Schulentwicklungsplanung

Warum Essen die Gesamtschule Süd doch nicht neu startet

Hier fangen im Jahr 2018 doch keine neuen Fünfer an: Nur noch den Oberstufen-Betrieb wird es künftig an der Frankenstraße geben. Die Stadt hält die Wiedereröffnung für zu „riskant“.

Foto: Ulrich von Born

Hier fangen im Jahr 2018 doch keine neuen Fünfer an: Nur noch den Oberstufen-Betrieb wird es künftig an der Frankenstraße geben. Die Stadt hält die Wiedereröffnung für zu „riskant“. Foto: Ulrich von Born

CDU und SPD kündigen „Beratungsbedarf“ an, was die überraschende Entscheidung der Stadt angeht, die Gesamtschule Süd doch nicht wiederzubeleben

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Mit erkennbarer Verstimmung haben SPD und CDU den Entschluss der Schulverwaltung zur Kenntnis genommen, die Gesamtschule Süd – anders als geplant – doch nicht neu zu starten. Wie berichtet, hatte die Stadt die Idee, die Gesamtschule im Jahr 2018 zu reaktivieren, weil stadtweit mehr Gesamtschulplätze benötigt werden, überraschend begraben.

Im Schulausschuss haben SPD und CDU jetzt „Beratungsbedarf“ in dieser Angelegenheit angemeldet – mehr wurde dem Vernehmen nach zum Thema nicht gesagt. Dabei hatte die Verwaltung erstmals eine ausführliche Stellungnahme vorgelegt, aus der mehr oder weniger deutlich hervorgeht: Man kann bei der Absage des Neustarts durchaus von einer Vollbremsung in letzter Minute sprechen. Es hätte im Grunde nicht mehr lange gedauert, und die Bauarbeiter wären angerückt, um die nötigen Umbaumaßnahmen anzufangen. Dann hätte es kein Zurück mehr gegeben.

Eltern wählen eine Schule, aber nicht die Schulform

Aber: Nach den letzten Anmeldezahlen erschien der Stadt ein Neustart wohl doch als zu „riskant“. Denn: Schüler, die Anfang 2018 an einer Gesamtschule in der ersten Anmelderunde abgelehnt wurden, sind in der zweiten Runde mehrheitlich auf Real-, Hauptschulen oder Gymnasien gewechselt. Woraus die Stadt jetzt den Schluss zieht: Den Eltern geht es um einzelne Schulen, nicht um eine Schulform. Wobei diese Erkenntnis auch nicht gerade neu ist, sondern vor Jahren bereits aus einer Eltern-Umfrage herausdestilliert wurde. Und: Gerade mal 50 Schüler aus dem Süden, in dem es keine Gesamtschule gibt, gehen derzeit an Gesamtschulen in den Nachbarstädten – das ist aus Sicht der Schulverwaltung ein Beleg dafür, dass Gesamtschulen im Süden nicht sonderlich gefragt sind oder sein werden. In den nächsten fünf Jahren wären jeweils 100 Neu-Anmeldungen für die Fünfer-Jahrgänge an der Frankenstraße nötig gewesen.

Politiker fühlen sich vorgeführt

Dabei hatte der Rat im Dezember den Plan verabschiedet, die Gesamtschule Süd 2018 neu zu starten; entsprechend vorgeführt fühlt sich jetzt mancher Politiker, will darüber offen aber nicht sprechen.

Dass es sich die Stadt nicht leicht gemacht hat mit der Absage, liegt aber auch auf der Hand: Denn die Suche nach einem neuen Standort für eine zu gründende Gesamtschule fängt wieder von vorne an. „Sie muss dort entstehen, wo die Kinder wohnen, die sie besuchen würden“, heißt es vielsagend in der Vorlage. Das ist übrigens genau die Sicht, die Ludwig Menke, der Leiter der auslaufenden Gesamtschule Süd, stets in den letzten Jahren geäußert hat. Und damit die schleppende Nachfrage im eigenen Haus zu rechtfertigen wusste. Übrigens: Es gab Zeiten, da wurden dort 162 Neu-Anmeldungen registriert. Das war aber 1971, als die Schule noch das „Stadtwald-Gymnasium“ war, von dem es heute heißt, es sei nie gut nachgefragt gewesen.

Schirrmann-Realschule soll 2018 wieder eigenständig werden

Immerhin: Eine andere Wiederbelebung verläuft erfolgreicher. An der Grenze Stoppenberg/Katernberg, gleich gegenüber von Zollverein Schacht 12, soll 2018 die Schirrmann-Realschule nach dann sechs Jahren als Zweigstelle der Krayer Dinnendahl-Schule wieder eigenständig werden. Die Anmeldezahlen stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich. Vorher waren sie über Jahre miserabel gewesen. Die Grünen fänden dort künftig zwar eine Sekundarschule sinnvoller, damit stehen sie aber alleine da.

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