Winterdienst

Warum im Sommer Streufahrzeuge in Essen unterwegs sind

Fahrtrainer Kevin Loose (links) und Iskender Topal im Salzlager der EBE an der Pferdebahnstraße.

Fahrtrainer Kevin Loose (links) und Iskender Topal im Salzlager der EBE an der Pferdebahnstraße.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Mitten im Sommer sind Streufahrzeuge der Entsorgungsbetriebe in Essen unterwegs. Doch die EBE-Mitarbeiter haben sich nicht etwa verfahren.

Ganz vorsichtig fährt Iskender Topal das Streufahrzeug ins große Salzlager. Die Maschine ist ein Rechtslenker, das macht es besonders kompliziert. Mitten im Sommer sind die Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) mit den Winterdienst-Fahrzeugen unterwegs.

Doch die EBE-Mitarbeiter haben sich nicht etwa verfahren: Sie trainieren jetzt für den Winterdienst. Denn der Ernstfall bei Eis und gefährlicher Glätte auf den Straßen will geprobt sein. Rund 170 Kollegen werden in den kommenden Wochen geschult. Sie fahren normalerweise zum Beispiel Müllwagen und werden im Winter auch auf den Streufahrzeugen eingesetzt. „Das A und O ist, dass die Fahrer sich sicher fühlen, sie müssen das Fahrzeug lenken und bedienen können“, erklärt Anja Wuschof, die Leiterin des Winterdienstes.

Bei der Winterdienst-Schulung wird Fahren mit dem Rechtslenker geübt

Iskender Topal fährt eigentlich bei der Müllabfuhr. Der gelernte Kfz-Mechaniker ist noch relativ neu bei der EBE, gerade erst im ersten Jahr. Ein Streufahrzeug zu fahren sei nochmal etwas ganz anderes, sagt der 36-Jährige. „Der Rechtslenker war für mich wirklich gewöhnungsbedürftig, aber mein Lehrer Kevin Loose hat mir die Nervosität genommen“, sagt Topal. Bei manchen Streufahrzeugen handelt es sich um Rechtslenker, da sie im Sommer als Kehrmaschinen eingesetzt werden und die Fahrer dann den Bordsteinrand im Blick behalten müssen.

Die nächste Herausforderung: In dem Streufahrzeug begegnen Topal völlig neue Geräten – etwa verschiedene Streupulte. Über diese werde unter anderem gesteuert, wie viel Salz und Sole auf die Straße kommt und in welcher Streubreite das Gemisch aufgetragen wird. Eine Grundeinstellung, in der Infos für alle Straßen hinterlegt sind, sei vorprogrammiert, so Wuschof. Aber der Fahrer muss nachjustieren, wenn sich beispielsweise die Fahrbahn durch eine Baustelle verengt.

Mit 6000 Liter Sole an Bord fährt es sich ganz anders

Das größte Streufahrzeug habe alleine 6000 Liter Sole geladen, die während der Fahrt hin und her schwappe, sagt Christian Lehrich, technischer Beauftragter für den Winterdienst. „Das ist ein ganz anderes Fahrverhalten.“ Insgesamt hat das beladene Fahrzeug ein Gewicht von 26 Tonnen. Und hinzukomme auch die Witterung in der kalten Jahreszeit: „Unsere Fahrer müssen ja im Ernstfall auf den Straßen fahren, auf denen die Pkws nicht mehr fahren können“, erklärt Lehrich.

Zum Training gehört außerdem, dass die Fahrer lernen, wie sie den drei Meter breiten Schneepflug richtig an ihre Maschine montieren. „Jeder Fahrer muss den Schneepflug schnell an- und abbauen können“, so Lehrich.

Die Bereitschaft für den Winterdienst beginnt am 1. November

Die EBE schult ihre Mitarbeiter bereits seit mehreren Jahren auf diese Weise. Wer neu ist, erhält die dreitägige Schulung obligatorisch. „Die älteren und erfahrenen Fahrer verzichten auf die Schulung, dafür haben wir dann mehr Zeit für die Kollegen, die gerade neu anfangen“, sagt Lehrich.

Der Bereitschaftsplan für den Winterdienst gilt vom 1. November bis zum 31. März. Die Fahrer haben feste Routen, die durch das von der Stadt vorgegebene Winterdienstverzeichnis bestimmt werden. Verkehrswichtige Hauptstraßen werden laut EBE 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche abgedeckt. Im Alarmfall sind 14 Streufahrzeuge gleichzeitig im Einsatz. Die Nebenstraßen, die in den sogenannten B-Plänen aufgelistet sind, werden zwischen 6 und 22 Uhr angefahren. Die EBE hat einen Vorrat von über 5200 Tonnen Salz und 75.000 Liter Sole.

Weitere Nachrichten aus Essen.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben