Frühförderung

Von Pekip bis Schwimmen: Den richtigen Kurs für Babys finden

Leicht bekleidet oder nackt sind die Babys im Pekip-Kurs. Die Raumtemperatur ist so angenehm, dass sie nicht frieren müssen.

Leicht bekleidet oder nackt sind die Babys im Pekip-Kurs. Die Raumtemperatur ist so angenehm, dass sie nicht frieren müssen.

Foto: Stefan Ernst

Essen.   Es gibt so viele Gruppen für Kleinkinder, dass Eltern von dem Angebot überwältigt sein können. Eine Expertin erklärt, welche Kurse sinnvoll sind.

Kaum auf der Welt, haben manche Kinder schon einen engen Stundenplan: Babyschwimmen, Massagen, Gymnastik oder Musikunterricht. Das Angebot bei der Frühforderung von Kindern ist vielfältig, teils sogar überwältigend. Die Belastung ist hoch, schließlich wünschen sich alle Eltern nur das Beste für ihr Kind. „Viele Eltern haben die Ratgeber schon in der Schwangerschaft gefühlt auswendig gelernt“, sagt Ulrike Hillebrand.

Sie ist zertifizierte Früherzieherin und Inhaberin der sozialpädagogischen Praxis „Aus dem Bauch heraus“ in Essen, die verschiedene Kurse zur Frühförderung anbietet. „Oft hört man auch von anderen Eltern, wo sie ihre Kinder überall hinbringen. Das baut tatsächlich Druck auf.“

Expertin rät: Das Wichtigste ist der Spaß für das Kind.

Viele Eltern stehen nach der Geburt vor der Frage, welche Angebote zur Frühförderung überhaupt etwas bringen. Die Expertin sieht von solch einer Kategorisierung allerdings ab: „Viele Kurse und Programme haben Vorteile. Aber ein Kind wird sich auch ganz ohne Frühförderung entwickeln.“ Die Angebote seien allerdings schöne Methoden, um eine Beziehung zum Kind aufzubauen. Das Wichtigste aber sei dabei der Spaß. Und es gibt tatsächlich Kurse, die laut Hillebrand durchaus hilfreich sein können.

Das Prager Eltern-Kind-Programm, kurz Pekip, ist darauf ausgelegt, das Kind schon im frühen Alter in der Entwicklung zu begleiten. Ab der vierten bis sechsten Lebenswoche erlernen Babys spielerisch einfache Bewegungen, die Eltern ausprobieren und zu Hause weiter umsetzen können. „Außerdem ist es eine tolle Möglichkeit, erstmals mit anderen Eltern und Kindern in Berührung zu kommen, sich auszutauschen und Ängste zu nehmen“, erklärt die Expertin. „Die Erwartungen der Eltern sind teils hoch, sie sind besorgt, wenn ihr Kind gewisse Dinge noch nicht kann, die andere Babys schon beherrschen.“ Deshalb werden die Eltern bei Pekip beraten, die zertifizierte Leitung des Kurses klärt wichtige Fragen rund um das erste Lebensjahr. „Das entspannt Eltern und Kind.“

Kleinen Kindern nicht zu viel zumuten

Was dem Kind allerdings nicht gut tut, ist, ihm zu viel zuzumuten: „Natürlich gibt es auch Eltern, die ihr Kind den ganzen Nachmittag von einem Kurs zum nächsten schleppen. Darum sollte es nicht gehen“, sagt Hillebrand. Das Kind solle Spaß haben, so lerne es neue Kompetenzen dann fast im Vorbeigehen oder Vorbeikrabbeln. Wenn das etwas ältere Kind erst zum Ballett, dann in die Musikschule und danach zum Sport muss, mache es irgendwann zu. „Es ist wichtig, auf das Kind zu hören und zu beobachten, woran es Gefallen findet.“

Auch Babymassagen haben laut der Expertin durchaus ihre Vorteile. Nicht nur seien sie sehr entspannend für Eltern und Kinder, es würden auch Techniken vermittelt, die gegen Koliken oder Bauchschmerzen helfen könnten. Neben der intensiven Bindung gebe die Massage also noch Anleitungen an die Hand, die im späteren Verlauf hilfreich seien und bei Bedarf angewendet werden könnten.

Neben den Kursen sei das freie Spielen für Kinder wichtig. Bewegungsspielplätze geben Kindern ab dem ersten Lebensjahr die Möglichkeit, verschiedene Bewegungen auszuprobieren, zu klettern und einfach zu spielen – und das zusammen mit anderen. „Kinder müssen sich von Anfang an bewegen und ausprobieren können. Sie lernen viel dabei. Außerdem sind Ruhephasen Pflicht“, sagt Hillebrand.

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