Initiative „Kettwig hilft“

Vor einem Jahr zogen in Kettwig die ersten Flüchtlinge ein

Das Familienhaus der Flüchtlingsunterkunft an der Ruhrtalstraße ist Essen-Kettwig.

Foto: Christof Köpsel

Das Familienhaus der Flüchtlingsunterkunft an der Ruhrtalstraße ist Essen-Kettwig. Foto: Christof Köpsel

essen-Kettwig.   Es ist genau ein Jahr her, als in die Unterkunft an der Ruhrtalstraße die ersten Flüchtlinge einzogen. Angelika Keinekort half von Beginn an.

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Die ersten Flüchtlinge sind vor einem Jahr in die Unterkunft an der Ruhrtalstraße eingezogen. Vom ersten Tag an betreut von Mitgliedern der Initiative „Kettwig hilft“. Vorsitzende seit der Vereinsgründung im Oktober 2015 ist Angelika Kleinekort. Mit Engagement, mit nach wie vor viel Energie und einem großen Kreis an ebenfalls ehrenamtlichen Helfern.

Doch ihr Blick auf die Migrationspolitik hat sich im Laufe der Zeit verändert, denn „es scheitert oftmals an der Bürokratie. Es hakt, bei dem, was die Stadt an Lösungen anbietet. Einzelne Mitarbeiter sind bemüht, und wir spüren ein großes Wohlwollen, aber das Nadelöhr ist oft die Ausländerbehörde.“ Hier einen Ansprechpartner zu erreichen, sei fast unmöglich, „und auch eventuelle Arbeitgeber scheitern oft an diesen Hürden“.

Sprachkurse sind Mangelware

Das A und O für Integration sei der Spracherwerb, er ist „quasi der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Angelika Kleinekort. „Aber es gibt unglaublich viele Flüchtlinge mit einem schwebenden Verfahren – und die haben keinen Anspruch auf einen Integrationskurs.“ Und in Sachen Spracherwerb werde generell zu wenig getan, zu wenig angeboten. „Diese Kurse sind Mangelware und ein riesiger Markt.“ Eine große Hilfe wäre es schon, „wenn es bei den zuständigen Behörden eine Hotline für uns Ehrenamtliche geben würde.“

Zwei Jahre „Kettwig hilft“, ein Jahr intensive Arbeit mit Flüchtlingen – „das belastet mehr als gedacht, und ich muss mich disziplinieren.“ Gut 40 Stunden pro Woche nimmt ihr Ehrenamt in Anspruch. Aber es gibt Erfolge, kleine und große. „Wir haben für eine zehnköpfige irakische Familie jetzt eine Wohnung in Bocholt gefunden. Einer der Jungen hat beim FSV Kettwig Fußball gespielt. Die Einrichtung hatten wir schnell zusammen. Von einem Spender bekamen wir einen Kühlschrank, von einem anderen ein Sofa. Es ist von Vorteil, in einem weitgehend wohlhabenden Stadtteil zu leben. Das macht die Arbeit leichter.“

Rund 120 Flüchtlinge leben an der Ruhrtalstraße

Rund 120 Menschen leben derzeit in den beiden Häusern an der Ruhrtalstraße – im blauen Familienhaus und im grünen Männerhaus. „Die Trennung hat sich bewährt“, sagt Angelika Kleinekort. „Der Rhythmus ist unterschiedlich. So müssen zum Beispiel Familien mit Kindern, die zur Schule gehen, viel früher aufstehen.“

Zu den großen Erfolgen der Ehrenamtlichen von „Kettwig hilft“ gehört auch, „dass mittlerweile auch eine Familie und zwei Alleinreisende Wohnungen in Kettwig gefunden haben. Sie sind im richtigen Leben angekommen. Die Hilfsbereitschaft der Kettwiger ist nach wie groß. Und dafür möchten wir auch Danke sagen.“

Junge Familien brauchen Ansprechpartner

Angelika Kleinekort weiß, dass es für den Kettwiger Verein noch eine Menge zu tun gibt – „das Beste wäre, wenn wir überflüssig würden“. Da davon aber noch keine Rede sein kann, hat sie noch einen anderen Wunsch: „Es wäre schön, wenn sich auch junge Familien bei uns engagieren würden. Sie wären gute Ansprechpartner für die jungen Flüchtlingsfamilien.“

Alle Infos zu der Flüchtlingsinitiative gibt es auf der Homepage unter kettwighilft.de. Ob Sachspenden, Geldspenden oder Zeitspenden – jede Unterstützung ist willkommen.

Auch die Arbeitsgruppen (Sprache/Spielangebote/Hausaufgabenbetreuung für Kinder, Internet/Kommunikation, Ankommen im Stadtteil, „Kümmerer“) brauchen noch Helfer.

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