Integration

Warum auch Flüchtlinge in Essen Sportgruppen anleiten sollen

Blick in den Übungsleiter-Kurs des Sportbundes, bei dem auch Geflüchtete teilnehmen: Szene aus der Turnhalle der Elsa-Brändström-Realschule.

Blick in den Übungsleiter-Kurs des Sportbundes, bei dem auch Geflüchtete teilnehmen: Szene aus der Turnhalle der Elsa-Brändström-Realschule.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Der Essener Sportbund (Espo) bildet Jugendliche zu Übungsleitern aus - darunter sind auch Geflüchtete. Ihr neuer Job ist besonders wertvoll.

Mit einem besonderen Bildungs-Angebot will der Essener Sportbund (Espo) den Mangel an qualifizierten Gruppenleitern in Essen bekämpfen - und gleichzeitig dafür sorgen, dass Flüchtlinge neue Chancen zur Integration bekommen. 22 junge Männer und Frauen zwischen 16 und 20 Jahren machen derzeit den Übungsleiter-Schein – und haben damit einiges vor. „Egal, ob in Sportvereinen oder im Offenen Ganztag der Grundschulen – Übungsleiter, die dazu befähigt sind, eigenständig eine Sportgruppe anzuleiten, gibt es derzeit viel zu wenig“, berichtet Nils Grunau vom Essener Sportbund (Espo).

Bedingung: Mitgliedschaft in einem Sportverein

Egal, ob eine Kindergruppe Brennball spielt oder eine Seniorengruppe zur Wassergymnastik antritt – ohne Übungsleiter-Schein geht gar nichts. „Da geht es nicht um sportliche Belange, sondern auch um Rechtliches und Erste Hilfe“, erklärt Grunau. Die Ausbildung von 22 Jugendlichen begann bereits im vergangenen Jahr: Der Espo wandte sich gemeinsam mit der Sport Jugend Essen und der Elsa-Brändström-Realschule (Bergerhausen), die einen Sport-Schwerpunkt hat, an interessierte Kandidaten - wichtig war: „Sie müssen Mitglied in einem Essener Sportverein sein“, sagt Grunau. Der Nachwuchs wurde zunächst zu „Sporthelfern“ ausgebildet – „damit darf man bereits eine Gruppe leiten, aber nicht allein’“, erklärt Grunau. Der „Sporthelfer“ ist sozusagen die Vorstufe zum „Übungsleiter“. Die Fortsetzung der Ausbildung zum „Übungsleiter“ erfolgt derzeit in der ersten Ferienwoche.

Sprachelernen über Sport

Musaab Alyounes (17) kam vor drei Jahren aus Syrien nach Essen, macht derzeit am Unesco-Gymnasium (Südostviertel) sein Abi und will mal Mediziner werden, „vielleicht etwas mit Orthopädie, mit Gelenken.“ Er betreibt in einer kleinen Gruppe die Sportart „Calisthenics“, Musaab erklärt: „Das ist eine Mischung aus Turnen und Krafttraining.“ Den Übungsleiter-Schein beim Espo macht er deshalb, „damit ich während des Studiums mal Gruppen leiten kann, zum Beispiel in den Grundschulen. Außerdem will ich damit Kontakte knüpfen.“ Espo-Vertreter Nils Grunau ergänzt, dass die Ausbildungs-Aktion auch dazu gedacht ist, dass Migranten nebenbei mehr Deutsch lernen – was aber im Fall von Musaab Alyounes gar nicht nötig ist.

Migranten sollen als „Multiplikatoren dienen“

„Man lernt hier auch, vor einer Gruppe aufzutreten“, sagt Angelina (16), die zunächst an der Elsa-Brändström-Schule war und jetzt ans Dore-Jacobs-Berufskolleg wechselt, ein Kolleg mit einem sportlichen Schwerpunkt. Sie engagiert sich im Essener Jugend-Eiskunstlauf-Verein (EJE) und will später mal „was Soziales machen, vielleicht mit Behinderten, auf jeden Fall aber mit Bewegung. Es ist auf jeden Fall gut, früh mit diesem Thema zu beginnen.“

Vor allem die Migranten, die jetzt vom Espo ausgebildet werden, sollen auch „als Multiplikatoren dienen“, sagt Nils Grunau. Sodass sie in ihren Gemeinschaften für Sport werben, Angebote machen können - und auch Wege aufzeigen in die Essener Sportvereine.

Das Ausbildungs-Angebot des Espo soll übrigens im kommenden Jahr wiederholt werden - derzeit sei man auf der Suche nach Partnern, sagt Grunau.

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