NRZ-Weihnachtsaktion

Vierjährige eingesperrt: Wenn die Kinderwelt ein Käfig ist

Die Kleinen in den Notaufnahmen des Kinderschutzbundes benötigen auch in diesem Jahr wieder die Unterstützung der NRZ-Leserinnen und -Leser. Foto:Tunaly

Die Kleinen in den Notaufnahmen des Kinderschutzbundes benötigen auch in diesem Jahr wieder die Unterstützung der NRZ-Leserinnen und -Leser. Foto:Tunaly

Essen.   Die Kleinen in den Essener Notaufnahmen brauchen erneut Hilfe. Die NRZ-Spendenaktion fürs „Spatzennest“ und das Haus „Kleine Spatzen“ startet.

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Shanajas Welt ist ein Gefängnis. Ihr Vater hat es gezimmert: ein Kinderbettchen mit einer Klappe darüber und einem Vorhängeschloss davor. Ein Käfig des Grauens.

Kehrt die Vierjährige aus dem Kindergarten heim, wird sie dort weggesperrt, damit ihre hochgradig süchtigen Eltern ungestört Drogen konsumieren können. Auch wenn ihre 19-jährige Mutter und der zwei Jahre ältere Vater Besuch bekommen, muss das Mädchen in seinen Kleinkindknast.

Immer und immer wieder, bis eine Nachbarin eines Tages ein leises Wimmern hört. Als niemand auf ihr Klingeln hin die Tür öffnet, alarmiert die Frau die Polizei, die Shanaja befreit. Wie lange das Kind leiden musste, weiß bis heute niemand. Womöglich waren es vier Jahre. Das Mädchen landet schließlich in der Notaufnahme des Essener Kinderschutzbundes.

Svens Rücken ist mit Blutergüssen übersät

So wie Sven, der sich ein Herz fasst. Seiner Lehrerin vertraut er an: „Ich habe Angst, nach Hause zu gehen.“ Warum, wird bald klar: Seine Eltern verprügeln den Achtjährigen für jede Kleinigkeit, geben dem Jungen, dem sie die Verantwortung für seine vier jüngeren Geschwister aufbürden, die Schuld für Alles, was daheim schiefgeht. Dann bekommt Sven brutale Prügel. Sein schmaler Rücken ist mit Blutergüssen übersät. Das Jugendamt schaltet sich ein, ein Gericht entzieht den uneinsichtigen Eltern, die Gewalt für eine geeignete Methode der Kindererziehung halten, das Sorgerecht und der Junge findet Zuflucht in einem der beiden Essener Schutzhäuser.

So wie 50 weitere Kinder im Alter von eineinhalb und zwölf Jahren, die allein in den ersten zehn Monaten dieses Jahres einen Platz im Altenessener „Spatzennest“ oder im Haus „Kleine Spatzen“ in Borbeck bekamen. Obwohl der Kinderschutzbund seine Kapazitäten durch den Neubau an der Zweigstraße für die Jüngsten aus Krisenfamilien nahezu verdoppeln konnte, sind alle knapp 30 Betreuungsplätze durchweg belegt. Schlimmer noch: 116 Kinder, die dort unterkommen sollten, mussten in diesem Jahr bereits abgelehnt werden, sagt Martina Heuer, Leiterin der Notaufnahmen des örtlichen Kinderschutzbundes.

In manchen Familien ist Gewalt an der Tagesordnung

Sie wurden misshandelt, sexuell missbraucht, sind verwahrlost, weil ihre Eltern haltlos überfordert, psychisch krank oder süchtig sind, zunehmend abhängig auch vom Internet, das vielen wichtiger wird, als der eigene Nachwuchs es ist, weiß Martina Heuer: „Die Kinder, die eigentlich versorgt werden müssten, werden einfach vergessen. Kommunikation in der Familie findet kaum noch statt.“

Dafür ist Gewalt an der Tagesordnung: Die Zwei- bis Sechsjährigen sind inzwischen die gefährdetsten unter den Kleinen. Doch auch Säuglinge werden in zunehmendem und erschreckendem Maße Opfer extremer Übergriffe. Der Kinderschutzbund hat darauf reagiert: Im „Zwischenhalt“, einem Extra-Raum im Haus „Kleine Spatzen“, können ab sofort Babys in einer Eins-zu-Eins-Betreuung übergangsweise umsorgt werden.

