Fußverkehrs-Check

Vier Probleme, mit denen Fußgänger in Essen zu kämpfen haben

Besonders wer mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs ist, hat im Straßenverkehr oft mit Problemen zu kämpfen. Das merkten auch die Teilnehmer des Fußverkehrs-Checks in Altenessen.

Besonders wer mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs ist, hat im Straßenverkehr oft mit Problemen zu kämpfen. Das merkten auch die Teilnehmer des Fußverkehrs-Checks in Altenessen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Altenessen.  Jeder ist irgendwann mal Fußgänger. Bei einem Spaziergang durch Altenessen stolpert man jedoch nicht nur über Gehwegplatten.

Viele Menschen sitzen täglich im Auto, manche auch regelmäßig in Bus und Bahn und einige fahren Fahrrad. Aber Fußgänger ist jeder irgendwann mal. „Fußgänger sind in diesem Quartett die ruhigste und zugleich die schwächste Gruppe“, erklärt Uwe Kutzner. Der Essener Ratsherr hat mit einem Dutzend weiteren Fußgängern einen Spaziergang durch Altenessen gemacht.

Sieben Todesfälle im vergangenen Jahr in Essen

Initiiert wurde die Aktion als Teil der Europäischen Mobilitätswoche. Mit dabei waren nicht nur Anwohner, sondern auch Mitglieder des Vereins Fuss e.V., vertreten durch ihren Vorsitzenden Wolfgang Packmohr, Manuela Molitor von der Grünen Hauptstadt Agentur und Bezirksvertreter Stefan Patrick Kutzner.

Fußgänger leben in Essen zunehmen gefährlich: 2019 starben sieben Menschen auf Essens Straßen, von denen kein einziger in einem Auto saß. Vor allem ältere Menschen und Kinder sind die Opfer. Ein Grund ist, dass es immer mehr Autos, Fahrräder und auch E-Scooter gibt. So schrumpft der Platz für jeden Einzelnen.

Vier Themen sind den Spaziergängern bei ihrer Tour besonders ins Auge gefallen. Diese Punkte wollen die Vertreter von Fuss e.V. auch bei einem Besucher der Bezirksvertretung - nach ihrer Konstituierung - in einer der nächsten Sitzungen dort thematisieren.

1. Gehwegplatten: Überall dort, wo die Straßen in die Jahre kommen und Bäume am Rand wachsen, heben sich die Gehwegplatten beziehungsweise der Asphalt reißt. Zu beobachten ist das zum Beispiel am Palmbuschweg und entlang der Pielstickerstraße. Das sind wahre Stolperfallen für Fußgänger - besonders ältere Menschen haben dort Schwierigkeiten. Fallen sie einmal, haben sie Schwierigkeiten, sich wieder zu erheben. Damit es erst gar nicht dazu kommt, wären Baumbeete eine Lösung, wie sie bei neueren Baumaßnahmen oft angelegt werden, und eine Ebnung der Gehwegplatten.

2. Radstreifen: Auf Teilen der Altenessener Straße gibt es nur einseitig - nämlich Richtung Altenessen - einen Radstreifen. Auf der anderen Seite, zwischen Netto und dem Bahnhof Altenessen, fahren die Radfahrer auf dem Bürgersteig und kollidieren so mit den Fußgängern auf dem engen Gehweg. „Laut Straßenverkehrsordnung müssten sie dann eigentlich absteigen“, erklärt Kutztner, sonst bilden sie eine Gefahr für Fußgänger. Radfahren ist auf dem Gehweg grundsätzlich verboten. Gelöst werden könne dieses Problem am besten durch einen Radfahrstreifen auch auf dieser Seite der Altenessener Straße.

3. Zugeparkte Gehwege: Wer einen Rollator oder Kinderwagen hat, der braucht etwas mehr Platz auf dem Gehweg. Dieser ist jedoch, besonders in den Seitenstraßen, häufig durch parkende Autos oder Mülltonnen nicht gegeben und Fußgänger müssen auf die Straße ausweichen, was wiederum eine Gefahr bedeutet. Zu beobachten ist das beispielsweise in der Pielstickerstraße. „In den schmalen Straßen bekommt man die Bürgersteige jetzt auch nicht mehr breiter“, weiß Kutzner und betont, dass man bei Erneuerungen auf diese Dinge achten sollte.

4. Laternen und Ampeln: Was einem im Alltag nicht unbedingt auffällt, merken auch wieder Fußgänger, die mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sind: Auf manchen Bürgersteigen stehen Ampeln oder Laternen mitten auf dem Gehweg. Auch das habe die Gruppe an der Kreuzung Altenessener Straße/Ecke Palmbuschweg bemerkt: „Der Bürgersteig ist 2,40 Meter breit und die Laterne steht genau in der Mitte“, beklagt Kutzner. Solche Dinge müssten schon beim Bau auffallen. „Fußgänger dürfen nicht behindert werden.“

Fußverkehr soll auf 25 Prozent erhöht werden

Dies ist nach Angaben des Ratsherrn nur ein Ausschnitt von erlebten Problemen, die die Politik in der Bezirksvertretung, im Bau- und Verkehrsausschuss und schon bei der Erstellung zukünftiger Bebauungspläne aufgreifen müsse. Nur so könne das Ziel, auch den Fußverkehr auf 25 Prozent zu erhöhen, bis zum Jahr 2035 erreicht werden.

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