kam in Essen bei seinem Cousin unter, der beantragte erfolgreich eine Vormundschaft. Haumand kam in der Hauptschule Bärendelle unter, „in der Auffangklasse für alle, die kein Deutsch können“, und nur kurze Zeit später machte er bei einem Betriebspraktikum in einem großen Kfz-Unternehmen einen so guten Eindruck, dass er nach der Schule seine Lehre dort beginnen konnte. Am Berufskolleg hat er jetzt währenddessen nebenbei das Fach-Abi gemacht.

„Ich will staatlich geprüfter Techniker werden“, erzählt Haumand, „Fahrzeuge zu bewerten, das macht mir Spaß.“ Sein Vater hat in der Heimat einen Lkw-Verleih; in den Ferien half er oft mit, „das war immer interessant für mich.“ Echte Leidenschaft für Autos, vor allem für individuelle Konstruktionen, hat auch Andreas Fuchs, der, nebenbei bemerkt, in disem Jahr am Berufskolleg Mitte als Jahrgangs-Bester abschnitt. „Mich fasziniert vor allem die Kraft, die in Autos steckt.“

Mittlerweile studiert Fuchs Maschinenbau, sein Traumjob wäre es, in der Auto-Konstruktion unterzukommen, zum Beispiel im Wohnmobil-Bau. Auch den klassischen VW „Bulli“ findet er toll, „der hat Charakter“, auch wenn Fuchs privat, wie er schmunzelnd einräumt, einen Golf 3 fährt.

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