Ja, es ist die Zeit für besondere Nestwärme, für Nächstenliebe und Anlass genug, jenen Gutes zu tun, denen das Leben, kaum dass es begonnen hat, auf das Übelste mitspielt. Viele der Kinder in den Notaufnahmen, die sich jetzt für das Fest herausputzen, werden in diesem Jahr zum ersten Mal ein Fest ohne Frust, einen Heiligabend ohne Heulen, eine Weihnacht zum Wohlfühlen und mit Präsenten erleben, die Sie, liebe Leserinnen und Leser, den kleinen Bewohnern der Notaufnahmen einmal mehr schenken können.

Ein Kuscheltier, um Frieden zu finden

Der Kinderschutzbund ist noch heute begeistert von der Spendenbereitschaft bei der NRZ-Weihnachtsaktion des vergangenen Jahres: Rund 18.000 Euro und über 400 liebevoll verpackte Geschenke kamen bei den Kindern in Not an.

In jedem Präsent findet sich ein neues Selbstwertgefühl, schon die Kleinsten sind superstolz, wenn sie einfach mal etwas Neues zum Anziehen besitzen, ein eigenes Kuscheltier in den Arm nehmen können, um ihren Frieden zu finden, obwohl sie ihre Eltern verloren haben – so wie Shanaja und Sven.

>>>Alle Infos zur NRZ-Spendenaktion

Zum zwölften Mal unterstützt die NRZ-Stadtredaktion Essen mit Ihrer Weihnachtsaktion das „Spatzennest“ und das Haus „Kleine Spatzen“, die Notaufnahmen des Kinderschutzbundes in Altenessen und Borbeck. Auch in diesem Jahr bitten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, um Ihre Mithilfe für die Jüngsten in Not. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Kinderschutzbundes haben wir einen Wunschzettel mit den Dingen zusammengestellt, die dringend benötigt werden:

>Alle Arten von Hygieneartikeln für Kinder (Haargummis, Bodylotion, Badezauber etc.)
>Lego und Lego Friends

>Tonie Figuren von zwei bis zehn Jahren

>Tip Toy Bücher

>Kapla Bausteine

>Bekleidung (Starter-Sets) ab Größe 98-152

>Playmobil

>Nachtlichter

>Barbiepuppen und Zubehör

>Fahrradhelme für Zwei- bis Zehnjährige

>Erste Spiele für Kinder

>Dicke Buntstifte und Wasserfarben für Kleinkinder

>Gameboy und Spiele

>Bücher zum Thema Pubertät

>Bilderbücher für Kleinkinder

>Klangschalen

>Bademäntel ab Größe 98

>Autokindersitze ab zwei Jahren

>Gutscheine für Ausflüge

Ihre Spende können Sie bis einschließlich 20. Dezember in der Poststelle der Funke-Mediengruppe, Sachsenstraße 36, abgeben: montags bis freitags von 7.30 Uhr bis 16 Uhr. Melden Sie sich bitte beim Pförtner auf der linken Seite der Sachsenstraße, von der Friedrichstraße aus gesehen. Dort wird Ihnen der Weg zur Poststelle gewiesen.


Zu Weihnachten wäre es schön, wenn Ihre verpackten Geschenke neuwertig wären. Ein kleines Inhaltsschildchen an den Päckchen ist hilfreich bei der Bescherung an Heiligabend.


Wenn Sie lieber Geld spenden möchten: Sparkasse Essen, BLZ: 360 501 05, Konto: 290 700, IBAN DE70 3605 0105 0000 2907 00, Empfänger: Kinderschutzbund Essen, Verwendungszweck: Spatzennest/NRZ-Aktion. Auf Wunsch wird eine Spendenquittung ausgestellt. Infos dazu gibt’s unter der Rufnummer 0201/49 550 755.

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