Stadtteilgeschichte

Von alten Höfen und Rittern: Essener Verein pflegt Historie

Das historische Bild zeigt die Mühle Althoff kurz vor ihrem Abriss im Jahr 1966. 

Das historische Bild zeigt die Mühle Althoff kurz vor ihrem Abriss im Jahr 1966. 

Foto: Foto / Archiv Heimatgeschichtskreis Eiberg

Essen-Horst.  Von Höfen, Mühlen und Edelmännern berichten Mitglieder des Heimatgeschichtskreises Eiberg. Auf Denkmaltafeln bewahren sie Stadtteilhistorie.

Nach den Wurzeln von Hof Althoff musste der Heimatgeschichtskreis Eiberg lange suchen. „Schon der Name Althoff, also alter Hof, spricht für ein hohes Alter“, erklärt der Vereinsvorsitzende Christian Schlich. Er hat sich intensiv mit der Historie des längst abgerissenen Gehöfts beschäftigt; nun stellten die Heimatforscher eine Denkmaltafel zum Thema auf.

Und so stöberte Schlich durch Urkunden vergangener Jahrhunderte, arbeite sich durch alte Aktenberge und wurde schließlich im Jahr 1250 fündig. „Der Althoff zählte wohl zur sogenannten Curia in Bocholte“, fand Schlich heraus. Ein Verbund, dem auch die Höfe Schulte-Bockholt und Drenhaus angehörten, und die Abgaben an das adelige Haus Langendreer in Bochum abführen mussten.

Höfe befanden sich im Besitz von Rittern

Der Hof Drenhaus heißt heute Grümer und liegt auf Bochumer Stadtgebiet. Allesamt befanden sich im Besitz von Rittern, so wie der Hof Althoff, der einst den Rittern von Dreyre und später den Rittern von Borch gehörte, die den Hof von den Edelherren von Volmarstein als Lehen empfangen hatten. Mehr als 200 Jahre später tauchte 1486 erstmals ein gewisser Werner Althoff namentlich als „Hofesaufsitzer“ im Schatzbuch der Grafschaft Mark auf. Der gute Mann hatte vier Gulden Steuerschulden, was für einen Hof mittlerer Größe spricht.

Beschränkte sich das Tagewerk auf dem Hof anfangs auf die Landwirtschaft, so erwies sich Mitte des 17. Jahrhunderts Lutger Althoff als besonders geschäftstüchtig. Er erkannte schnell den Kohlebergbau als Einnahmequelle, sicherte sich später mit Heinrich ob der Locht das Recht, Kohlen aus einem Kohlenberg hinter dem Möckerhoff Siepen im Osten am Gartfeld abzubauen. Dieser Kohlenberg lag in der unmittelbaren Nähe des heutigen Kanarienberg in Freisenbruch und wurde über einen Stollen in der Wiese am Hülseberg abgebaut.

Finanzielle Lage spitzte sich immer weiter zu

Dem Bergbaubetrieb schloss sich später auch Johann Hugo von Schueren als Gewerke an, der damals Herr auf Haus Horst war. „Später sprach man von den Gartfeldischen Kohlengruben, die zu den ältesten und größten Abbaugebieten im Essen/Bochumer Raum zählte“, erklärt Christian Schlich. Das gefährliche Bergwerkhandwerk führten die Althoffs viele Jahre aus, bezahlten dies jedoch bitter, als Diedrich Althoff, der Sohn von Bauer Heinrich Althoff, im Jahr 1715 tödlich im Kohlebergwerk verunglückte.

Im Laufe der Jahre wechselte der Hof seine Besitzer, doch die Althoffs blieben. Doch mehr und mehr geriet das Gut in finanzielle Schieflage. Johann Althoff (*1682, gest. 1770) versuchte die größten Löcher zu stopfen, verpfändete mehrfach seine Güter, darunter insbesondere den Kotten in der Stalleik´schen Heide, auf dem Jost Schulte saß. „Dieser Kotten, der sich hinter dem heutigen Umspannberg Eiberg befand, steht heute leider nicht mehr“, sagt Schlich. „Bedauerlicherweise ist auch kein Foto davon überliefert.“Letztlich war der Althoff-Hof jedoch so überschuldet, dass der Freiherr von Landsberg, dem der Hof mittlerweile gehörte, 1769 an den vom benachbarten Hof Bergmann in Freisenbruch stammenden Jürgen Dietrich Bergmann verpachtete, der fortan „Bergmann genannt Althoff“ hieß.

