Stadtpark

Vom hohen Norden nach Essen: Neuer Chef für den Grugapark

Neuer Leiter des Grugaparks ist Christian Kamer, hier im Jahr 2016 bei der Handarbeit zur Landesgartenschau im holsteinischen Eutin.

Neuer Leiter des Grugaparks ist Christian Kamer, hier im Jahr 2016 bei der Handarbeit zur Landesgartenschau im holsteinischen Eutin.

Foto: Orly Röhlk

Essen.  Christian Kamer übernimmt die Leitung von Thomas Hanster, der jüngst Abschied feierte. Der Neue hat Erfahrung mit historischen Parkanlagen.

Nach dem Grün und Gruga-Gesamtbetrieb bekommt nun auch der Grugapark einen neuen Leiter: Christian Kamer übernimmt ab dem 1. März 2019 die Leitung der mit Abstand wichtigsten und größten Essener Grünanlage. Der 38-jährige gebürtige Münsterländer folgt auf Thomas Hanster, der vor einigen Tagen seinen Abschied feierte und insgesamt 35 Jahre in Diensten des Grugaparks stand.

Der neue Chef hat Landschaftsgärtner gelernt, studierte dann laut Angaben im Internet an der Universität Hannover Landschafts- und Freiraumplanung. Nach dem Abschluss arbeitete er zunächst in einem Landschaftsarchitekturbüro in Hamburg und wechselte dann ins holsteinische Eutin, wo er in leitender Funktion an der Landesgartenschau 2016 beteiligt war.

Seitdem ist er wieder in Hamburg tätig und hat sich dort unter anderem mit Pflege und Weiterentwicklung historischer Parkanlagen beschäftigt. „Uns hat unter anderem dieses Detail in seinem beruflichen Werdegang überzeugt“, sagt Bau- und Umweltdezernentin Simone Raskob. Im Grugapark, für Raskob einer der bedeutendsten Parks in Deutschland, würde diese Kompetenz dringend benötigt.

Christian Kamer packt mit an, wenn Not am Mann ist, schrieb eine Zeitung über ihn

In den „Kieler Nachrichten“ wird Kamer als ein engagierter Mann beschrieben, der in Eutin termingerecht seine Projekte fertigstellte, wobei ihm die Erfahrungen als Planer und Bauleiter für Grünanlagen zugute gekommen wären. „Und natürlich packt er mit an, wenn Not am Mann ist oder die Zeit drängt“, heißt es in einem Porträt der Zeitung über ihn.

Obwohl die Zahl der Grugapark-Mitarbeiter seit Jahrzehnten kontinuierlich sinkt, wird der 38-Jährige noch immer einem stattlichen Stamm von Mitarbeitern vorstehen. Die genaue Zahl der Grugapark-Beschäftigten ließ sich gestern auf Nachfrage nicht ermitteln, die Rede ist aber von 50 bis 60.

Für einen so großen Park mit diesem Anspruch ist die Personaldecke knapp

Für einen 70 Hektar großen, eigentlich sehr arbeitsintensiven Park gilt das dennoch als knapp bemessen, was Folgen für die Pflegeintensität und die Bepflanzungsvielfalt hat. So musste beispielsweise die Zahl der Beete in der Dahlienarena und im Rosengarten teils stark verkleinert werden. „Das emotionale Herz der Stadt“, wie Raskob den Grugapark gestern im Gespräch nannte, schwächelt so gesehen schon seit geraumer Zeit.

Verabschiedet wurde vergangenen Freitag nun zunächst der amtierende Chef Thomas Hanster. Im Jahr 1983 stieß er mit einem frischen Abschluss als Diplom-Ingenieur für Landespflege zur Grugapark-Verwaltung. Der Park erfuhr um diese Zeit unter der Oberhoheit des damaligen Grün-Dezernenten Karl Gabriel starke Veränderungen und wurde rechtlich ein Eigenbetrieb innerhalb der Stadtverwaltung – inzwischen hat der Rat dies aus finanziellen Gründen wieder rückgängig gemacht. Grün und Gruga ist nun wieder ein Stadtamt.

Viel Neues wurde in der Ära von Grugapark-Chef Thomas Hanster geschaffen

Freunde, Mitarbeiter und Weggefährten Hansters erinnerten daran, was in den folgenden Jahrzehnten geschah. Eine Vogelfreiflughalle wurde errichtet und wieder verlegt, die Pflanzenschauhäuser entstanden, das Alpinum mit dem Wasserspiel wurde gebaut, der Musik-Pavillon neu errichtet und die großen Spielplätze erhielten größtenteils ein neues Gesicht. Der Ponyhof und der Kleintierbereich entstanden und wurden jüngst noch durch den historischen Bauernhof erweitert.

Schließlich rückten die Gruga-therme mit „Kur vor Ort“ im alten Blumenhof und der eintrittsfreie Bereich am Haupteingang mitsamt dem Wassergarten den Park näher an das städtische Leben. Und es kletterten in den vergangenen Jahren auch die Besucherzahlen wieder auf ein erfreuliches Niveau. Derzeit sind es rund 1,2 Millionen jährlich, in den schlechtesten Zeiten waren es nur gut die Hälfte.

Zum Abschied die silberne Grugatulpe vom Freundeskreis Grugapark

Zum Abschied erhielt Thomas Hanster vom Freundeskreis Grugapark die silberne Grugatulpe verliehen. Er soll weiterhin beratend für den Park tätig sein und will sich sowohl im Freundeskreis als auch in der Grugapark-Stiftung engagieren.

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