Videothek kämpft gegen das Aus

Bochold.   Die Zeiten, als Bandsalat im Videorekorder dem familiären Filmvergnügen am Samstagabend ein jähes Ende bereitete, sind lange vorbei. DVD und Blue Ray sind an die Stelle der so unhandlichen VHS-Kassetten getreten. Videotheken gibt es immer noch – wenn ihre Zahl auch deutlich gesunken ist.

Die Zeiten, als Bandsalat im Videorekorder dem familiären Filmvergnügen am Samstagabend ein jähes Ende bereitete, sind lange vorbei. DVD und Blue Ray sind an die Stelle der so unhandlichen VHS-Kassetten getreten. Videotheken gibt es immer noch – wenn ihre Zahl auch deutlich gesunken ist.

„Früher waren es bestimmt 30 im Stadtgebiet, wenn nicht noch sehr“, schätzt Martin Bienieke. Der 52-jährige gelernte Maler und seine Frau Nicole, beide aus Essen, betreiben seit gut 20 Jahren Videotheken. Erst kürzlich sind sie auf der Bocholder Straße in ein neues Geschäftslokal gezogen, nur einen Steinwurf von dem vorherigen Standort entfernt. Das war so nicht abzusehen. „Wir waren schon drauf und dran, in den Sack zu hauen“, sagt Martin Bienieke. Zuletzt sei bei großem Zeitaufwand kaum mehr Geld zu verdienen gewesen. Und nicht nur der Zeitaufwand spielte eine Rolle, auch das finanzielle Risiko, denn die DVDs und Blue Rays, die die Bieniekes verleihen, müssen sie zuvor kaufen.

600 Neukunden in drei Monaten

Ein Teil des Umsatzes wird immer wieder direkt in Neu-Einkäufe investiert. „Wir haben uns entschlossen, doch weiter zu machen, weil einige Konkurrenten im Umkreis aufgegeben haben“, gibt Martin Bienieke zu. Innerhalb von nur drei Monaten hätten sich 600 neue Kunden bei ihnen angemeldet.

Die Konkurrenz durch andere Videotheken ist im Laufe der Jahre spürbar kleiner geworden. Dafür ist die Konkurrenz durch moderne Medien gestiegen. „Viele Menschen laden sich Filme aus dem Internet herunter oder nutzen Entertainment-Angebote von privaten Anbietern“, sagt Nicole Bienieke. Eine Rechnung, so Martin Bienieke, die nicht immer aufgeht. „Da kostet ein Film auch schon mal fünf Euro – bei uns gibt es ihn für 1,30 Euro pro Tag.“

Den grundlegenden Unterschied macht der Betreiber aber daran fest, dass er und seine Frau auch beraten könnten. „Einige Stammkunden kommen auch, um einfach mal zu quatschen.“

Auf gut 300 Quadratmetern bieten die Bieniekes nach eigener Schätzung etwa 6000 Filme an. Komödien, Horror- und Actionfilme. Und wie schon zu Zeiten der VHS-Bänder, die aus heutiger Sicht wie Dinosaurier der Unterhaltungsbranche wirken, gibt es weiterhin im hinteren Teil der Videothek den Bereich für Erwachsene mit Erotik- und Sexfilmen. „Unsere Kundschaft ist zwischen 18 und 80. Die jungen Leute gucken viel Horrorfilme, die älteren eher Klassiker. Und Actionfilme schauen eigentlich alle“, erklärt Martin Bienieke. Die neueste Folge aus dem Star-Wars-Reigen kann man oft nicht sofort mit nach Hause nehmen, sondern man muss sich vormerken lassen. Auf unverbesserliche Nostalgiker warten Kauf-DVDs mit Filmen wie „Ben Hur“, „Crocodile Dundee“ oder „Casablanca“ in einem eigenen Regal. Auch „Dallas“ oder „Denver“ sind zu haben.

„Überhaupt laufen Serien gut“, sagt Nicole Bienike, selbst ein Fan von „Grey’s Anatomy“, „Sons of Anarchy“ oder „Desperate Housewives“. Und deutsche Filme? „Matthias Schweighöfer läuft immer“, sagt die 42-Jährige. Zuletzt erst war die Komödie „Der geilste Tag“ ein echter Renner.

Was die Zukunft bringen wird, wissen die Bieniekes nicht. Ob sich neueste Techniken wie etwa 4k, das eine größere Auflösung bietet, durchsetzen werden, sei ungewiss. Ohnehin müsste dann die Hardware der heimischen Fernseher ausgetauscht werden – und nicht die Medien wie DVD und Blue Ray.

„Wir denken nur noch von Jahr zu Jahr“, sagen die Bieniekes.

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