Bahnlinie von Duisburg nach Witten entstand

Der Name Althoff blieb also, gepachtet wurde der Hof jedoch weiterhin von der Familie Bergmann. Erst Johann Heinrich Wilhelm Bergmann, der den Hof ab 1835 bewirtschafte, konnte sich schließlich von den alten Schulden befreien und den Hof erwerben. Im Jahr 1860 verkaufte er Teile seines Eigentums an die Bergisch-Märkische-Eisenbahngesellschaft, die den Boden dringend brauchte, um die Bahnlinie von Duisburg nach Witten zu bauen, sowie an die Zeche Jacob (später Zeche Eiberg) zum Bau der Betriebsanlagen und des eigenen Gleisanschlusses. Für den Hof bedeutete dies den Anfang vom Ende als landwirtschaftlicher Betrieb, denn eine Bewirtschaftung lohnte nicht mehr. Und so verkaufte der letzte Landwirt Johann Althoff das Gut 1898 an die Gewerkschaft der Zeche Eiberg.

Als die Zeche Eiberg in Blüte stand, beschloss die Gemeindeverwaltung die Feuerspritze von 1901 bis 1912 auf dem Hofgelände in einem Schuppen unterzubringen, damit das Zechenpersonal ortsnah und schnell diese bedienen konnte. Nach der Stilllegung der Zeche Eiberg im Jahr 1914 wurden die restlichen Grundstücke des Hofes verkauft. Das Fachwerkhaus kaufte der Bergmann Johann Jansen an, der es in den 1950er-Jahren an den Gartenbauunternehmer Jürg Melzer weiter veräußerte. Dieser nutze zuletzt das Grundstück als Betriebsgelände bis zur heutigen Neubebauung. Schlich: „Das war so Ende der 80er Jahre der Fall. Das Hofgebäude musste wegen Einsturzgefahr 1966 leider abgerissen werden.“

Ein Enkel des letzten Besitzers bei der Tafelenthüllung

Die Denkmaltafel stellte der Eiberger Geschichtskreis nun im Beisein von über 35 Gästen am ehemaligen Standort des Hofes, „Weg am Berge“ zwischen Hausnummer 30 und 32 auf. Darunter auch ein Enkel des letzten Besitzers, der die Fläche für die Tafel zur Verfügung stellte. Finanziert wurde die Tafel mit Hilfe des sogenannten „Heimat-Scheck“, einer Förderinitiative des Landes NRW.

„Eigentlich wollten wir die Tafel schon im vergangen Jahr aufstellen, doch der Termin musste wegen der Kanalbauarbeiten am Eibergbach verschoben werden.“Heimatforscher Schlich gibt jedoch zu bedenken: „ Der Name Eibergbach ist streng genommen historisch falsch. Er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vermehrt von der kommunalen Verwaltung verwendet, aber im Grunde handelt es sich dabei um die Mecklenbecke, die von Bochum-Wattenscheid parallel zur Bahntrasse bis zur Ruhr führte.“ Dieser „große Bach“ betrieb insgesamt drei Mühlen, darunter auch die Mühle des Althoffs.

Die Wassermühle mit Mühlenteich

Zum Hof Althoff gehörte eine Wassermühle mit Mühlenteich, der durch die „Mecklenbecke“ gespeist wurde. Über den Ursprung der Mühle ist nichts überliefert. „Sie besaß ursprünglich einen Mahlgang, der 1872 durch einen zweiten ergänzt wurde“, fand Christian Schlich heraus.

1885 war die Mühle an den aus Wattenscheid stammenden Müller und Bäcker August Ohsiek verpachtet. Um 1908 betrieb zunächst der Müller Wilhelm Himpeler und der Bäcker Johann Kämpkes die Mühle, bevor um 1920 Heinrich Krampe aus Horst die Mühle übernahm, dessen Frau im benachbarten Haus Weg am Berge 32 eine Kolonialwarenhandlung führte. Schließlich pachtete 1923 der Mühleninspizient Otto Berg aus Lüdenscheid die Mühle von der Witwe Krampe auf fünf Jahre.

Im Zuge der Ruhrbesetzung durch französische Truppen kam es vor Ablauf des Pachtvertrages 1924/25 zur Konfiszierung der Mühle. 1928 nutzen erneut der Müller Wilhelm Himpeler und der Bäcker Heinrich Körber die Mühle, die 1929 stillgelegt wurde. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Mühle abgerissen und die Ziegelsteine als Baumaterial wieder verwendet“, sagt Schlich. Der Teich wurde zugeschüttet und die Mecklenbecke verrohrt, die heute amtlich als Eibergbach bezeichnet wird.

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