Stationsbewertung

VRR stuft Bahnhof Kettwig-Stausee als „nicht akzeptabel“ ein

VRR-Kunde Winfried Brüggen bemängelt vor allem den steilen Anstieg zum S-Bahnhof Kettwig-Stausee.

VRR-Kunde Winfried Brüggen bemängelt vor allem den steilen Anstieg zum S-Bahnhof Kettwig-Stausee.

Foto: Julia Tillmann

Essen-Kettwig.  Der S-Bahnhof wurde im Stationsbericht des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr auf „nicht akzeptabel“ heruntergestuft. Das sagen Passagiere vor Ort.

Der aktuelle Stationsbericht des VRR nennt vier S-Bahnhöfe in Essen „nicht akzeptabel“. Beurteilt wurden Erscheinungsbild, Sauberkeit, Funktion und Graffiti. Im Essener Süden ergibt sich ein uneinheitliches Bild.

Während der Bahnhof Kettwig eine leichte Verbesserung aufweist und der in Werden stabil bleibt, haben die Tester beim Haltepunkt Kettwig-Stausee den Daumen endgültig gesenkt. Nicht akzeptabel heißt übersetzt eigentlich: „Erhebliche Mängel, Verbesserungen dringend erforderlich.“ Wie sehen die Leute vor Ort das?

Die steile Treppe ist das Hauptübel für die Passagiere

Der eisige Wind vom Stausee pfeift über die erhöhte Plattform, mühselig quälen sich Senioren die unzähligen Stufen hoch. Die Unterführung ist ein steter Quell visueller und olfaktorischer Grausamkeiten. Graffiti, Dreckecken, ein strenger Geruch. Rentner Winfried Brüggen stinkt’s: „Eine Zumutung. Akzeptabel ist der Bahnhof schon lange nicht mehr.“ Er fühlt sich durch die Abwertung der Tester bestätigt .

Allerdings sieht der Rentner die steile Treppe als Hauptübel: Die maroden Stufen wurden mit Blechen kaschiert, die sich aber schon wieder gelockert haben. Nicht so rüstige Mitmenschen oder auch Mütter mit Kinderwagen kommen hier ohne Hilfe nicht hoch. Oft stünden auch Besucher der nahe gelegenen Reha-Klinik ziemlich ratlos auf dem Bahnsteig: „Denen hat niemand gesagt, dass sie hier eine steile Treppe überwinden müssen.“

Behindertengerechter Ausbau word schon lange gefordert

Die angeprangerten Mängel sieht der 80-jährige Karl-Heinz Bonitz differenziert: „Der Fairness halber muss ich sagen, dass hier schon regelmäßig sauber gemacht und die Papierkörbe geleert werden. Die Leute sollten ihren Dreck mal in die Abfalleimer werfen und nicht daneben.“

Doch das mit der Abwertung wundere ihn nicht: „Es ist ja nicht besser geworden. Die machen Reklame, dass man Graffitis melden soll, das würde innerhalb von fünf Tagen erledigt. Doch dieses hier ist schon drei Monate alt.“ Das Schlimmste sei die Treppe: „Vor 40 Jahren wurden schon Gelder beim Land beantragt, um hier behindertengerecht umzubauen. Früher haben die Stufen nicht gestört. Das war Training für uns.“

Nicht jeden Reisenden stören die Graffiti

Jüngere Bahnreisende nehmen das eher entspannt. Die 22-jährige Kristin Kruse kommt aus Altenessen: „Dort müssen sie mal hinschauen. Vergleichsweise finde ich es hier nicht so schlimm. Am Bahnhof Süd sind deutlich mehr Graffiti. Hier ist es nicht gerade sauber, aber so dreckig nun wieder nicht.“

Da stimmt Anton Wegerich zu. Der 25-Jährige macht seine Ausbildung an der Reha-Klinik und nutzt regelmäßig die S-Bahn: „Ich achte da gar nicht drauf. Graffiti stören mich nicht. Es ist halt ein Bahnhof, was will man da erwarten? Pünktlichkeit ist mir viel wichtiger.“

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