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Warum es beim Radschnellweg um mehr als Umweltgesetze geht

Diese alte Güterbahnbrücke über die Goldschmidtstraße im Ostviertel, nicht weit vom Viehofer Platz, könnte dem RS1 als Trasse dienen.

Diese alte Güterbahnbrücke über die Goldschmidtstraße im Ostviertel, nicht weit vom Viehofer Platz, könnte dem RS1 als Trasse dienen.

Foto: Bernhard Handick

Baustopp für den Radschnellweg RS1: Auch im Nordviertel wird vorerst nicht weitergeplant. Dort spielen Bahndamm und Brücken entscheidende Rollen.

Die Diskussion um die Fortführung des Radschnellwegs RS 1 ist voll entbrannt. Fest steht bislang: Das Vorzeigeprojekt, das bundesweit Beachtung fand, wird in diesem Jahr auf Essener Stadtgebiet nicht weitergebaut. Wir klären die wichtigsten Fragen, die zum jetzigen Zeitpunkt beantwortet werden können.

Wo soll der Radschnellweg östlich der Uni weiterlaufen?

Die unten stehende Grafik zeigt: Genutzt werden soll weiter die alte Trasse der früheren Güterlinie „Rheinische Bahn“. Ab Gladbecker Straße, gegenüber vom neuen Hörsaalzentrum, gibt es einen massiven Damm, der hinter dem Viehofer Platz herläuft. Auch die Brücken über Altenessener Straße, Stoppenberger und Goldschmidtstraße sind noch da – und könnten den RS 1 aufnehmen.

Warum kann man diesen Abschnitt nicht schon in Angriff nehmen?

Die Stadt will das Eltingviertel, ein städtebaulich ansehnliches Quartier zwischen Gladbecker und Stoppenberger Straße, besser anbinden. Dazu müsste der Bahndamm weg. Das hat auch die Politik im November im Planungsausschuss so beschlossen. Weiter westlich im neuen Uni-Viertel hat sich ja gezeigt: Wenn der Bahndamm weg ist, ergeben sich tatsächlich völlig neue städtebauliche Perspektiven. Derzeit werden Varianten ausgearbeitet, wie man den Bahndamm zum Beispiel stückweise erhalten kann. So lange nicht klar ist, wie viel vom alten Damm übrig bleibt, kann man den RS 1 nicht fortsetzen. Der Radclub ADFC fordert zurzeit den Erhalt des kompletten Bahndamms, damit die Arbeiten sofort starten können.

Warum drängen die Radverbände so auf Eile?

Weil sie befürchten, dass man entscheidende Gelegenheiten verpasst. Es heißt: Jetzt sind Kapazitäten beim Landesbetrieb Straßen.NRW vorhanden, um den Radschnellweg zu planen und zu bauen. Doch es gibt in NRW auch andere Projekte mit Priorität. Und wenn diese erst mal begonnen sind – zum Beispiel der Ausbau der A40 zur sechsspurigen Autobahn –, bleibt für die Realisierung des RS 1 nichts mehr übrig.

Hat man die Gesetzesänderungen, die die Planung im Bereich von Goldschmidt/Evonik jetzt so behindern, nicht vorhersehen können?

Davon ist auszugehen. Die Stadt beziehungsweise Grün und Gruga hatte bereits eine Alternativ-Strecke über normale Radwege zwischen Univiertel und Kray-Wanner Bahn ausgearbeitet. Diese „Intercity-Route“ sollte zumindest im Jahr der „Grünen Hauptstadt“ als Ersatz für die direkte Verbindung entlang des Evonik-Geländes dienen. Die „Intercity-Route“ wurde aber im Herbst in der zuständigen Bezirksvertretung abgelehnt: Zu viele Bäume müssten dafür gefällt werden, hieß es. Doch die „Inter-City-Route“ sollte ohnehin nur ein Provisorium sein, bis der RS 1 direkt bei Evonik entlangläuft. Das, wissen wir jetzt, wird erst 2020 so weit sein. Dann, so war mal die Planung, sollte eigentlich schon der gesamte RS 1 von Duisburg bis Hamm fertig sein.

Wie geht es jetzt weiter?

Eine deutliche Beschleunigung des Projekts ist angesichts der klaren Gesetzeslage nicht zu erwarten, da hilft auch ein möglicher Grüne-Hauptstadt-Bonus nicht. Klar ist nur: Der eigentliche Vorteil, dass der Radschnellweg im Gesetz wie eine Landesstraße behandelt wird und entsprechend mit Priorität behandelt wird, ist in der jetzigen Phase des Projekts, der reinen Planung, ein echtes Hindernis.

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